“Rette sich wer kann”- das Ende von Windows auf dem Smartphone?

In der letzten Woche wurde – mal wieder, muss man sagen – Windows Phone/Mobile zu Grabe getragen. Was sich schon einige Zeit relativ deutlich abzeichnete, wurde von Joe Belfiore, Microsoft Manager und früher mal für die Sparte Windows Phones verantwortlich, in einigen Tweets relativ deutlich bestätigt.

Auf die Frage eines Nutzers, ob es Zeit wäre, die Windows Mobile Plattform zu verlassen, kam ein ziemlich deutliches Ja.

Während Windows 10 Mobile weiterhin mit Sicherheitsupdates bedacht wird – und das wohl mindestens bis ins zweite Quartal 2019, sind keine weiteren Features geplant. Da auch quasi niemand mehr Geräte mit Windows 10 Mobile anbietet, ist die Plattform damit am Ende und wird jetzt quasi “abgewickelt”.

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Was heißt das für den normalen Nutzer?

Nun, wer jederzeit die aktuellsten Apps haben wollte, wird eh nicht auf der Windows Mobile Plattform unterwegs gewesen sein. Diejenigen, bei denen jetzt alles läuft, müssen nicht sofort Panik bekommen und ihr Gerät wechseln.

Es wird allerdings sicher in den nächsten Wochen und Monaten noch die eine oder andere Nachricht kommen über Anbieter, die ihre Windows Apps einstellen. Die Windows App Plattform bezieht sich zwar nicht nur auf Mobile. Eine universelle App läuft auf allen Windows 10 Plattformen, von PCs über Tablets, Holo-Lens bis hin zur Xbox. Die Frage ist, ob diese Geräteklassen für die App-Entwicklung reichen werden – in den meisten Fällen vermutlich nicht.

Warum kam es eigentlich so weit?

Joe Belfiore hat im Rahmen seiner Tweets auch noch geschrieben, dass man einiges versucht hätte, Entwicklern die Plattform schmackhaft zu machen. Das hat allerdings einfach nicht gefruchtet. Die Probleme sind aber tiefergehend und man muss dazu etwas in die Vergangenheit blicken.

Als Apple vor zehn Jahren das erste iPhone präsentierte, war das Gerät und die Bedienphilosophie so deutlich anders als alles, was auf dem Markt war, dass man nicht wirklich vorhersagen konnte, ob das Konzept ein Erfolg werden würde. Es wurde einer. Es wurde solch ein Erfolg, dass Google mit Android ein Jahr später vieles davon kopierte, um den Markt von unten aufzurollen.

Microsofts damals weit verbreitete Windows Mobile Plattform sah auf einmal verdammt alt aus. Ein Handy mit Stift? Bedienung wie beim PC nur auf kleinen Displays? Programme vom PC aus via Sync-Software installieren? “Dummerweise” gab es eine Masse an Geräten und Programmen. Das alles auf einmal wegzuwerfen, traute sich Microsoft zuerst nicht.

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Erst zwei Jahre später, im Jahr 2010, hat man dann endlich doch den großen Schnitt gemacht. Die Neuentwicklung hörte auf den Namen “Windows Phone 7” und war tatsächlich ein großer Schritt. Anders als Android in seinen Anfängen war Windows Phone allerdings keine schlechte iOS Kopie, sondern hatte ein eigenständiges Design- und Bedienkonzept.
Und man hatte sich wie Apple bei iOS von Anfang an Gedanken um Sicherheit gemacht. Das System war – ganz anders als Windows Mobile vorher – in sich geschlossen mit einem App-Store als einziger Quelle für Programme. Das sorgte im Vergleich zu Windows Mobile oder auch zu Android für ein sehr hohes Sicherheitslevel.

An sich also eine gute Basis, nur war man damit halt schlicht zu spät am Markt. Und anstatt mehr als die Konkurrenz zu bieten, war Windows Phone 7 anfangs ziemlich mager ausgestattet. Es fehlten schlicht die Gründe, auf Windows auf dem Smartphone umzusteigen. Zudem zeichnete sich ein Problem ab, welches die nächsten Jahre immer am mobilen Windows hängen durfte: die fehlenden Apps.

Die Entwickler von Apps hatten sich auf iOS und Android eingestellt und beide Plattformen wuchsen schon damals gut. Warum also jetzt plötzlich noch eine App für noch eine Plattform entwickeln? Das Interesse war eher verhalten. Auch war anfangs nicht nur Windows Phone 7 für den Nutzer recht eingeschränkt, auch die Funktionen für Entwickler waren nicht ideal. Viele wichtige Schnittstellen kamen erst später.

