Test: ODYS Vario Pro 12–Convertible mit Stift–Teil 2

Damit wären wir dann schon beim zweiten Teil des Tests. Heute geht es darum, wie sich das Vario Pro im Alltag bewährt. Die Software, der Stift, das 360° Scharnier und alles, was sonst noch so möglich ist.

Die Software

Das ODYS Gerät kommt mit einem vorinstallierten Windows 10 Home. Installiert ist die 32-bit Version, was bei nur 2 GB Ram auch ganz sinnvoll klingt. Neben einer Office Testversion sind sonst keine weiteren Softwarebeigaben vom Hersteller installiert. Windows selber beglückt einen ja noch mit der automatischen Installation von ein paar mehr oder weniger hilfreichen Apps, die man zum Glück einfach entsorgen kann.

Nach der Installation stehen von den 32 GB Flash-Speicher noch knapp 18 GB zur Verfügung. Wer größere Datenmengen unterbringen möchte, sollte demnach zuerst eine MicroSD Karte in den vorhandenen Slot stecken und in den Windows Einstellungen diese als Ziel für z.B. Musik, Videos oder Bilder deklarieren.

Mit den beiden hier getesteten MicroSD Karten hatte ich allerdings so meine Probleme. Die SanDisk Ultra 64 GB SDXC Class 10 wurde immer mal wieder mit “Gerät konnte nicht gestartet werden” im Gerätemanager versehen, funktionierte dann zwischendurch wieder einwandfrei. Eine ältere SanDisk 16 GB SDHC Class 2 wurde erst zuverlässig erkannt, nachdem sie mit dem SDFormatter an einem anderen PC formatiert wurde.

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Im Startmenü findet sich das “ODYS eManual”, was nichts anderes ist als ein Weblink zur Produktseite im Internet. Dort findet sich ein Handbuch im PDF Format. Mehr leider nicht. Weder Treiber noch UEFI Updates sind dort zu finden. Nur der Hinweis, man würde normalerweise keine Treiber brauchen und falls doch, möge man sich bitte mit dem Support in Verbindung setzen.

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In Zeiten, wo in UEFI Firmware auch mal Sicherheitslücken gefunden und hoffentlich beseitigt werden ist das m.E. ein schlechter Service. Als Kunde will ich doch nicht erst beim Support nachhaken müssen, ob hier Updates vorliegen! Ich erwarte, dass auf der Produktseite eines jeden Produktes alle notwendigen Treiber sowie alle aktuell verfügbaren Firmware-Updates zum Download bereitstehen. Ohne Nachfrage. Und idealerweise auch ohne irgendwelche Registrierungen oder Anmeldungen. Erwarte ich zu viel?

Startet man auf dem Gerät einige Apps, schmilzt der freie Arbeitsspeicher schnell dahin. Die Mail und Kalender App, Twitter, Facebook und Skype hat man im Tablet Betrieb gerne mal als Apps geöffnet. Damit wäre der Arbeitsspeicher dann schon gut ausgelastet. Zwar arbeitet Windows 10 mit Speicherkompression und Apps im Hintergrund werden angehalten. Damit lässt sich mit modernen Apps immer noch gut arbeiten, auch wenn mehrere gleichzeitig geöffnet sind.

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Nur ist das Vario Pro ja gerade als 2-in-1 Gerät gedacht. Und damit laufen hier nicht nur Apps, sondern auch herkömmliche Desktop-Programme. Und diese lassen sich von Windows bisher nicht einfach so pausieren. Word, Excel und Powerpoint ohne Dokumente geöffnet, schon ist man bei 80% Speicherauslastung. Ein größeres Dokument dürfte da schon nicht mehr so schön zu bearbeiten sein.

Cortana

Microsoft bewirbt bei Windows 10 ja immer wieder gerne Cortana, die mittlerweile zur Standardsuchfunktion von Windows 10 beförderte Assistentin. Cortana greift – so der Nutzer es erlaubt – auf alle möglichen Dinge wie Kalender, Mails oder das Web zu und sucht, verwaltet und merkt sich Dinge.

Auch mit dem Vario Pro zusammen wird Cortana als eines der interessanten Features beworben. Cortana ist dabei sowohl durch das Sucheingabefeld im Startmenü als auch direkt per Sprache zu erreichen. Tippt man ins Eingabefeld, wird halt herkömmlich gesucht, d.h. lokale Apps oder Webseiten. Spricht man mit Cortana, kann sie Wecker stellen, Termine anlegen oder auch (ziemlich flache) Witze erzählen.

