Ich bau mir ein Windows 8, wie es mir gefällt…

…ganz ohne Affen und Pferde allerdings.

Schon vor dem offiziellen Release gab Microsoft ein etwa 160 MB großes Update für Windows 8 heraus, welches quasi als kleines “Servicepack” dient, aber ab sofort bei jeder Windows Installation zuerst mal nachinstalliert werden muss. Außerdem kam man bei Microsoft auf den Gedanken, standardmäßig das .net 3.5 Framework zwar mitzuliefern, aber zu deaktivieren. Wer heute Software installiert, die auf .net basiert, braucht aber meist nicht das in Windows 8 integrierte .net 4.5, sondern eine ältere Version.

Windows bietet seit einiger Zeit schon sehr mächtige Werkzeuge zum Abändern der vorgefertigten Installations-Images. Auch ohne die Installation des Automated Installation Kit kann man mit dem Tool dism via Kommandozeile die WIM Dateien mounten, bearbeiten und wieder zurückschreiben. Den Normalnutzer schreckt allerdings die Kommandozeile meist ab. Ich möchte heute kurz zeigen, dass es auch bequemer geht.

DISM GUI ist das Zauberwort! Hiermit wird die ganze Sache ziemlich einfach und lohnt sich auch dann, wenn man nur selten Windows neu installieren muss.

Wir starten damit, von http://dismgui.codeplex.com/ die aktuelle Version von DISM GUI herunterzuladen. Wenn man das Archiv entpackt, landet eine einzelne EXE Datei auf der Platte, die direkt gestartet werden kann. Bitte die EXE immer mit Rechtsklick und “Als Administrator ausführen” starten.

Nun brauchen wir noch das passende Image, das wir bearbeiten wollen. Ein von Microsoft heruntergeladenes ISO Image einer beliebigen Windows 8 Version tut seinen Dienst. Einfach per Doppelklick ins virtuelle DVD Laufwerk öffnen. Dort können wir die Daten nicht ändern, also legen wir jetzt auf der Festplatte einen Ordner “Win8Image” an und kopieren alle Ordner und Dateien aus dem gemounteten ISO Image in diesen Ordner. Das kann etwas dauern.

Ist der Kopiervorgang fertig, brauchen wir noch einen Arbeitsordner. Diesen habe ich ebenfalls auf C: angelegt und schlicht “Mount” genannt.

Nun kann in DISM GUI unter “Mount Control” mit “Choose WIM” die Install.WIM Datei aus dem Sources Unterordner des kopierten Images auswählen und dann mit “Mount WIM” öffnen.

dism1

Wenn man nun testweise auf “Open Mounted Folder” klickt, öffnet sich der Explorer mit dem “Mount” Ordner und man kann die Struktur der zukünftigen Windows Installation betrachten.

VORSICHT: man kann hier Dateien hinzufügen und auch löschen. Nicht alles, was man hier machen kann, führt am Ende aber zu einer funktionierenden Installationsquelle. Harmlos ist z.B. das Hinzufügen von weiteren Bildschirmhintergründen.

Auf der Seite “Driver Management” können nun gewünschte Treiber hinzugefügt werden. Für den Normaluser empfehle ich, nur fehlende Treiber für LAN, WLAN oder Festplattencontroller hinzuzufügen. Also genau die Treiber, die man unbedingt für die Installation benötigt, sowie direkt danach, um ins Internet zu kommen. Alles weitere ändert sich oft genug, dass sich die Integration nur im Firmenumfeld lohnt, wo Treiber selten aktualisiert werden.

dism2

Interessanter wird es jetzt beim Package Management. Das oben schon erwähnte Update steht bei Microsoft in zwei verschiedenen Versionen zum Download.

Für 64-bit Systeme: http://www.microsoft.com/en-us/download/details.aspx?id=34908
Für 32-bit Systeme: http://www.microsoft.com/de-de/download/details.aspx?id=34879

Ich teste hier mit der 64-bit Enterprise Testversion, also wurden die drei MSU Dateien aus dem ersten Link heruntergeladen und in einem Ordner gespeichert.

Nun kann in DISM GUI auf der Seite “Package Management” dieser Ordner mit “Choose Package Folder” ausgewählt werden. Mit “Add Packages” werden dann alle MSU Pakete aus dem gewählten Ordner dem Image hinzugefügt.

dism3

Das Hinzufügen kann gerade bei größeren Updates einige Minuten dauern – insbesondere wenn statt einer SSD noch eine langsame Festplatte zum Einsatz kommt.

Zum Schluss können wir auf der Seite “Feature Management” mit dem Knopf “Get Features from WIM” auflisten lassen, welche Features im Image vorhanden sind und dann durch Eingabe von “NetFx3” im Feld “Feature Name” und klicken auf “Enable Feature” das .net Framework 3 aktivieren.

dism4

Nachdem all diese Optionen durchgeführt wurden, ist das Image an sich schon fast bereit. Zuletzt kann man jetzt noch ein “Cleanup Image” aus dem “Tools” Menü ausführen, und zum guten Schluss das Image mit “Dismount WIM” wieder entmounten. Die Frage, ob die Änderungen gespeichert werden sollen, ist jetzt natürlich positiv zu beantworten.

Der Commit, d.h. das Rückschreiben der Änderungen in die WIM Datei selber dauert nun natürlich wieder etwas.

Aus den Daten kann man jetzt z.B. einen bootfähigen USB Stick erstellen und damit ganz einfach Windows 8 installieren und überprüfen, ob alle Änderungen sauber funktioniert haben.

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3 Antworten zu Ich bau mir ein Windows 8, wie es mir gefällt…

  1. Karl schreibt:

    Hallo Ingo,
    das Treiber-Einbinden scheint ja ganz gut zu klappen aber wie ist das mit dem Treiber-Löschen.
    Ich habe ein älteres W7 und wollte u.a. die alten nvidia-Treiber durch aktuelle ersetzen.
    Leider gelingt es mir nicht, da der Ordnername (wo die Treiberentdateien entpackt enthalten sind) nichts nützt (das Programm sagt, es kann nichts finden. Der Versuch, den Pfad anzugeben, wurde als nicht erlaubt zurückgewiesen (eine Hilfe konnte ich im Netz leider nicht dazu finden).
    Dumme Frage aber was muß ich bei ‚Driver Name‘ konkret eingeben, damit er den/die alte(n) Ordner findet?
    Danke schonmal.

    • Joachim schreibt:

      Da das Einbinden von Treibern soweit ich weiss nur möglich ist, wenn diese entpackt vorliegen. Das heist die Treiber-Dateien müssen eine .inf -Endung haben. Umgekehrt wird es wohl dann auch so sein, dass man mit dem dism-Tool nur Treiber mit .inf-Endung löschen kann.

      • Ingo schreibt:

        Es geht hier um die Treiber selber, nicht um Setup-Pakete oder ZIP Archive. Wenn die Treiber in irgendetwas eingepackt sind, müssen sie erst entpackt werden, bevor sie integriert werden können.

        Man kann sich übers DISM GUI die integrierten Treiber anzeigen lassen und dann auch anhand der angezeigten Namen löschen. Warum Karl da mit Pfaden arbeiten will, ist mir nicht ganz klar. Es geht um integrierte Treiber in einem Windows WIM Image.

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