Mit Updates bis hin zu Windows Phone 7.8 kamen zwar zusätzliche Funktionen, aber nun auch der erste Rückschlag für die Nutzer, die sich aufs System eingelassen hatten: der Schritt auf Windows Phone 8 im Jahr 2012 war ein großer Schritt fürs Betriebssystem, allerdings ein zu großer Schritt für die Hardware. Kein einziges mit WP7 ausgeliefertes Gerät bekam ein Upgrade auf WP8. Es war neue Hardware notwendig.

Im Hintergrund gabs viele technische Neuerungen und auch die Entwickler mussten sich noch mal umgewöhnen. Mit WP7 war noch Silverlight für die Entwicklung von Apps angedacht, nun aber nicht mehr. Immerhin, mit Windows Phone 8 basierte das System dann auch auf dem normalen Windows Kernel, während WP7 noch auf dem früheren Windows Mobile 6.x Kernel entstanden war.

Nachdem dieser Schritt geschafft war, sah es zeitweise so aus, als könne sich Windows Phone tatsächlich etablieren. Die Marktanteile stiegen langsam aber sicher – allerdings nie in den USA. Während in manchen Ländern Europas und Südamerikas Windows Phones irgendwo um die 10% Marktanteil erreicht hatten, waren sie im Heimatmarkt Microsofts weiterhin Exoten. Und der Heimatmarkt ist für Microsoft nun einmal das, was zählt.

Ohne Apps keine Nutzer, ohne Nutzer keine Apps – das Henne-Ei-Problem. So schlimm war es an sich nie, der Store für Windows Apps war und ist an sich recht gut gefüllt. Allerdings waren die Apps oft weniger gut ausgestattet und weniger gut unterstützt als ihre Pendants für iOS oder Android. Seltsamerweise wurden sie auch seltener beworben. Oft genug sind mir Anzeigen aufgefallen, wo trotz vorhandener Windows App in der Werbung nur die Apps für iOS und Android genannt wurden. Und natürlich wurde durch alle möglichen Tech-Medien jederzeit berichtet, wenn irgendwo eine App für Windows eingestellt wurde – über neue Windows Apps berichteten hingegen nur die Seiten, die eh Windows als Thema hatten.

Mit dem Schritt zu Windows 10 Mobile kam dann wieder ein weiter Schritt nach vorne, allerdings hat man einen Fehler zumindest teilweise wiederholt, den man bei der Einführung von Windows Phone 8 schon gemacht hat: man ließ viele existierende Geräte zurück. Upgrades auf 10 gab es nur für eine relativ kleine Anzahl von Geräten, die schon mit WP 8.1 ausgeliefert worden waren. Alle ursprünglich mit WP 8.0 gelieferten Modelle blieben außen vor. Darunter auch Geräte wie das Kamera-Smartphone Lumia 1020, welches mit 2 GB Ram deutlich besser ausgestattet war, als so manches offiziell unterstützte, modernere Gerät.

Besonders ärgerlich für die Nutzer war, dass all diese älteren Geräte während der Preview-Phase mit Windows 10 Mobile installierbar waren, Microsoft dann aber zum Release mitteilte, dass diese Gerät die Ansprüche ans System doch nicht erfüllen würden.

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Und ein wenig lächerlich wirkt diese Aussage, wenn man solch ein altes Gerät heute in der Registry so umstellt, dass es sich als neueres Modell ausgibt, und dieses dann das aktuellste Windows 10 Mobile installiert und damit läuft.
Das Gerät im obigen Foto ist ein Nokia Lumia 820 von 2012 mit einem aktuellen Windows 10 Mobile 1703. Keine Rennsemmel, aber prinzipiell funktionierend. Mit etwas Optimierungsaufwand hätte man also zumindest alle Nutzer von WP8 Geräten mit mindestens 1 GB Ram “mitnehmen” können.

Zu weit in die Zukunft gedacht?

Ja, kein Witz, ich meine das völlig ernst: an vielen Stellen war Microsoft seiner Zeit zu weit voraus. Die Nutzer waren an vielen Stellen einfach noch nicht so weit. Woran ich das ausmache? An all den vielen kleinen und größeren Dingen, die man zuerst bei Windows Phones gesehen oder in der Masse erlebt hat und die die Konkurrenz oft erst Jahre später auch eingeführt hat.

Das “Modern-UI”, zuerst “Metro” genannt mit einem ganz flachen Design wurde belächelt und mittlerweile kommen iOS und Android mit ähnlich flachen Designs. “Continuum”, die Möglichkeit, das Handy mit den normalen Apps am großen Bildschirm wie einen PC bedienen zu können, kommt jetzt erst bei einigen Androiden. “Blick” oder “Glance”, der Info-Bildschirm im ausgeschalteten Zustand war in der Masse zuerst bei Nokias Windows Phones zu sehen. Auch der Trend hin zu wirklich guten Kameras im Smartphone fand in der ersten Zeit quasi fast komplett auf der Windows Phone Plattform statt.

