Von Mäusen und Menschen und Werbebannern

Früher gab es den schönen Spruch “The internet is for porn”, welcher heute wohl in “Das Internet ist Werbung” umgedichtet werden muss. Die für viele Webseiten-Betreiber einzige Einnahmequelle im Internet ist Werbung, die in mehr oder weniger aufdringlicher Form auf der Seite untergebracht wird. Mit der Werbung und dazu noch mit dem Handel von Nutzerdaten finanzieren sich dann auch große Unternehmen wie Google und Facebook.

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In den letzten Jahren hat die Werbe-Durchdringung im Internet gefühlt immer weiter zugenommen. Fanden sich früher Banner über oder neben den eigentlichen Inhalten, überdecken mittlerweile oft animierte Video-Spots den Inhalt und müssen erst weggeklickt werden oder alleine beim Zeigen auf Texte springen einem Infos zu bestimmten Wörtern entgegen – in der Hoffnung auf das große oder zumindest das kleine Geld.

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Nimmt man bei solch einer Seite mal die reinen Werbe-Inhalte weg, zeigen sich plötzlich recht große, weiße Lücken.

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Nun ist Werbung ja an sich nicht schlecht. Sie ermöglicht es, dass wir Inhalte “kostenlos” lesen oder anschauen können und davon hat normalerweise jeder etwas. Zum Problem wird es an drei Stellen. Eine davon sieht man sehr gut am folgenden Screenshot.

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Erstens wird Werbung nämlich mehr und mehr übertrieben. Die eigentlichen Inhalte treten in den Hintergrund und die Werbung ersetzt den Inhalt. Wie man im obigen Screenshot von Focus Online sehen kann, sieht man nach dem Öffnen der Webseite schlicht überhaupt keinen Inhalt mehr. Null! Nada!

Und zweitens passiert es immer wieder, dass eben nicht nur für seriöse Firmen geworben wird, sondern unseriöse Inhalte beworben werden. Das geht los bei Werbung für zwielichtige Geldanlagen, geht über Potenzpillen aus seltsamen Quellen bis hin zu “Ihr PC ist verseucht!!!” Meldungen, die einen zum Kauf sinnloser Reparatur-Software animieren sollen. Wie man an meinem Artikel zu Reimage Repair sehen kann, kann auch so etwas eine teure Falle werden.

Teilweise wird mit Werbeanzeigen sogar direkt versucht, Schadsoftware auf PCs zu bringen. Die Skripte, die die Werbebanner nachladen, klopfen nebenbei auch gleich den PC auf mögliche Schwachstellen ab und versuchen, diese dann auszunutzen.

In allen drei Fällen wird das Blockieren solcher Werbung zum reinen Selbstschutz.

Folgende Werkzeuge zum Schutz vor der Werbeflut und missbräuchlichen Werbebannern sollen hier heute vorgestellt werden:

– die Erweiterungen “uBlock Origin” und “Ghostery” für Mozilla Firefox und Google Chrome
– die Tracking Protection Listen für den Internet Explorer

Allesamt sind dies Lösungen, die für den Normalnutzer ohne größere Probleme einzusetzen sind und vor allem ohne dass sie eine umständliche Konfiguration benötigen.

uBlock Origin für Firefox und Chrome

uBlock ist ein einfacher, wirkungsvoller Werbeblocker. Er kann in Firefox über diesen Link hinzugefügt werden. Chrome Nutzer rufen stattdessen diesen Link auf. Es werden automatisch verschiedene Listen bekannter Werbeserver abgefragt, so dass jetzt keine weitere Konfiguration notwendig ist.

Sobald eine Webseite nun neu geladen wird, sollte einem die deutlich schnellere Ladegeschwindigkeit sowie die erheblich bessere Übersicht auffallen.

ublock1

Über das uBlock Symbol, welches in der Symbolleiste von Chrome oder Firefox bei der Installation des Add-Ons hinzugefügt wird, lässt sich uBlock zeitweise oder für bestimmte Webseiten deaktivieren. Außerdem bekommt man ein wenig Statistik, wie viele Dinge auf der gerade geladenen Seite so ausgefiltert wurden.

Tracking Protection Listen in Internet Explorer

Die selben Listen, die uBlock und andere Adblocker-Add-Ons nutzen, können im Internet Explorer direkt eingebunden werden. Über diese Webseite findet sich eine Auswahl von Listen, von denen zumindest “EasyList Standard” und “German EasyList” eingebunden werden sollten.

Im IE können dann unter Einstellungen / Add-Ons die verwendeten Tracking-Schutz-Listen verwaltet werden. “Ihre angepasste Liste” muss dabei aktiviert sein, damit der Schutz insgesamt aktiv ist.

ie

 

Ghostery

Während “uBlock Origin” in der Hauptsache die Anzeige von Werbebannern unterdrückt, dient Ghostery dazu, die Verfolgung des Nutzers im Netz durch Werbe-Dienstleister zu erschweren. Hierfür ist allerdings eine gewisse Vorkonfiguration notwendig.

