Schildbürger in Delmenhorst?

Die Stadt Delmenhorst erfreut uns seit einiger Zeit mit einer Provinzposse der ganz besonderen Art. Es spielen mit: ein Neonazi, ein Stadtrat, eine Bürgerinitiative, ein Hotel und drei Millionen Euro. Aber beginnen wir mal am Anfang…

In Delmenhorst steht direkt in der City, zwischen Rathaus und den innerstädtischen Grünflächen namens “Graft” ein Hotel. Ein typischer, norddeutscher 80er Jahre Bau in rotem Klinker mit Tiefgarage und großem Saal. Nachdem sich dessen Betrieb nicht mehr lohnte, plante der Besitzer den Verkauf der Immobilie und des Grundstücks. Und genau in diesem Moment meldete sich der Neonazi Anwalt Jürgen Rieger mit der Idee, die ganze Anlage zu kaufen und in ein Nazi-Schulungszentrum umzuwandeln.

Die Bürger und Politiker der Stadt stiegen sofort auf die Barrikaden und nun nahm das ganze Programm seinen Lauf, das abgespult wird, wenn Jürgen Rieger ankündigt, irgendwo eine Immobilie kaufen zu wollen. Es gründete sich eine Bürgerinitiative, es wurde Geld gesammelt und gemeinsam mit der Politik wurde überlegt, wie man Rieger aus der Stadt heraus halten könne. Von Vorkaufsrecht war schnell die Rede und dass die Stadt das Hotel kaufen solle.

Nun kann keiner sagen, ob Rieger wirklich jemals vor hatte, dieses Hotel zu kaufen. Vermutlich hat er sich mit dem bisherigen Besitzer einfach nur zusammen getan, um die Stadt um etwas Geld zu erleichtern. Und der Plan ging auf. Für drei Millionen Euro, weit über dem Wert, kaufte die Stadt Hotel und Grundstück. Eine Million davon wurde von der Bürgerinitiative aufgewendet.

Viele Ideen kamen auf, was man aus dem Gebäude machen könne. Wieder ein Hotel? Wohl kaum, schließlich lief das alte Hotel schon eher schlecht. Ein Altersheim? Ein Jugendzentrum? Und so verging Zeit ins Land und keine der Ideen konnte sich durchsetzen. Schließlich beschloss man, das Hotel einfach abzureißen. Vorgestern rückten die Bagger an und innerhalb der nächsten Tage liegt dann wohl der ganze Komplex auf dem Laster. Man denke dran, die Stadt hat da gerade drei Millionen Euro für gezahlt und der Abriss kostet ja ebenfalls.

Die Krönung setzte dann Delmenhorsts Oberbürgermeister Patrick de la Lanne (SPD) der ganzen Sache auf: man könne auf dem ideal citynah gelegenen Grundstück ja dann wieder ein neues Hotel errichten.

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