Während iOS und Android ziemlich statische Symbole haben und meist eine ziemlich altmodische Trennung in eine Sammlung von App-Symbolen und eine Art Desktop mit den selben Symbolen noch einmal, war die UI von Windows auf dem Smartphone innovativ. Mit einem Blick lässt sich mehr erfassen, ohne extra Apps zu starten. Das Konzept war und ist wegweisend – nur waren die Nutzer halt die konservative Bedienung der anderen Systeme gewöhnt.

Ein anderes Beispiel dafür ist Windows 8 auf dem PC. Die Oberfläche war an sich durchdacht und man hat wirklich ein Konzept aufgestellt, wie man sich in der Zukunft die PC-Bedienung vorstellen kann. Nur war man damit einfach viel zu weit vorgeprescht und hat die Nutzer auch dort nicht mitgenommen. Wer seit Windows 95 ein Startmenü gewohnt war und die Bedienung mit Maus und Tastatur, der wirft dieses Wissen nicht einfach über den Haufen und gewöhnt sich von jetzt auf gleich um. Der Schritt war einfach viel zu weit.

An der Hardware lag es nicht.

Und auch die Hardware war an sich nicht ohne. In den letzten Jahren hörte man immer Beschwerden, dass viele Flagship-Phones keinen wechselbaren Akku mehr hätten. Dass man sich zwischen Dual-Sim und MicroSD Slot entscheiden müsse oder es letzteren gar nicht geben würde. Da wurden Full-HD Displays und MicroUSB noch 2016 als “state of the art” für Top-Modelle verkauft.

Und dann kommt Microsoft und macht all diese Punkte besser und dann ist es auch verkehrt! Wenn man sich die Ausstattung eines Microsoft Lumia 950 oder 950 XL anschaut mit 2K OLED Display, Dual-Sim, MicroSD-Slot, Wechselakku, USB-C, Qi-Wireless-Charging, Continuum und einer der besten Smartphone-Kameras der letzten Jahre, dann fällt es schwer, andere Geräte zu finden, die dies toppen können. Auch jetzt noch, wo das Gerät über zwei Jahre alt ist. Aber da fanden die Kritiker ja schnell einen Punkt zum Meckern: es würde ja nicht so edel aussehen, wäre deswegen als “Flagship” nicht geeignet. Nun ja, wenn man sonst nichts zu meckern hat…

Und was bringt die Zukunft?

Pest oder Cholera. Ich kann es leider für mich zur Zeit nicht anders formulieren. Die beiden anderen Plattformen iOS und Android bieten eine riesige Auswahl an Apps. Das ist der große Vorteil, den sie schon immer gegenüber Windows Phones hatten. Das ist in meinen Augen leider auch der einzige, wirkliche Vorteil.

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Auf der iOS Seite erkauft man sich das mit dem goldenen Apple-Käfig und hohen Kosten. Will man kein technisch überholtes Modell, muss man verdammt viel Geld ausgeben, sich auch heute leider noch mit einer Software wie iTunes rumschlagen und sich dran gewöhnen, dass die Bedienung nur für langjährige iOS Nutzer logisch und durchdacht wirkt. “Intuitiv” sind viele der Funktionen nur, wenn man sie erklärt bekommt. Zudem wacht Apple peinlich genau über seinen App-Store, was zwar für hohe Sicherheit sorgt – aber auch für nicht immer nachvollziehbare Entscheidungen von aus dem Store verbannten Apps. Meist gibt es über längere Zeit Updates, allerdings hat Apple weiterhin keine garantierten Support-Zeiträume. Man kann also Updates über mehrere Jahre erwarten, könnte aber im Ernstfall auch mal Pech haben. Nutzer des ersten iPad dürften ein Lied davon singen können.

Wählt man Android, hat man eine schier unüberschaubare Menge von Geräten, die absolute Freiheit in Sachen Apps, von jedem Hersteller eine eigene Oberfläche mit unterschiedliche Bedienphilosophie und weiterhin ein massives Problem mit Sicherheitsupdates. Bzw. deren fehlende Verfügbarkeit. Dummerweise ist Android allerdings auch löchrig genug, dass gerade diese dringend gebraucht werden. Nur kaum ein Gerät bekommt sie regelmäßig und vor allem auch über einen längeren Zeitraum. Google selber garantiert mittlerweile drei Jahre Support für die eigenen Pixel Geräte. Die liegen allerdings in der selben Preisklasse wie aktuelle iPhones.
Ein Samsung Galaxy S7 Edge mit aktuellem Updatestand liegt bei den Sicherheitsupdates aktuell “nur” zwei Monate im Rückstand. Bei vielen preiswerteren Geräten schaut man lieber gar nicht, wann diese zuletzt Sicherheitsupdates bekamen.