Die Installation erfolgt wieder aus den jeweiligen Downloadbereichen für Add-Ons der jeweiligen Browser. Also für Firefox User per Klick auf diesen Link und für Chrome User per Klick auf diesen Link. Nutzer vom Internet Explorer können Ghostery als Programm über diesen Link installieren.

Nach der Installation von Ghostery muss noch ausgewählt werden, was denn geblockt werden soll. Hierbei kann man zuerst einmal unter “Tracker” einfach “Alles auswählen” anklicken und auch die Frage mit Ja beantworten, ob auch neue Tracker automatisch geblockt werden sollen.

ghostery

Das Blockieren von Cookies sollte man zumindest im ersten Schritt unterlassen. Damit ist auch Ghostery konfiguriert.

Nach dem Laden einer neuen Webseite sieht man auch am Ghostery Symbol wieder, was dort geblockt wurde.

 ghostery2

Auch kann hier für jede Webseite und jeden Tracker einzeln ausgewählt werden, ob geblockt oder erlaubt werden soll.

Das Ergebnis zeigt sich dann bei der oben schon gezeigten Beispielseite so:

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Microsoft Edge und andere Browser

Ich habe mit Firefox, Chrome und IE die drei gebräuchlichsten Browser behandelt. Für weitere Browser existieren meist ähnliche Methoden, allerdings nutze ich diese Browser schlicht nicht.
Microsoft Edge kommt im Moment ohne jegliche Schnittstellen für Add-Ons oder Tracking-Protection-Listen. Die entsprechende Funktion soll wohl mit einem Update noch nachgerüstet werden. Bis dahin sollte man stark werbeverseuchte Webseiten nur mit einem der oben genannten drei Browser nutzen.

Ausnahmen über Whitelisten

Die Webseiten-Betreiber wollen leben und die Verwendung von Werbung zur Finanzierung ist ein legitimes Mittel dazu. Die komplette Filterung jeglicher Werbeanzeigen auf allen Webseiten kann somit ein sehr hartes Mittel sein, wenn man doch die Seiten nutzt und somit von ihren Inhalten profitieren möchte. Man sollte sich immer mal Gedanken machen, vertrauenswürdige Seiten von der Filterung auszunehmen – es zumindest zu versuchen.

Meine Versuche ohne Werbeblocker auszukommen endeten allerdings meistens relativ schnell mit dem nächsten automatisch loslaufenden Video-Banner oder dem nächsten Bild, welches sich erst einmal über den kompletten Inhalt legt und bei dem man ein Suchspiel betreiben darf, um es schließen zu können.

Adblocker-Blocker

Manche Webseiten weisen mittlerweile Besucher mit aktivem Adblocker darauf hin, dass der User doch bitte diesen deaktivieren möge. Hier kommen dann wieder die Überlegungen zur Aufnahme auf die Whitelist zum Tragen. Andere Seiten liefern Werbebanner über eigene Server aus, die nicht von den Listen der Adblocker erfasst werden. Da dies meist statische Banner mit geringem Störfaktor sind und hierüber auch keine Malware nachgeladen werden kann, dürfte dies unproblematisch sein.

Andere Seiten bieten mittlerweile einfach ein günstiges Abo für einen werbefreien Dienst an. Für Seiten, die man regelmäßig nutzt, kann auch dies eine Alternative sein. Als Beispiel sei hier Golem.de genannt.

golem

Ein gewisses Schundblatt hat hingegen in den letzten Monaten nicht nur Nutzer von Adblockern von seinen Angeboten gleich ganz ausgesperrt, sondern ist auch rechtlich gegen einen Anbieter eines Adblockers vorgegangen. Die dabei genannten Gründe sind teils hanebüchen. Würde selbiges Blatt einen Fernsehsender betreiben, würde man vermutlich demnächst den Klogang während der TV-Werbepause unter Strafe stellen wollen.

In solch einem Fall gibt es eine sehr einfache Problemlösung: diese Seiten besucht man schlicht und einfach nicht.

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7 Antworten zu Von Mäusen und Menschen und Werbebannern

  1. Wolfgang Sinhuber schreibt:

    Sehr informativ!
    Vielen Dank, Wolfgang Sinhuber

  2. Frank Stein schreibt:

    Es gibt auch eine Browser-übergreifende Lösung, die auch mit Win10/Edge funktionieren dürfte, da auf Proxy-Basis. https://www.admuncher.com

    Updated sich selber (Programm/Filterlisten) und ist inzwischen kostenfrei, allerdings nur auf Englisch verfügbar (was aber kein großes Problem ist). Eine generelle Einschränkung von Proxy’s ist allerdings, dass nur http ‚bearbeitet‘ (gefiltert) werden kann, https Traffic rutscht also quasi durch und dadurch einige wenige harmlose Werbereien. Der Großteil allerdings wird problemlos gefiltert, ohne jegliche Performance-Verluste, wie gesagt Browser-übergreifend. Auch eigene Regeln kann man hinzufügen, oder gezielt bestimmte Elemente einer Website entfernen, die einen ’stören‘. Die Installation/Einrichtung ist sehr einfach.

