XP Alternative 3: Windows

Auch wenn es in der allgemeinen Meinung vielleicht nicht so aussieht, wird die Mehrzahl der Windows XP Installationen wohl durch ein aktuelleres Windows ersetzt bzw. wurde es schon. Welches Windows dabei sinnvoll ist und welche Hardware denn nun wirklich notwendig ist, möchte ich hier ein wenig beleuchten.

Momentan unterstützt Microsoft noch vier Versionen von Windows mit Updates. Windows Vista, 7, 8 und 8.1. Allerdings gibt es unterschiedliche Support-Laufzeiten. Normalerweise gibt es für die Windows Systeme zehn Jahre Support, wobei die letzten fünf Jahre nur Updates für sicherheitsrelevante Probleme veröffentlicht werden – der sogenannte erweiterte Support. Der Support für ein Windows ohne Servicepack endet normalerweise zwei Jahre nach dem Erscheinen des Servicepacks. Der Support für Windows 7 ohne Servicepack ist also bereits eingestellt, denn das Servicepack 1 für Windows 7 erschien Anfang 2011.

Die kleine Ausnahme ist Windows 8.1. Auch wenn das ursprüngliche Windows 8.1 von Microsoft an sich wie eine neue Version behandelt wird, gilt es im Produktlebenszyklus nur wie ein Servicepack für Windows 8. Zwei Jahre nach dem Erscheinen von Windows 8.1 wird demnach auch der Support für Windows 8 eingestellt. Da das Update auf 8.1 allgemein kostenlos ist, ist das im Normalfall kein großes Problem. Zu den Sonderfällen, wo es ein Problem wird, komme ich später.

Windows Vista

Windows Vista ist auch mit dem SP2 schon aus dem normalen Supportzeitraum raus, der erweiterte Support läuft noch bis April 2017. Vista ist ausgereift, benötigt aber nicht weniger Systemressourcen als Windows 7. Es spricht nichts wirklich gegen Vista, aber auch nichts dafür. Solange nicht eh die Vista Lizenz schon vorhanden ist und kein Geld für ein neueres Windows oder irgendwelche Hardware absolut nicht unter neueren Windows Systemen will, lohnt sich Vista nicht.

Windows 7

Zur Zeit ist Windows 7 die am weitesten verbreitete Windows Version. Das System gewinnt durch private Wechsler von XP und durch über längere Zeit durchgeführte Migrationen von Firmen sogar noch dazu. Der Support läuft bis Januar 2015, danach der erweiterte Support bis 2020.

Die Systemvoraussetzungen von Windows 7 sind aus heutiger Sicht nicht problematisch, auch nicht für viele ältere Rechner. Ein 32-bit Prozessor mit 1 GHz, 1 GB Arbeitsspeicher und 16 GB Festplattenplatz sowie eine DirectX 9 fähige Grafikkarte sind die Minimalvoraussetzungen. Sinnvoll nutzbar wird das System ab 2 GB Arbeitsspeicher. Grundsätzlich ist das Hardware, wie sie ab etwa 2006 verkauft wurde – oft also genau die Systeme, die bisher mit Windows XP genutzt wurden. Wichtiger als ein schneller Prozessor ist meist die Geschwindigkeit der Festplatte. Der Ersatz gegen eine SSD wirkt Wunder.

Auf alten Geräten ist meist die Nutzung von 32-bit Windows 7 angebracht. Sollen nicht 4 GB oder mehr Speicher verwendet werden, ist dies die sinnvollste Option. Für manche Geräte können dann sogar noch Treiber für Windows XP weiter verwendet werden. Empfohlen wird natürlich, nach aktuellen, passenden Windows 7 Treibern Ausschau zu halten.

Windows 8 und Windows 8.1

Windows 8 leitete die größten Änderungen an der Benutzeroberfläche seit dem Wechsel von Windows 3.x zu Windows 95 ein. Alles seit Windows 95 war ja mehr oder weniger nur eine Auffrischung und nun kam die erste wirklich merkbare Veränderung. Und wie es mit Änderungen so ist, werden sie von vielen Leuten zuerst mal abgelehnt. Aber es wäre zu einfach, dies jetzt nur der Unwilligkeit der Nutzer zuzuschieben. Microsoft hat seit dem Erscheinen von Windows 8 in recht kurzen Abständen Änderungen am System vorgenommen, um die zwei zu sehr getrennt wirkenden Welten ModernUI und Desktop weiter zu verheiraten.