Und was machst du?

Gute Frage. Momentan ist mein Haupt-Gerät privat und beruflich weiterhin ein Microsoft Lumia 950. Solange die Geräte (ja, ich trenne beruflich und privat) weiterhin funktionieren und die für mich benötigten Apps zur Verfügung stehen, wird sich daran vermutlich wenig ändern. Ich habe garantierten Support bis mindestens Juni 2019, d.h. deutlich länger als die Mehrzahl der aktuell zu kaufenden Androiden.

Beim Firmengerät hat natürlich die Firma etwas mitzureden. Winking smile Dort ist normalerweise iOS angesagt, jetzt wo Windows kein Thema mehr spielt, und wenn man mir da irgendwann ein iOS Gerät in die Hand drücken will, dann ist das halt so. Werde ich mich dann halt auch dran gewöhnen. Ein normales iPhone ist mir allerdings zu klein und ein Plus Modell an sich zu groß. Zudem empfinde ich die iOS Tastatur als Fehlkonstruktion. Punkt und Komma nur auf der zweiten Ebene… *facepalm*

Privat wird vermutlich irgendwann mal Android anstehen, da ich einfach nicht bereit bin, 800 EUR für ein Handy auszugeben. Ich erwarte aber eine möglichst gute Kamera im Handy, was die Auswahl schon wieder stark einschränkt. Ein Samsung Galaxy S8 mit purem Android wäre schön. Samsungs Interpretation von Android mit einer Vielzahl von selbst entwickelten Apps finde ich eher abschreckend. Die Nokia Android Modelle sind da schon eher interessant, wobei die Kamera im Nokia 8 wohl doch nicht so gelungen sein soll. Zudem ist das 8 preislich auch noch etwas zu weit oben und liegt quasi gleichauf mit dem Galaxy S8, welches doch die deutlich interessantere Hardware bietet.

Ich hoffe also momentan ganz konkret, dass die Lumias hier noch halten und kein wichtiger App-Anbieter seine Windows App einstellt.

Das “Rette sich wer kann” versuche ich also noch etwas aufzuschieben. Das definitive Ende ist jetzt aber absehbar – momentan steht das Datum Juni 2019 dran.

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Das Märchen von cleanmgr.exe /sageset:65535

Es gibt so ein paar “Tipps” zu Windows, die eigentlich nur eines ganz deutlich zeigen: dass derjenige, der sie verbreitet, keinerlei Ahnung vom Thema hat.

Einer dieser unsinnigen Tipps geht so: man kann angeblich die Datenträgerbereinigung dazu überreden, deutlich mehr zu bereinigen, als sie es eigentlich tun würde. Das geht, indem man cleanmgr.exe /sageset:65535 und dann cleanmgr.exe /sagerun:65535 aufrufen würde.

clean1 clean2

Die Anzeige der Datenträgerbereinigung scheint das zu bestätigen. So zeigt das Fenster deutlich mehr Optionen, wenn es mit dem Parameter aufgerufen wird, siehe in den obigen Bildern. Links normal aufgerufen, rechts mit /sageset.
Der Laie könnte somit auf die Idee kommen, dieser “Tipp” wäre tatsächlich sinnvoll. Ist er aber nicht!

Was machen diese Parameter denn nun?

Ganz einfach: cleanmgr.exe /sageset bietet einem die Möglichkeit, eine Voreinstellung für cleanmgr.exe zu speichern. Die Ziffer dahinter ist nur die Nummer, unter der die Voreinstellung im System gespeichert wird.

Ohne Parameter aufgerufen durchsucht die Datenträgerbereinigung das System und bietet mir nur die Punkte zur Bereinigung an, die auch tatsächlich bereinigt werden können.

Rufe ich hingegen cleanmgr.exe /sageset:1 auf, dann bekomme ich alle überhaupt theoretisch möglichen Optionen zu sehen, die die Datenträgerbereinigung beherrscht – völlig egal, ob sie für das aktuelle System relevant sind oder nicht.
So kann ich z.B. anhaken, dass Reste von fehlgeschlagenen Upgrades entfernt werden sollen – obwohl es nie ein solches fehlgeschlagenes Upgrade gegeben hat.

cleanmgr.exe /? könnte jetzt allerdings zugegebenermaßen auch ein wenig ausführlicher sein…

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Und wozu dient das dann?

