Das Anti iPad – oder auch: lustige Spielzeuge aus China

Ich habe letztens das erste Mal ein iPad in der Hand gehabt. Ich hab zwar keine Idee, wozu ich es hätte einsetzen sollen und die enge Verbindung mit Apple und seinen Diensten ist für mich sowieso ein Kriterium, es nicht zu kaufen (mal ganz abgesehen vom Preis), aber cool ist es schon.

Nun ja, auch andere Mütter haben hübsche Söhne und eBay als Quelle allen möglichen Spielzeugs bot dann auch gleich ein ganz ordentliches Angebot an Tablets und Mini-Netbooks. Windows CE 6.0 oder Android 1.6 sind die bevorzugten Betriebssysteme und bei der Auswahl ging meine Überlegung schnell zum Android Gerät. Das EKEN M001 findet sich dabei immer wieder, so dass es schon alleine wegen der Menge der Angebote zum Favoriten wurde. Wo eine gewisse Menge im Markt ist, werden auch genügend Tipps und Tricks im Netz auffindbar sein.

IMG_7928Die Bestellung verlief problemlos, nach 10 Tagen tauchte das Gerät, deklariert als “E-Book” hier auf – für 86 EUR inkl. Versandkosten direkt aus China. Und da ist es nun.

Ein schlichtes, weißes Gehäuse ohne Herstelleraufschrift oder ähnlichen Schnickschnack, an sich gut verarbeitet und gut in der Hand liegend. Aber halt Plastik von vorne bis hinten. Hinten netterweise sogar mal nicht in hochglänzend, sondern matt und griffig. Der 7” Touchscreen ist resistiv, d.h. benötigt für die Erkennung leichten Druck und spiegelt etwas, allerdings weniger stark als viele moderne Notebooks.

Zudem gibt es einen Power-Taster, einen für “Zurück” und vier im Kreis angeordnete Tasten für “+”, “-“, “Menü” und “Home”. Dazu kommen drei LEDs für WLAN, Betriebszustand und Akku. Alles soweit unauffällig.

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Auf der Seite der Tasten finden sich am Rand dann der Slot für SD Karten, der angeblich SDHC Karten bis 32 GB beherrschen soll, eine 3,5 mm Klinkenbuchse für den Kopfhörer, eine Buchse für die 9V Stromversorgung und der breite Steckverbinder für die USB Datenverbindung zum PC. Zudem erkennt man noch ein Loch, hinter dem sich ein Mikro verbirgt.

Das Innenleben bringt dann einen VIA Prozessor mit ARM Befehlssatz und angeblichen 600 MHz, 128 MB Ram, angebliche 2 GB Flashspeicher, von dem aber nur 1 GB nutzbar ist sowie einen 802.11 b/g WLAN Adapter für die Verbindung nach außen.

Das Zubehör besteht aus einem Netzteil (9V 1,5A) sowie dem USB Datenkabel, welches einem so seltsam bekannt vorkommt.

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Nein, es sieht nicht nur aus wie ein iPod Anschlusskabel, es ist baugleich – und pinkompatibel. Ob das nun sinnvoll ist oder nicht, darüber lässt sich sicherlich streiten. Ein Mini-USB Anschuss am Gerät wäre zumindest mir lieber gewesen.

Das Netzteil selber kommt mit einem US Stecker und wird per beigelegtem Adapterstecker auf europäisches Format getrimmt. Der VDE möge bitte mal lieber wegschauen, zulässig sieht so eine Konstruktion eher nicht aus.

Nun aber lieber mal zum ersten Start. Android 1.6 bootet etwa eine Minute, was im Vergleich zu einem PC lang vorkommen mag, aber mein Windows Mobile Handy ist auch nicht schneller und der Blackberry von der Firma braucht eher die doppelte Zeit.

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Ist das System gebootet, begrüßt einen der typische Android Startbildschirm. Nachdem man auf die aktuelle Systemversion 1.7.4 aktualisiert hat, reagiert das System dann zwar immer noch manchmal etwas zäh, aber doch durchaus bedienbar. Der Browser lädt Webseiten in annehmbarem Tempo, aber natürlich nicht mit PC oder iPad vergleichbar. Die YouTube Anwendung spielt Videos mit etwas Geruckel in geringster Qualität, aber immerhin tut sie es.

Seit der 1.7.4 findet sich auch der Android Market mit in der offiziellen Firmware, funktioniert aber noch nicht wirklich. Eine Applikation konnte ich herunterladen, bei weiteren sagt der Market einfach nur stundenlang, er würde den Download starten. Ansonsten ist dank Open Source das System gut eingedeutscht und erwies sich als stabil. Ein paar rein chinesischsprachige Programme deinstalliert man einfach, ohne sie näher anzuschauen. Und noch ein paar chinesische Spezialitäten finden sich bei der Software. “Documents To Go” wird mitgeliefert und auch das Programm zur Freischaltung der Vollversion. Ich gehe aber nicht davon aus, dass EKEN das Programm tatsächlich zur freien Verteilung lizensiert hat.