Screenshot (6)

Nachdem Microsoft statt eines Servicepacks für Windows 8 gleich ein Windows 8.1 veröffentlicht hat, gab es ein paar Verwirrungen in den Benennungen. An sich ist Windows 8.1 ein Upgrade, d.h. es handelt sich um eine komplett neue Windows Version (intern 6.3 statt 6.2). Allerdings sprach Microsoft offiziell überall von einem Update. Und damit wird dann auch Windows 8.1 für alle Windows 8 Nutzer genau wie ein Servicepack nach spätestens zwei Jahren zur Pflicht.

Dies wird an einer Stelle problematisch: Windows 8.1 erfordert als 64-bit Version ein paar Befehle des Prozessors, die Windows 8 nicht forderte. Konkret sind dies die Unterstützung von LAHF/SAHF, PREFETCHW und CMPXCHG16B. Der Grund ist vermutlich nur für Programmierer nachvollziehbar. Ob das eigene System diese Befehle unterstützt, lässt sich mit dem Kommandozeilentool CoreInfo überprüfen.

Falls bisher auf einem solchen System Windows 8 64-bit genutzt wird und die genannten Befehle von der CPU nicht unterstützt werden, ist die Nutzung von Windows 8.1 64-bit schlicht nicht möglich. Es bleibt an der Stelle nur, auf ein 32-bit Windows 8.1 umzustellen oder eine CPU mit den entsprechenden Instruktionen zu verwenden – wenn dies denn möglich ist.

Grundsätzlich sind die sonstigen Systemvoraussetzungen gleich wie bei Windows 7 auch. Allerdings benötigt Windows 8.1 in der Realität weniger Speicher und startet schneller als Windows 7, selbst mit deaktiviertem Schnellstart. Auch hier gilt, dass eine schnelle Festplatte oder besser SSD erheblich wichtiger als ein schneller Prozessor sind.

Auf manchen Systemen bereitet die Schnellstartfunktion Probleme. So sind z.B. Notebooks mit älteren Intel 3945 und 4965 WLAN Adaptern gerne mal etwas zickiger und finden keine Funknetze, nachdem sie aus dem Schnellstart gestartet wurden. In diesem Fall hilft nur das Deaktivieren des Schnellstartmodus’, da Intel keine neueren Treiber mehr bereitstellt, um das Problem zu beseitigen.

Allgemein kommen mit jeder neuen Windows Version mehr aktuelle Treiber direkt über Windows Update. Waren Treiber über Windows Update bei XP noch eher die Ausnahme, installiert Windows 8.1 automatisch nach der Erstinstallation für eine große Menge an Geräten automatisch die passenden Treiber. Hierbei werden auch Treiber für Geräte angeboten, für die die eigentlichen Hersteller gar keinen Windows 8.1 Support bieten – so z.B. Intels alte 945 Grafikchips, wie sie in der ersten Generation der Atom Netbooks zu finden waren. Allerdings gerade bei diesen Geräten ist Vorsicht geboten: die Mindest-Bildschirmauflösung für die Ausführung von ModernUI Apps beträgt 1024×768 – die meisten Netbooks haben aber nur 1024×600 Pixel Displays. Windows selber läuft, es kann allerdings keine App genutzt werden. Meines Erachtens hätte man da die Grenze etwas niedriger setzen sollen, aber Microsoft hat sich dort leider anders entschieden.

Grundsätzlich läuft Windows 8.1 somit auch auf Hardware, die um 2006…2007 auf den Markt kam. Auf einem alten Sony Vaio Subnotebook mit einer 1 GHz Dualcore CPU und 1,5 GB Ram sowie einer fürchterlich langsamen 1,8” Festplatte brachte hier der Ersatz von Windows XP durch Windows 8.1 einen ordentlichen Geschwindigkeitsschub.

Support gibts für Windows 8.1 bis Januar 2018, erweiterten Support dann bis Januar 2023. Eine ziemlich lange Zeit.

Software und Kompatibilität

Bei Microsoft gibt es die teilweise schon fast wie eine heilige Kuh behandelte Kompatibilität. Auch wenn mancher dies als Innovationshemmnis ansieht, ist es für den Nutzer grundsätzlich gut. So kann auch uralte Software oft problemlos genutzt werden. Oft, aber auch nicht immer.

Mit der Einführung der Win32s API als Erweiterung für das eigenlich 16-bittige Windows 3.1 begann 1994 die 32-bit Windows Geschichte abseits der schon 1993 für professionelle Anwendungen eingeführten Windows NT Schiene. Als Demonstrationsprogramm wurde damals FreeCell mitgeliefert.