Damit ich mehrere Optionen voreinstellen kann. Ich kann einmal cleanmgr.exe /sageset:1 aufrufen und nur “Temporäre Internetdateien” auswählen. Und danach noch cleanmgr.exe /sageset:2 und dort nur “Papierkorb” auswählen.
Damit habe ich einfach zwei verschiedene Vorbelegungen, die ich jederzeit mit cleanmgr /sagerun:1 bzw. cleanmgr.exe /sagerun:2 aufrufen kann und die dann nur die jeweils gespeicherte Option bereinigen.

Und wozu dient es nicht?

Nun, es dient nicht dazu, irgendwas zusätzlich zu bereinigen. Die zusätzlichen Optionen sind schlicht für das aktuelle System nicht relevant, sonst würde die Datenträgerbereinigung sie von selber anzeigen.

Man kann natürlich die zusätzlichen Optionen anhaken, die einem der /sageset Parameter anzeigt. Es bringt nur nichts. Man kann nichts bereinigen, wo nichts zu bereinigen ist.

Es gibt also, wenn man nicht grad tatsächlich Optionen vorbelegen will, überhaupt keinen Grund, mit den Parametern /sageset und /sagerun zu arbeiten. Sie sind schlicht nutzlos und können kein einziges Byte zusätzlich bereinigen.

Und warum grad 65535?

Die Ziffer 65535 ist der größte Wert, der mit dem Datentyp “Unsigned Short” bzw. “Word” dargestellt werden kann. Die Datenbereinigung unterstützt für /sageset und /sagerun die Werte von 1 bis 65535 als mögliche Speicherplätze für Voreinstellungen. Sinn ergibt die Wahl gerade dieser Zahl ebenfalls nicht. Es ist schlicht der größtmögliche Wert. Vermutlich hat derjenige, der den “Tipp” irgendwann verbreitet hat, wohl “viel hilft viel” gedacht und daher den größtmöglichen Wert angegeben.

Fazit

Nur wer völlig ahnungslos irgendwelchen Unsinn weiterplappert, verbreitet diesen angeblichen “Tipp” als sinnvoll weiter. Alle anderen starten die Datenträgerbereinigung einfach so. Ohne Parameter. Oder einfach per Doppelklick.

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DCOM Ereignis 10016 auf Windows per Script fixen

Das eigentliche Problem ist älter, aber mit Windows 10 leider immer noch nicht beseitigt: die Ereignisanzeige meldet nach jedem Systemstart ein oder mehrere Events mit der ID 10016 und einem seltsamen Fehler aus Richtung DCOM.

Unbenannt

Auch wenn die Meldung keinerlei merkbare Auswirkungen hat, ist es doch merkwürdig, dass hier immer wieder solche Meldungen auftauchen.

Genauso lange wie den Fehler gibt es auch schon verschiedene Anleitungen, wie man ihn beseitigen kann. Kurz gesagt, man setzt ein paar Registry-Berechtigungen und gibt dann in der DCOM Konfiguration dem Nutzer “Lokaler Dienst” die Rechte zum Ausführen.

Das kann man machen, aber spätestens, wenn man die gleiche Meldung auf dutzenden PCs oder mehr hat, ist das nicht mehr praktikabel. Ein Script muss her!

Ich habe einige vorhandene Scripte bzw. Teile daraus genutzt, die sich im Netz auf verschiedenen Seiten finden, da man das Rad ja nicht ständig neu erfinden muss. Zudem ist das Script nicht wirklich “schön”. Es gibt z.B. keine Fehlerbehandlung. Getestet wurde bisher auch nur auf wenigen PCs. Ich garantiere also für nichts.

Nutzung

Das Script in einen Ordner entpacken, dann eine Powershell mit lokalen Adminrechten starten und das Script aus diesem Ordner aufrufen. Dabei aus der Ereignismeldung die dort genannte CLSID und AppID als Parameter dem Script übergeben. Wichtig: die Anführungszeichen bitte nicht vergessen!

Für die Meldung aus dem Screenshot oben sieht der Aufruf dann also so aus:

.\FixDCOM.ps1 „{6B3B8D23-FA8D-40B9-8DBD-B950333E2C52}“ „{4839DDB7-58C2-48F5-8283-E1D1807D0D7D}“

Das Blog bricht das hier um, in der Powershell muss natürlich alles in eine Zeile. Falls mehrere Meldungen mit unterschiedlichen IDs gemeldet werden, ist ein Aufruf für jede neue ID notwendig.

Das Script kann außerdem per GPO als Systemstartscript ausgeführt werden, um eine größere Anzahl von Rechnern zu beackern.