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Es stellt sich die Frage, ab wann denn daraus wirkliche Vorteile für den Nutzer zu ziehen sind. Bin ich schneller, wenn ich Cortana einen Termin diktiere? Ja, bei einfachen Terminen tatsächlich. Wenn Cortana denn versteht, was man von ihr möchte. Das klappt oft, aber lange noch nicht immer. “Neuer Termin morgen 12 Uhr” klappt wunderbar, aber als Cortana den Betreff wissen möchte, macht sie aus “essen” dann “Apple”. Ähem…

Dringend verzichten sollte man übrigens auf das Feature “Hey, Cortana!”. Ist dies aktiviert, hört Cortana ständig zu und wartet auf ihren Auftritt. Leider hört sie dabei je nach Gerät mal besser, mal schlechter. Ein Test im leisen Wohnzimmer mit “Hey, Cortana!” führte dazu, dass das Notebook und das Windows 10 Mobile Handy interessiert die Lauscher spitzten, während das ODYS 2-in-1 Gerät nicht reagierte. In der Zeit, in der ich dann zwei oder drei Mal “Hey, Cortana!” gerufen habe, kann ich die entsprechende Aktion dann auch gleich selber machen.

Dummerweise frisst die Funktion aber auch Ressourcen. Die kleine Atom CPU ist ständig zu knapp 10% durch den Windows Audiodienst ausgelastet, sobald “Hey, Cortana!” aktiv ist. So wichtig kann mir diese Funktion gar nicht sein, dass ich dafür Akkuzeit opfere.

Der “ActivePen” und Windows Ink

Mit dem Anniversary-Update von Windows 10, d.h. der Version 1607, hat Microsoft das System für die Stiftnutzung ordentlich ausgebaut. Wird ein Stift erkannt, blendet Windows 10 in der Taskleiste automatisch das Windows Ink Symbol ein. Wählt man dieses an, lassen sich hier schnell Notizen per Stift anlegen oder Skizzen erstellen – entweder auf dem Skizzenblock oder direkt auf dem Bildschirm.

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Auch kann man darüber direkt die zuletzt mit Stiftbedienung genutzten Apps aufrufen. Und Microsoft wäre nicht Microsoft, wenn man dort nicht auch noch Vorschläge für Apps aus dem Store unterbringen würde, die Stiftbedienung unterstützen.

Klappt man das Vario Pro 12 um und aktiviert den Tablet Modus, fühlt sich die Bedienung per Stift schnell relativ natürlich an. Die Handschrifterkennung von Windows erkennt auch meine Sauklaue relativ zuverlässig. Nur manchmal verwirrt der auf dem Display aufliegende Handballen das System. Die Trennung von Stift- und Touchbedienung läuft dann nicht ganz sauber und man schiebt bei Stiftbewegungen plötzlich das Infocenter von rechts ins Bild oder hat im Handschriftfeld durch auf dem Display bei der Stiftbedienung aufliegende Fingernägel störende Artefakte. Kommt selten vor, passiert aber.

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Eine geradezu geniale kleine Neuerung ist das virtuelle Lineal, was sich über die Windows Ink Bedienfunktionen einblenden lässt. Damit lassen sich dann auf dem Bildschirm auch tatsächlich gerade Linien zeichnen und die Bedienung fühlt sich fast völlig natürlich an.

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Lineal mit einer Hand schieben, mit dem Stift daran entlang zeichnen. Passt. Allgemein wirkt die Stiftbedienung mittlerweile relativ ausgereift und auf dem Display des ODYS lässt sich recht gut schreiben.

Microsoft bewirbt auch die Karten App als für die Bedienung mit dem Stift geeignet. Man kann nun Routen per Stift planen und sich die Entfernung zwischen zwei Punkten anzeigen lassen, die man mit dem Stift verbunden hat. Leider ist dies noch etwas halbherzig umgesetzt. Die Karten App plant z.B. keineswegs die Route entlang der gezeichneten Strecke, sondern erkennt Start- und Endpunkt und plant dann selbständig dazwischen. Bei einer gezeichneten Route von Hamburg über Dortmund nach München kommt somit eine Route von Hamburg nach München heraus. Dortmund sieht man dabei nicht einmal aus der Nähe.

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Auch in Edge lässt sich vortrefflich auf Webseiten herummalen. Diese Anmerkungen werden auf Wunsch gespeichert. Alternativ lassen sich die verschönerten Webseiten auch als Screenshot speichern. In einer Präsentation kann das als Stilmittel sinnvoll sein. Ob ich bei einer Präsentation mit einem 2-in-1 Notebook samt Stift herumlaufen will, frage ich mich aber schon. Ich präsentiere allerdings auch eher selten Webseiten.

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Klappen? Drehen? Zelten?