Unbenannt

Und dieses läuft heute noch auf einem aktuellen Windows 8.1 64-bit! Wir reden hier von einer Binärkompatibilität von über 20 Jahren! In der IT quasi mehr als nur eine Ewigkeit und z.B. bei Apple undenkbar. Es gibt seitdem keine grundsätzliche Einschränkung, die die Funktion von Programmen verhindert, die API existiert immer noch.

Warum läuft dann doch manch alte Software nicht mehr? Microsoft hat zu jeder Zeit Richtlinien für Programmierer herausgegeben. Jahrelang wurden diese aber viel zu oft ignoriert. Da wurde fest angenommen, dass überall auf der Welt Windows Programme in “C:\Program Files” installiert werden, anstatt das System nach dem Pfad zu fragen, wie es vorgesehen war. Da erforderten Programme sinnlos Zugriff auf Bereiche, für die administrative Rechte notwendig sind. Kein Problem in den Zeiten vor dem Internet, aber heute undenkbar. In vielen Fällen ist es also Schlamperei oder Faulheit oder auch Unwissen der damaligen Programmierer.

Oft ist es aber auch so, dass bestimmte Softwareschnittstellen oberhalb des eigentlichen Betriebssystems schlicht nicht mehr weitergeführt wurden oder Programme direkteren Hardware-Zugriff erfordern, als moderne Systeme erlauben. An diesen Stellen kann dann tatsächlich alte Software auf neuen Windows Systemen scheitern. Also nicht jede uralte Software läuft noch. Richtlinie ist immer: je einfacher und weniger systemnah programmiert, umso größer ist die Chance, dass auch alte Software heute noch auf neuem Windows läuft. Einen Versuch ist es also immer wert.

Fazit

Die Empfehlung geht eindeutig umgekehrt zum Alter: wenn Windows 8.1 grundsätzlich technisch möglich ist, ist es der beste Ersatz für Windows XP. Es ist schneller als die direkten Vorgänger, bietet langjährigen Support und wer von der ModernUI Oberfläche nicht viel mitbekommen will, der muss das auch nicht.

Ist die ModernUI ein so extrem hemmender Faktor oder gibt es Treiber oder genutzte Software, die absolut nur noch unter Windows 7 zur Mitarbeit zu bewegen sind, steht Windows 7 als zweitbeste Möglichkeit bereit.

Windows 8 sollte ohne die Möglichkeit des Updates auf 8.1 wegen der kurzen, verbleibenden Supportzeit eher gemieden werden, für Windows Vista fehlen wie bereits erwähnt die Gründe.

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3 Antworten zu XP Alternative 3: Windows

  1. SteffKo schreibt:

    Tja für die meisten wird es wohl Windows sein. Apple Technik kann und will sich nicht jeder leisten und Linux gleicht doch immer noch einer Bastelbude. Ich bin mit meinem 8.1 zufrieden. läuft stabil. Jede Menge Software. Neue Geräte werden klaglos erkannt. Was will der Normaluser mehr?

  2. hans schreibt:

    Naja was soll heißen: „Windows 8 leitete die größten Änderungen an der Benutzeroberfläche seit dem Wechsel von Windows 3.x zu Windows 95 ein. Alles seit Windows 95 war ja mehr oder weniger nur eine Auffrischung und nun kam die erste wirklich merkbare Veränderung. Und wie es mit Änderungen so ist, werden sie von vielen Leuten zuerst mal abgelehnt.“

    Mit Windows 8 hat sich Microsoft fast in den Ruin gearbeitet. Nur ein Beispiel: Wenn man sich 4 mal durcklicken muss um den Computer herunterzufahren, dann läuft was schief. Ich brauch auf keinem Desktop PC Touchelemnete, wo bleibt der Hausverstand?
    Außerdem sind Sie doch auch bei microsoft angestellt.

    • Ingo schreibt:

      Wie kommst du auf die Idee, ich würde bei Microsoft arbeiten? Ich arbeite weder bei Microsoft, noch bei einer Firma, die für Microsoft tätig ist.

      Den Computer soll man durch einfachen Druck auf den Ausschalter herunterfahren. Ein einzelner Tastendruck und die Kiste schläft. Das ist zumindest der Hintergrund, weswegen der Shutdown weiter versteckt wurde. Eigentlich ganz logisch, wurde halt nur so nicht von den Leuten angenommen. Die sind gewöhnt, dass man sei Zeiten von Windows den Rechner erst herunterfahren muss und wollen das gefälligst weiter so machen.

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