Falls die Powershell die Ausführung des Scripts verweigert, ist beim Heimnutzer noch die Ausführung von Scripten überhaupt zu erlauben. Hierzu ist in der als Admin gestarteten Powershell einmalig dies einzugeben:

Set-ExecutionPolicy -ExecutionPolicy unrestricted

Für die Ausführung per GPO empfiehlt sich, das Script mit den eigenen Zertifikaten zu signieren, so denn eine eigene CA oder öffentliche Codesigning-Zertifikate zur Verfügung stehen.

Ich freue mich über Kommentare zu Erfolg oder Misserfolg.


Download

Das Script steht hier zum Download bereit.

Systemvoraussetzungen

Das Script erwartet Powershell 4.0 oder aktueller.
Es wurde ausschließlich auf Windows 10 entwickelt und getestet.

Vermutlich wird es auf älteren Windows Versionen genauso funktionieren.

Quellenverzeichnis

http://www.leeholmes.com/blog/2010/09/24/adjusting-token-privileges-in-powershell/
https://gallery.technet.microsoft.com/Set-DCOM-ACL-with-650fa48d
https://powertoe.wordpress.com/2010/08/28/controlling-registry-acl-permissions-with-powershell/

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Hardwaresupport unter Windows 10–Panik und Clickbait

Es geht mal wieder etwas um bei den Newsseiten und Blogs und das ist aktuell die Meldung, dass Microsoft mit kommenden Windows 10 Updates alle möglichen weit verbreiteten CPUs angeblich nicht mehr unterstützen wolle.

Belegt wird das mit allen möglichen Quellen, die voneinander abschreiben und sich am Ende eigentlich nur auf einen Satz von Microsoft beziehen:

“If a hardware partner stops supporting a given device or one of its key components and stops providing driver updates, firmware updates, or fixes, it may mean that device will not be able to properly run a future Windows 10 feature update.”

Aus diesem einen Satz konstruiert man einen Zusammenhang zu Intels Liste von nicht mehr unterstützten CPUs und vermeldet dann, dass Microsoft möglicherweise bald auch die CPUs dieser Liste nicht mehr unterstützen könnte.

Hintergrund ist, dass Microsoft das Windows 10 Upgrade auf die Version 1703 bei einer bestimmten Serie von Intel SoC blockt, nämlich den Intel Atom Z2xxx Modellen. Diese Tablet SoCs kamen 2012 auf den Markt und waren für preiswerte Tablets gedacht. Sie wurden offiziell für Windows 8 verkauft und Intel hat auch nur Treiber für Windows 8 geliefert.

Die problematische Komponente in diesem Fall ist wohl der Grafikkern des SoC. Dieser wurde nicht von Intel entwickelt, sondern ist ein PowerVR Kern von Imagination Technologies und wenn Intel eines mit diesen Grafikkernen hatte, dann waren es Treiberprobleme. Die Treiber für Windows 8 waren anfangs wackelig, unterstützten nicht die versprochenen Funktionen und mit Windows 10 gabs dann auch größere Bildfehler.

Mit Version 1703 wurde das Problem wohl so schlimm, dass Microsoft das Upgrade auf solchen Geräten schlicht nicht mehr ausliefert. Und damit die Kunden nicht im Regen stehen bleiben, hat man extra den Support für Version 1607 auf diesen Geräten bis 2023 verlängert – damit nicht diejenigen, die auf Windows 10 upgegradet haben, schlechter gestellt wären, als diejenigen, die bei Windows 8.1 geblieben sind.

Also es wird genau eine Serie von SoCs nicht mehr unterstützt. Und es gibt die Info, dass man auch in Zukunft Hardware nicht mehr unterstützen wird, wenn die Hardware-Hersteller keine Treiber mehr liefern. Daraus konstruiert dann manch einer wilde Geschichten, die am Ende nur Gerüchte sind und dann mit Clickbait-Überschriften verbreitet werden.

Wer also solche Gerüchte liest, bitte nicht in Panik geraten! Niemand hat irgendeine “Abschussliste” und es werden nicht plötzlich Millionen funktionierender PCs aufs Abstellgleis geschoben. Panikmodus aus.

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Windows 10 Lizenz läuft plötzlich ab

Windows 10 meldet plötzlich, dass die Lizenz demnächst ablaufen würde. In den Einstellungen unter “Aktivierung” steht, dass Windows von einem Aktivierungdienst der Organisation aktiviert worden wäre.

In diesem Fall denkt Windows, es müsse sich mit einem Key Management Service verbinden. Dieser wird in Firmen genutzt, um Windows zentral aktivieren zu können – ohne dass sich jedes Windows direkt bei Microsoft aktivieren müsste.

Was bei einer Firmenumgebung normal ist, ist für den Privatnutzer nicht hilfreich, denn dort gibt es keinen KMS. Ob Windows einen KMS fragt oder nicht wird über den in Windows hinterlegten Product-Key gesteuert. Und damit lässt sich das Problem auch lösen.