Beim ersten Anschluss an den PC werden zwei USB Massenspeichergeräte gefunden: der SD Kartenleser, sowie der interne Flashspeicher. Und der Virenscanner meldet sich, da auf letzterem Speicher auch gleich ein “Conficker.B” in der autorun.inf lauert. Zufall? Absicht? Keine Ahnung, aber dank Windows 7 wurde er eh nicht ausgeführt.

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Die mitgelieferte MP3 Player Anwendung zeigt einzelne Tracks mit Cover, kann aber scheinbar nicht ein komplettes Album aus mehreren PCs bestehend in korrekter Reihenfolge abspielen. Aber immerhin sieht sie nett aus.

Laut Hersteller soll der M001 USB 2.0 beherrschen, die Daten wandern allerdings eher mit USB 1.1 Geschwindigkeit übers Kabel. Eine SD Karte direkt mit MP3s und Videos zu bestücken, dürfte da die sinnvolle Variante sein. Oder es lieber gleich lassen, denn die Audio-Qualität ist miserabel. Der interne Lautsprecher reicht für Systemtöne, nicht mehr. Und über die Kopfhörerbuchse hat man ein ständiges, lautes Rauschen. Zudem wirkt der Sound, als hätte man versucht, irgendwelche Surround-Effekte einzubauen, die dann völlig schief gingen. Der Videoplayer sollte laut Google MP4 abspielen können, aber tut dies zumindest nicht bei dem von mir erstellten Video. Da zeigt er nur das erste Bild des Videos als Standbild ung spielt den Sound dazu ab. Testet man sowas nicht vorher, oder habe ich einfach nur ein kaputtes Video erwischt?

Ebenfalls völlig daneben ist die WLAN Reichweite. Keine Ahnung, wie die Antennen im Tablet verlegt sind, es kann nur bescheiden durchdacht sein. Im Garten habe ich mit dem Tablet keinen Empfang mehr, wo das Notebook noch fast vollen Pegel anzeigt. Schade eigentlich, aber fürs Wohnzimmer reicht es.

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Irgendwann demnächst ist eh mal ein Repeater fällig, um das ganze Haus besser mit WLAN zu versorgen. Dann klappts mit dem EKEN hoffentlich auch im Garten. Das Display ist dafür zumindest ganz ordentlich geeignet, solange man nicht gerade in voller Sonneneinstrahlung sitzt.

Und zu weit weg von einer Steckdose sollte man sich auch nicht bewegen, denn bei aktivem WLAN ist nach zwei bis drei Stunden der Akku leer. Dafür sorgt scheinbar auch die CPU ganz gut. Zumindest wird das Tablet an zwei Stellen schon recht deutlich warm. Bei Temperaturen von eh über 30°C nicht ganz angenehm, aber vielleicht im Winter ganz nett.

Abends wird dann die Optik von den LEDs beherrscht, die das gesamte Gehäuse um sie herum von innen ausleuchten können. Ob gewollt oder Zufall, mag ich nicht beurteilen. Welche LED jetzt leuchtet und welche nicht, ist zumindest nur zu IMG_7937 erahnen. Die Hintergrundbeleuchtung des Displays scheint auch an verschiedenen Stellen durch den Rahmen durch. Irgendwie ein schräger Effekt. Vielleicht sollte man sich das M001 dann doch lieber in schwarz zulegen.

Und was macht man nun mit dem guten Stück?

So richtig genau weiß ich das noch gar nicht. Es ist E-Mail Client und Surfterminal für zwischendurch, es dient dank Gmote als Fernbedienung für einen PC, es kann als RDP Client zur Fernsteuerung dienen und vermutlich wird man erst mit der Zeit und dank der Leute z.B. vom Slatedroid Forum feststellen, was es noch alles kann und was nicht.

Mir fehlt momentan in der Hauptsache der Android Market Zugriff. Zudem wäre ein Android 2.x schon sehr nett, insbesondere wegen des Exchange ActiveSync Supports. Zudem soll Android 2.2 “Froyo” ja noch einen gewissen Performancegewinn bringen. Und irgendwie hoffe ich, dass der rauschende Sound und der miese WLAN Empfang irgendwie noch durch eine neue Firmware korrigiert werden. Genügend Verbreitung scheint das EKEN M001 mittlerweile zu haben, so dass sich das Warten lohnen könnte.

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