Windows 8 und die Erwartungshaltungen

Auch in den letzten Tagen vermelden es wieder einige IT-News Seiten: mal wieder hat sich irgendein Manager abfällig über Windows 8 geäußert. Die Plattform wäre nicht wettbewerbsfähig und sei nicht besser als Windows Vista, sagte Jun Dong-soo, Manager der Speichersparte des koreanischen Herstellers Samsung.

In den Foren köcheln dann wieder die “hab ich ja gleich gesagt” Meinungen hoch und es wird kräftig auf die neue Oberfläche geschimpft. Man holt wieder das Gerücht heraus, die gesamte Oberfläche sei mit der Maus unbedienbar geworden und vielen anderen Unsinn. Aber wenn man mal ein wenig nachdenkt und schaut, aus welcher Richtung solche Meldungen kommen, dann lesen sie sich anders.

Was ist also wirklich passiert? Und wo ist jetzt die Schuld von Microsoft?

Einige Manager von Hardwarefirmen erwarten von einer neuen Betriebssystemversion grundsätzlich einen kräftigen Anschub ihrer Verkaufszahlen. Das neue System muss die Leute dazu bringen, neue Hardware zu kaufen – im Fall der Samsung Speichersparte halt Arbeitsspeicher. Idealerweise muss dieser Anschub sofort mit der Präsentation des neuen Systems beginnen und dann möglichst lange anhalten.

Warum ist das illusorisch?

Seit Windows Vista hat man bei Windows in etwa gleichbleibende Hardware-Anforderungen. Mit 2 GB Ram ist man mit der 32-bit Version von Windows 8 gut unterwegs, eine einfache Dual Core CPU reicht ebenfalls aus. Gegenüber Windows 7 wurde die Performance sogar verbessert, d.h. auch ältere PCs laufen oftmals merkbar flotter. Wie alt sind solche PCs heute? Fünf bis sieben Jahre. Das ist ein Alter, das früher viele PCs kaum erreicht haben, da die Ressourcenanforderungen von Betriebssystemversion zu Betriebssystemversion kräftig gestiegen sind. Nahezu jeder, der in den letzten sechs Jahren einen PC gekauft hat, kann diesen aber auch heute noch problemlos nutzen – sogar mit der aktuellsten Windows Version. Der Markt im Bereich PCs und Notebooks ist also schlicht gesättigt.

Nun hätte Microsoft ein Windows 8 herausbringen können, welches einige der Kritikpunkte, die es sicherlich gibt, nicht gehabt hätte. Sie hätten weniger große, sichtbare Änderungen vorgenommen, sondern nur viele kleine Details verbessert. Man hätte das alte Startmenü beibehalten, jegliche Touch-Bedienung rein optional gemacht. Das System wäre mehr evolutionär gereift, ein paar böse Stimmen der User wären weniger da gewesen. Aber was hätte das für die Hardware-Hersteller bedeutet, die ja, wie Herr Jun von Samsung von Windows enttäuscht sind? Richtig: überhaupt keinen Unterschied! Auch dann wären die Leute nicht plötzlich wie die Lemminge in die Läden gerannt und hätten neue PCs gekauft! Auch dann würden die Firmen, die gerade erst von XP auf Windows 7 migriert sind, nicht plötzlich auf Windows 8 migrieren.

Oder deutlicher gesagt: selbst wenn jeder einzelne Windows-Benutzer Windows 8 sofort auf Anhieb deutlich besser finden würde als Windows 7, würde das die Hardwareverkäufe nicht merkbar ankurbeln, denn auch dann würde Windows 8 immer noch auf der selben Hardware laufen, wie Windows 7 zuvor.

Was fehlt also?

Um den Verkauf von Hardware anzukurbeln braucht es schlichtweg nur eines: interessante Hardware mit neuen, sinnvollen Features zu einem passenden, fairen Preis. Wer also als Hardware-Hersteller Trends verpennt, nicht in die Entwicklung investiert, keine neuen Geräteklassen erfindet oder Trends erkennt, der wird keinen Verkaufsschub sehen. Egal wie das Windows aussieht, was Microsoft gerade neu rausbringt.

Wenn, um beim Beispiel Samsung zu bleiben, ein Hersteller ernsthaft denkt, ein Tablet mit Windows RT zum UVP von 749 EUR würde ein Verkaufsschlager werden, wo man Tablets mit deutlich umfangreicherem Ökosystem für teilweise weniger als die Hälfte des Preises bekommt, dann ist das irgendwo zwischen frech und dämlich. Sicherlich ist es dann keine Schuld des Betriebssystem-Zulieferers, wenn der Plan grandios scheitert.

Man möchte mit dem Gemecker über Windows 8 also schlicht von den eigenen Fehlern und Versäumnissen ablenken – von der eigenen, total unsinnigen Produkt- und Preispolitik.

Dummerweise fällt die Journaille drauf rein.

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