    Ich selber nutze die Kombination AdMuncher + uBlock Origin (Firefox), nicht nur der total übertriebenen Werbung wegen, sondern gerade auch wegen Sicherheit und der genauso Telemetrie-Datensammelei. Zusätzlich im Router noch die wichtigsten Datensammel-Adressen (Microsoft & Co) im Router geblockt. Seitdem ist gottseidank endlich Ruhe und das Internet frustfrei, vor allem DEUTLICH schneller nutzbar.

  3. Sho Lee schreibt:

    Sehr schöner Artikel 🙂

    Allerdings möchte ich von der Nutzung von „Ghostery“ erst mal abraten. Die Optionen sind auch in „uBlock Origin“ grösstenteils enthalten.

    „Ghostery“ gehört seit einiger Zeit einer Firma, die selbst Werbung macht…von daher sehe ich das ehemals gute Programm schon als kritisch an. Mehr dazu findet man auch bei Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Ghostery#Kritik

    und auf Prism Break
    https://prism-break.org/de/categories/windows/#web-browser-addons

    • Ingo schreibt:

      Ich habe auch kurz überlegt, ob Ghostery weiterhin Mittel der Wahl sein sollte. Aber ich sehe grundsätzlich erst einmal kein Problem darin, wenn die Firma hinter Ghostery gewisse anonymisierte Daten sammelt und weitergibt. In den Datenschutz-Infos auf der Webseite ist genau dargelegt, was wann an Daten gesammelt wird.

      Die genannten Alternativen wie NoScript oder gerade RequestPolicy sind für Einsteiger nicht wirklich geeignet.

      Ich möchte eher von der Nutzung von CHIP.de grundsätzlich abraten. Wer Software-Downloads mit einem Adware-Installer verbreitet, insbesondere beim typischen CHIP Zielpublikum, welches die versteckten Alternativ-Downloads sicher gerne übersieht und die Möglichkeiten zum Überspringen der Adware-Installation ebenfalls, hat damit in meinen Augen jegliche Glaubwürdigkeit verspielt.

      • Sho Lee schreibt:

        Request Policy und NoScript halte ich auch nicht für praktikabel, erst recht nicht für Laien, da man sich da auch schnell selbst ausperrt..
        Von Ghostery erwarte ich das, was das Programm verspricht…nicht aber, dass ich anstatt dessen auf Listen des Herstellers lande..auch wenn diese Daten anonymisiert sind..sein sollen….“niemand hat die Absicht, eine Mauer…“ Ich bin da eher skeptisch.
        uBlock lässt sich dahingehend ja auch weitreichend konfigurieren…ohne was nach Hause zu schicken (hoffe ich zumindest)

        Chip.de wird auch von mir gemieden, wie die Pest und ich rate auch jedem, eben auch nicht einfach alternativ den „manuellen Download“ zu nehmen. Einfach aus dem Grund, weil Chip seine gutgläubigen Kunden regelrecht „verarscht“, wenn sie ausgerechnet den „sicheren“ Download mit Adware spicken. Wer so agiert, hat es nicht verdient, weiterhin benutzt und beworben zu werden. Aber das jemandem zuerklären..da kämpft man gegen Windmühlen…
        Mal abgesehen davon, dass das ehemalige Fachmagazin aus frühen Tagen heute eh gar nicht mehr ernst zu nehmen ist, wenn man Artikel wie diesen hier liest:

        http://www.chip.de/news/Geniales-Easteregg-auf-YouTube-entdeckt-Star-Wars-direkt-in-Windows-anschauen_87040100.html

        Da fragt man sich echt zum einen, was die 1997 gemacht haben, als dieses Schmankerl im Netz erschienen ist und ob die wissen, was Telnet eigentlich ist…

  4. Dekre schreibt:

    Sehr informativer Artikel, habe mir erlaubt das im Link beim Blog von Günther Born meinem 3. Leserbeitrag aus gegebenem Anlass anzugeben.

    http://www.borncity.com/blog/2016/01/21/ups-bing-suche-liefert-unsaubere-werbung/comment-page-1/#comment-27792

    Viele Grüße

  5. Heinz Eber schreibt:

    uBlockOrigin ist für mich zur ersten Wahl geworden. Scripte und Frames von Drittseiten sind bei mir rigoros, immer auf rot, geblockt.
    Als ich uBlockOrigin noch nicht nutzte, war NoScript, ghostery und Disconnect angesagt. Wenn man uBlockOrigin installiert hat, braucht man m.M.n. keins der anderen Tools.
    Wichtig über das Dashboard sind die individuell einstellbar vorgegebenen Filterlisten die man keineswegs alle aktivieren muss.
    Ein Sammelsurium von Addons, u.a. mit Einstellungen für uBlockOrigin kann man unter pc-sicherheit.net nachlesen:
    http://www.pc-sicherheit.net/internet-browser/browser-add-ons-fur-firefox-google-chrome-opera-t6569-110.html?style=14

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