Man sollte vor allem nie vergessen, dass man anders als bei einem reinen Tablet hier die Tastatur jederzeit dabei hat – und auch dabei haben muss. Das Gerät in einer Hand zu halten und mit der anderen Hand zu zeichnen wird relativ schnell unangenehm. Dafür ist es schlicht zu schwer.
Und warum sollte ich per Handschrift mit dem Stift auf dem Display schreiben, wenn ich die Tastatur eh immer dabei habe? Wie viele Menschen schreiben wohl mit dem Stift schneller als auf einer Tastatur?

Ich habe im Alltag das ODYS Vario Pro 12 meist im normalen Notebook-Modus genutzt. Dabei ist es gut zu handhaben, kann auch auf dem Schoß genutzt werden und wirkt als Notebook leicht und portabel.
Der Tablet Modus mit nach hinten geklappter Tastatur lohnt nur, wenn man konkret mit dem Stift arbeiten, d.h. zeichnen oder malen will. Eine halbwegs angenehme Sitzposition ist dabei für mich nur auf dem Sofa mit angezogenen Beinen und dem ODYS auf den Oberschenkeln zu erreichen.
Der “Zelt” Modus mit dem Scharnier oben ist meines Erachtens selten sinnvoll. Selbst Filme lassen sich im normalen Notebook-Modus besser schauen, steht das Gerät dabei doch einfach stabiler auf seinen Gummifüßen als auf den Seiten des Kunststoffgehäuserahmens.

Im Maschinenraum

Überraschend viel einstellen kann man im UEFI Setup des ODYS Vario Pro 12. Auch hier zeigt sich die deutliche Verwandtschaft zu den Tablets, bietet das UEFI Setup doch spezielle Optionen für die Nutzung von Android.

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Vom Hauptbildschirm geht es z.B. zu den Einstellungen für den Bootmanager oder den Boot von einer EFI Datei. Auch lässt sich SecureBoot hier konfigurieren. Interessanterweise ist es bei Auslieferung deaktiviert. Ob dies ein Fehler oder Absicht ist, habe ich noch nicht herausfinden können. Ich habe SecureBoot sinnvollerweise aktiviert.

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Spätestens in den Einstellungen unter “Advanced” sollte man allerdings lieber nicht unüberlegt Änderungen vornehmen. Bei vielen Optionen dort kann selbst ich nicht einmal erahnen, wofür sie gut sein mögen. Lieber Finger weg! Smile

Beim Gerät aus der Vorab-Produktion waren übrigens im UEFI Setup noch mindestens 128 MB Ram als für die Intel Grafik eingestellt. Das hat man sinnvollerweise für die Produktionsgeräte auf 32 MB verringert. So bleibt mehr Speicher fürs System und die Zuordnung des Grafikspeichers erfolgt eh dynamisch nach Notwendigkeit.

 

Das war es dann auch schon mit dem zweiten Teil. Im dritten Teil gehts dann wie versprochen um Benchmarks, aber auch Akkulaufzeiten. Zudem darf das ODYS Vario Pro 12 gegen einen seiner “Urahnen” im Vergleich antreten.

 

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Hinweis in eigener Sache: das Gerät wurde im Rahmen der Microsoft Produkttester Aktion kostenlos zur Verfügung gestellt. Ich denke, dass das den Test nicht weiter beeinflusst hat. Smile

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2 Antworten zu Test: ODYS Vario Pro 12–Convertible mit Stift–Teil 2

  1. Hans schreibt:

    Hallo,
    bei wir wäre es so, dass ich es tatsächlich für den Zweck kaufen würde, um viel damit handschriftlich zu arbeiten. Und zwar auf normalen Tischen im Tabletmodus. Hauptzweck: Skripte mit PDFannontator ergänzen und digitale Mitschriften erstellen. Ich möchte in der Uni meinen Papierkram so gut es geht minimieren. Da sollte die Eingabe schon relativ reibungslos funktionieren. Sicherlich, mit einem Surface Pro 4 kann man es nicht messen, wo es mittlerweile wirklich toll funktioniert, aber es kostet auch nur ein Viertel. Für weitere Bearbeitung steht ein Desktop bzw. normaler Laptop zur Verfügung. Es geht rein um die oben genannten Zwecke.
    Kannst du da eine Empfehlung aussprechen? Oder würdest eventuell eher auf ein Surface 3 zurückgreifen?
    Beste Grüße,

    Hans

    • Ingo schreibt:

      Ich habe auch auf den Surface Geräten die Schreibfunktionen per Stift nur kurz genutzt, um überhaupt zu probieren, wie Handschrifterkennung heute funktioniert. Alleine auf Basis dieser relativ kurzen Einblicke kann ich nicht sinnvoll zwischen beiden Geräten vergleichen, ob die Stiftfunktion gleichwertig gut funktioniert. Es sind mir auf den ersten Blick bei beiden Geräten keine Schwächen aufgefallen. Ich kann aber nicht dafür garantieren, dass das bei ernsthafter Nutzung ähnlich aussieht.

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