Man startet eine Eingabeaufforderung oder Powershell als Administrator und folgende drei Befehle deinstallieren den alten Key, installieren den generischen Windows 10 Key und aktivieren das System erneut.

Windows 10 Pro

cscript slmgr.vbs /upk
cscript slmgr.vbs /ipk VK7JG-NPHTM-C97JM-9MPGT-3V66T
cscript slmgr.vbs /ato

Windows 10 Home

cscript slmgr.vbs /upk
cscript slmgr.vbs /ipk TX9XD-98N7V-6WMQ6-BX7FG-H8Q99
cscript slmgr.vbs /ato

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CCleaner und der Dunning-Kruger-Effekt

Es ist manchmal schon erschreckend, mit welch fast religiös anmutender Vehemenz manche Nutzer doch unsinnige, aber liebgewonnene Gewohnheiten verteidigen – wider jeglicher Vernunft.

In diesem Fall geht es mal wieder um das vermeintlich notwendige Aufräumen der Windows-Registry. Was unter Windows 9x noch notwendig war, ist es schon jahrelang nicht mehr. Im Gegenteil, die fürs Aufräumen genutzten Tools ändern und löschen alle möglichen Einträge und niemand weiß, ob diese nicht doch noch benötigt werden. Oft genug schlagen in den Microsoft Foren die Leute auf, die nach solch einer Tuning-Aktion dann das System nur noch neu installieren können. Das Risiko, mit solchen Tools Schaden anzurichten, ist also definitiv vorhanden.

Als angeblicher Nutzen wird behauptet, dass das System schneller starten und die Registry verkleinert würde.

„Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist. […] Die Fähigkeiten, die man braucht, um eine richtige Lösung zu finden, [sind] genau jene Fähigkeiten, die man braucht, um eine Lösung als richtig zu erkennen.“
– David Dunning

Der in der Wikipedia beschriebene Dunning-Kruger-Effekt ist da oft in seiner deutlichsten Form zu betrachten. Begründete Kritik an den Cleaning-Tools, Hinweise auf mögliche Gefahren für die Stabilität des Systems, alles wird einfach mal so davon gewischt. Man hat schon immer “cleanen” müssen, es gibt viele Tools, alle möglichen Leute sagen, man müsse das, also muss man das. Muss man?

Vom Gegenteil überzeugen werde ich vermutlich auch mit Argumenten und Zahlen niemanden, aber ich will es wenigstens noch mal versuchen.

Das Testgerät ist ein Notebook mit Windows 10, welches hier seit langem alle möglichen Windows 10 Previews mitgemacht hat. Software-Tests, alle möglichen Treiberinstallationen, sprich: das müsste eigentlich richtig schön zugemüllt sein. Das Bild zeigt die uralte Historie der ganzen Previews, seit denen die Windows-Installation schon existiert.

Screenshot (8)

Ich habe vor und nach der Nutzung des Registry-Cleaners von CCleaner einen Blick auf die Größen der Registry-Dateien geworfen. Außerdem habe ich vorher und hinterher jeweils mehrere Neustarts durchgeführt und über die BootCKCL.etl, das Windows-Bootprotokoll, die Startzeit ermittelt.

Screenshot (10)

CCleaner behauptet, dass die Registry an über 500 Stellen bereinigt werden müsse. Also lassen wir das mal einfach mit Standard-Einstellungen durchlaufen, wie auch der Normaluser es machen würde.

Screenshot (11)

Alles fixed. Super. Vorsichtshalber noch ein Neustart hinterher und dann werfen wir doch mal einen Blick auf die Registy…

Die Ergebnisse

Registry-Größe

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Die gesamten Registry-Dateien sind somit durch den Cleaning-Vorgang um knappe 4 MB geschrumpft. Bei einer Größe von gut 180 MB und typischen Plattengrößen im Gigabyte-Bereich also völlig irrelevant.

Auf der anderen Seite möchte CCleaner selber 20 MB Speicherplatz haben. Das Bereinigen kostet also am Ende nur Speicherplatz.

Bootzeit gemittelt über fünf Bootvorgänge

vorher 78 Sekunden, nachher 78 Sekunden.

Screenshot (12)

Das mag insgesamt lange klingen, ist aber halt der Zeitpunkt, an dem Windows den gesamten Bootvorgang als abgeschlossen ansieht. Das System ist schon deutlich früher benutzbar. Sowohl vor als auch nach CCleaner. Weder gibt es merkbare noch messbare Unterschiede.

Fazit

Es bleibt dabei, dass die Gefahren bei der Bereinigung der Registry definitiv vorhanden sind, ein Nutzen aber nicht nachgewiesen werden kann.

