Broadcom WLAN Verbindungsabbrüche unter Windows 10

Wer Windows 10 auf einem Gerät mit älterem Broadcom WLAN Adapter einsetzt, wird möglicherweise häufiger spontane Verbindungsabbrüche bemerken.

Auf einmal ist das WLAN einfach „weg“, oder Windows meldet, es wäre zwar verbunden, aber die Internetverbindung wäre „eingeschränkt“.

Im Netz finden sich dazu diverse Artikel, was man denn eventuell umstellen könne. Von Energieoptionen über die Deaktivierung von bestimmten Performance-Optionen liest man einiges. Hilfreich davon war hier leider nichts.

Diese Adapter sind betroffen. Sie laufen auch unter der Modellnummer BCM43xx, wobei xx für die möglichen Features steht und die 43 die Modellserie beschreibt.

Die von Windows automatisch installierte Treiberversion ist von 2013, stammt somit aus Zeiten von Windows 8.1. Als Treiberanbieter wird Microsoft genannt, allerdings stammt der Treiber direkt von Broadcom.

Bei Broadcom auf der Seite finden sich für normale Benutzer keine WLAN Treiber zum Download. Man wird auf den Hersteller des Gerätes verwiesen, in dem der WLAN Chip verbaut ist. Das ist in diesem Fall HP. Dort findet sich kein neuerer Treiber.

Nach etwas Sucherei finden sich allerdings bei Microsoft selber auch neuere Treiberversionen.

Microsoft Update-Katalog

Dort findet sich dann ein Treiber in der Version 7.35.295.2, angeblich für einen Broadcom 802.11n WLAN Adapter. Na genau den haben wir doch.

Also schnell das .cab Archiv heruntergeladen und per Windows Explorer in einen Ordner entpackt. Ein Blick in die .inf Datei mit den Treiber-Informationen bringt dann Enttäuschung.

Sehr viele Modelle stehen da nicht drin. Und meines ist nicht dabei.

Nun, das kann also nicht klappen, oder?

Probieren wir es doch einfach trotzdem mal. Im Gerätemanager wird „Treiber aktualisieren“ ausgewählt.

Wir suchen auf dem Computer nach Treibern.

Da ja schon klar ist, dass eine automatische Installation nicht funktionieren kann, da ja unser Gerät in der Liste der unterstützten Geräte in den Treiberdateien nicht drin ist, wird die Sache manuell aus der Liste ausgewählt.

Die manuelle Auswahl bietet einem zuerst nur den bereits installierten Treiber an. Dort gibts dann aber rechts unten den Knopf „Datenträger…“

Und damit wählt man den Ordner aus, in den vorher das .cab Archiv entpackt wurde. Konkret kann man die .inf Datei auswählen, die die Treiberinformationen enthält.

Unser Modell ist das 802.11n Gerät, also wird dies auch hier ausgewählt.

Und dann kommt noch eine Warnung, die uns sagt, dass dieser Treiber eventuell gar nicht für unser Gerät sei. Ach egal, die bestätigen wir einfach mit Ja.

Trommelwirbel, und das Gerät läuft!

Warum ist das so? Nun, Broadcom baut einen generischen Treiber für alle möglichen seiner WLAN Adapter. In der Beschreibung des Treibers, der .inf Datei, werden allerdings jeweils nur einige Modelle genannt, für die sich der Treiber automatisch installieren lässt. Der Treiber selbst beherrscht aber weit mehr.

Installiert man den Treiber wie beschreiben manuell, warnt Windows zwar, weil es merkt, dass das Gerät in der .inf Datei nicht auftaucht, aber da wir eben manuell installieren, versucht es die Treiberinstallation trotzdem. Und das funktioniert in diesem Fall.

Ich habe seitdem auf zwei Geräten den Treiber so installiert und keine ständigen Abbrüche mehr erlebt. Auch der Transfer größerer Datenmengen läuft damit problemlos. Der neuere Treiber ist also tatsächlich die Lösung.

Einen Nachteil gibt es allerdings auch: bei einem größeren Windows 10 Update, bei dem das System ja neu installiert wird und dann die Programme, Einstellungen und Daten migriert werden, wird Windows diesen Treiber nicht mit übernehmen. Es wird dann wieder der alte Treiber installiert, der offiziell für dieses WLAN-Adapter-Modell freigegeben wurde.

Im Herbst, wenn die nächste größere Windows 10 Version 21H2 erscheint, wird man diesen Schritt mit dem manuellen Treiberwechsel also einfach noch einmal wiederholen müssen.

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Eine Antwort zu Broadcom WLAN Verbindungsabbrüche unter Windows 10

  1. ArnF schreibt:

    Danke für die ausführliche Erläuterungen.
    Ich habe da noch einen Vorschlag für eine dauerhafte Lösung. Man kann auch die .inf Datei um eigene Geräte ergänzen. Dann ist allerdings die Signatur defekt. Man kann sich aber auch Treiber selbst signieren und das eigene Zertifikat installieren. Da es dann ein passender Treiber ist und neuer als der Original-Treiber sehe ich keinen Grund, warum Windows den beim nächsten größeren Update wieder ersetzen sollte.

    Hier mal ein paar Links zum Thema Treibersignierung:
    https://docs.microsoft.com/de-de/windows-hardware/drivers/devtest/inf2cat
    https://docs.microsoft.com/en-us/windows-hardware/drivers/download-the-wdk
    https://docs.microsoft.com/en-us/windows-hardware/drivers/install/makecert-test-certificate

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