Windows 11 Systemanforderungen – ein riesengroßes Chaos

Schon von Anfang an war das Thema Systemvoraussetzungen bei Windows 11 ziemlich bestimmend. Nachdem Windows 10 auf allen möglichen alten Geräten lief, egal ob unterstützt oder nicht, hat man bei Windows 11 die Zügel angezogen.

Begründet wird das mit der Stabilität, Features der CPUs oder der Verfügbarkeit von DCH-Treibern für Gerätekomponenten. Ein TPM 2.0 bietet als sicheres Element zusammen mit Features wie SecureBoot sicherlich eine deutliche Verbesserung der Sicherheit des Systems. Nur wird das System des Anwenders zu Hause oder auch in kleinen bis mittleren Unternehmen eben nicht durch aufwändige Firmware-Angriffe in Gefahr gebracht, sondern durch harmlos aussehende E-Mail Anhänge oder katastrophale Sicherheitslücken wie „PrintNightmare“.

Fanden sich zu Anfang nur Intel CPUs ab der 8. Generation auf der Liste der kompatiblen Intel CPUs sowie AMD Ryzen CPUs ab den 2000er Generationen, hat Microsoft mittlerweile die Liste minimal erweitert und einige eher selten verbaute Intel Workstation-CPUs aufgenommen sowie genau eine (!) mobile Intel CPU der 7. Generation. Diese aber auch nur, wenn sie in drei bestimmten Geräten steckt – eines davon ist das Microsoft Surface Studio 2.

Schaut man jetzt die Listen der unterstützten CPUs durch, kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus.

Ein AMD 3015e Prozessor wird für Windows 11 unterstützt. Das ist eine Dualcore CPU mit zwei Zen Kernen. Die erste Ryzen Generation 1000, die selbige Zen Kerne verwendet, wird hingegen durchweg nicht unterstützt. Ein Ryzen 1800X mit acht Kernen fällt raus, ein lahmer Dualcore SoC bleibt drin? Gibt es hier unterschiedliche CPU-Features? Irgendeine Besonderheit der 3015e CPU, die das rechtfertigt?

Auch beim Support der Intel CPUs sieht es nicht anders aus. Ein Intel Core i7-7820HQ wird unterstützt, so er in einem bestimmten DELL Gerät, in einem Surface Studio 2 oder in einem Lenovo ThinkPad T470p steckt. Letzteres wurde auch z.B. mit einem Intel Core i5-7300HQ verkauft. Oder noch näher dran: mit einem Core i7-7700HQ. Gleiches Gerät. Gleiche Firmware. Gleiche Treiber. Gleiche CPU-Generation und Serie. Nur ein paar Kerne weniger bzw. etwas weniger Takt. Das Modell mit der dicken CPU wird unterstützt, alle anderen nicht.

Blickt man da noch durch?

Nun könnte man ja sagen: „was interessiert mich ein unterstütztes System? Nur laufen muss es!“

Hier läuft ein Windows 10 auf einem Core i7 der 4. Generation. Schaut man in Microsofts Kompatibilitätslisten für Windows 10 findet sich diese Generation dort nirgendwo. Es läuft trotzdem bekommt normal Updates und dass es offiziell gar nicht unterstützt wird, interessiert nicht und man merkt es nicht.

Nun gibt es ja ein paar Leute, die engere Kontakte zu Microsoft haben. So liefern Sprecher von Microsoft der Seite „Windows Central“ die Infos, dass auch auf nicht unterstützter Hardware Windows 11 installiert werden könne. Allerdings halt nur per Installation über das Media Creation Tool bzw. ein ISO-Image. Nicht über ein normales Update. Okay, das wäre zu verschmerzen.

The Verge“ bekam allerdings gleichzeitig von Microsoft die Informationen, dass diese nicht unterstützten Installationen dann eventuell nicht berechtig seien, Windows Updates zu bekommen. Also vielleicht, möglicherweise, eventuell. Falls es so wäre, wäre das dann schlicht nicht brauchbar. Aber meint man damit nun die normalen monatlichen kumulativen Updates? Oder nur die in Zukunft jährlichen Funktionsupdates auf neue Windows 11 Versionen?

Wer jetzt eine Windows 11 Insider Preview auf nicht von Microsoft unterstützter Hardware installiert hat, soll angeblich vom Developer- in den Beta-Kanal verschoben werden, da im Developer-Kanal demnächst die Testversionen für die 2022er Windows 11 Version erprobt werden. Hier läuft genau solch ein Gerät, aber bleibt weiterhin im Developer-Kanal, obwohl angeblich nicht kompatibel.

All das ist ziemlich unbefriedigend. Katastrophale Kommunikation. Die Leute werden gleich mehrfach im Regen stehen gelassen.

Wer vier Jahre alte Hardware hat, kann oft schon kein Windows 11 mehr einsetzen. Klar, man kann Windows 10 bis zum Supportende 2025 weiter verwenden. Also wird die Hardware nicht gleich wertlos. Das ganze Drumherum ist trotzdem mies.

Jeder kann verstehen, wenn ein neues System bestimmte Anforderungen hat, die alte Hardware und alte Treiber nicht erfüllen. Dann sollte aber auch klar und nachvollziehbar kommuniziert werden, worum genau es da geht. Und nicht auf Systemen, auf denen Windows 11 ganz wunderbar läuft, den Nutzern ein „ihr Gerät ist nicht kompatibel“ gezeigt werden, samt der weiteren Verwirrung, ob es denn nun trotzdem geht oder nicht, Updates bekommt oder nicht und weiterem Unsinn.

Aber Kommunikation war wohl noch nie Microsofts Stärke.

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2 Antworten zu Windows 11 Systemanforderungen – ein riesengroßes Chaos

  1. In der Tat.
    Das ganze Thema mit den Systemanforderungen wirkt wie ohne Sinn und verstand. Bei den Vorgängern gab es noch nie so massive Probleme. Man ist irgendwie dazu genötigt, sich irgendwann aktuelle Hardware zuzulegen, obwohl die Alte noch gut ist.
    Ich wollte mir eigentlich ende das Jahres einen neuen Rechner bauen, bei dem Ich später Win11 installieren kann. Aber bei den ungenauen Anforderungen lasse Ich es erstmal. Nacher ist mein neues System plötzlich doch nicht mehr kompatibel.

    • Ingo schreibt:

      Na so schlimm ist es nicht. Was man heute an Hardware kommt, wird auch mit 11 kompatibel sein. Die Anforderungen, was denn kompatibel ist, sind ja schon ganz konkret.
      Wo es durcheinander geht, sind halt die Anforderungen bei älteren Systemen. Da scheiterst du allerdings nicht dran, wenn du jetzt neu kaufst. Es sei denn, du lässt dir irgendeinen Ladenhüter von vor fünf Jahren andrehen. 😉

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