Wer sein Windows schneller starten möchte, sollte den Autostart ausmisten und unnötige Software deinstallieren. Jegliche Cleaning-Tools sollten dabei an erster Stelle stehen.

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Wie man eine Technik-News schreiben kann, aber nicht sollte

Manchmal rollt es einem ja die Fußnägel hoch, wenn man quer durchs Netz so liest, was die Newsseiten aus so manch einer Nachricht oder Pressemitteilung so fabrizieren. Besonders schön konnte man das aktuell mal wieder als Ergebnis auf einen Blog-Artikel in Microsofts Windows-Blog erleben.

Microsoft hat dort erklärt, wie die Verteilung von Upgrades auf neue Windows 10 Builds abläuft, z.B. gerade jetzt aktuell auf das Creators Update. Dabei empfiehlt man dann auch, lieber abzuwarten, bis Windows ein solches “Funktionsupdate” von sich aus anbietet, da die Verteilung zuerst mit den Systemen startet, bei denen keine Probleme zu erwarten sind. Es gibt dort also einen “kontrollierten Rollout” und keine Verteilung einfach mal so an alle.
Hingegen werden die Rechner, bei denen bestimmte, bekannt problematische Komponenten vorhanden sind, erst später mit dem Upgrade versorgt werden, wenn die entsprechenden Probleme abgestellt werden. Man nennt dazu als Beispiel einen Bluetooth Chip, dessen Treiber momentan Probleme bereitet.
Systeme mit diesem Chip bekommen das Upgrade momentan nicht angeboten.

Wer will, kann natürlich manuell upgraden, bekommt es dann aber mit Problemen zu tun, falls genau diese Komponente im PC steckt.

Also eigentlich alles ganz harmlos. Man gibt Tipps, wie es für die Nutzer am problemlosesten laufen kann und nennt ein Beispiel, warum man die Sache genau so verteilt.

Nun der Blick auf die Newsseiten – und was dort steht, fußt zwar irgendwie auf dem selben Microsoft Blog Artikel, hat aber mit der eigentlichen Information oft nicht mehr viel zu tun…

Fehler unterbricht Verteilung des Creators Update teilweise
Microsoft hat einen Fehler im Creators Update für Windows 10 entdeckt. Für bestimmte Geräte wird die Verteilung des Updates daher zunächst pausiert, bis der Fehler behoben ist. Microsoft rät Nutzern, auf die reguläre Update-Verteilung zu warten.”

https://www.golem.de/news/windows-10-fehler-unterbricht-verteilung-des-creators-update-teilweise-1704-127529.html

Windows 10: Microsoft sieht manuelle Update-Installation nicht gern
Grundsätzlich gibt es auch beim Creators Update für Windows 10 die Möglichkeit einer manuellen Installation. Microsoft sieht es allerdings lieber, wenn die Nutzer sich so lange gedulden, bis die Aktualisierung von allein im Windows Update angeboten wird – denn das macht weniger Probleme.”

http://winfuture.de/news,97331.html

Windows 10 – Warum Microsoft nicht will, dass Sie manuell updaten
Das Creators Update für Windows 10 wird noch lange nicht allen Nutzern angeboten. Wer es eilig hat und über ein händisches Update nachdenkt, sollte sich das genau überlegen, mahnt Microsoft.”

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/windows-10-creators-update-microsoft-raet-von-manueller-installation-ab-a-1145097.html

„Warten Sie lieber ab“: Microsoft warnt vor Windows-10-Update
Microsoft warnt Nutzer davor, manuell auf das Creators Update für Windows 10 upzudaten. Nicht alle Rechner seien jetzt schon bereit für die aktuellste Version des Betriebssystems.”

http://www.chip.de/news/Warten-Sie-lieber-ab-Microsoft-warnt-vor-Windows-10-Update_113683761.html

So schnell kann es also gehen. Microsoft empfiehlt, die Windows Update Funktion statt eines manuellen Upgrades zu nutzen. Daraus wird dann spontan, dass Microsoft ein Upgrade nicht wollen würde. Aus Geräten mit einer bestimmten, problematischen Komponente wird ein Fehler, der die Verteilung des Updates unterbricht. Und angeblich soll man sogar vor dem eigenen Update warnen.

Gerade Überschriften müssen da immer ordentlich knackig sein, selbst wenn deren Sachverhalt danach oft schon gleich am Anfang des Nachrichtentextes relativiert wird. Wer da nur die Überschriften überfliegt, bei dem bleibt am Ende etwas hängen, was mit der Realität und dem eigentlichen Artikel nichts mehr zu tun hat.

Es bleibt bei solchen Nachrichten also immer eines wichtig: die Originalquelle lesen.

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