Windows 10–Was ist denn jetzt eigentlich neu?

Der Releasetermin kommt langsam näher und diverse Nutzer haben schon das Angebot zur Vorreservierung des Upgrades bekommen. Da stellt sich jetzt natürlich die Frage, was denn überhaupt alles neu ist.

Ich hab hier einfach mal in relativ wilder Reihenfolge kleine und große Dinge zusammengefasst, die neu sind. Zuerst mal die Neuigkeiten für Nutzer, die jetzt noch Windows 7 einsetzen, danach die Dinge, die auch für die Nutzer von Windows 8.1 neu sind.

Die Liste ist keineswegs vollständig, sondern kann nur einen kleinen Teil der Neuerungen wiedergeben.

Neu nur für Windows 7 Nutzer

– Schnellstart. Das System bootet damit tatsächlich deutlich schneller – nicht nur auf Systemen mit SSD

– Universal Apps. Eine App kaufen, auf allen Windows 10 Geräten nutzen. PC, Tablet, Smartphone und in Zukunft auch auf der Xbox

– Erweiterter Explorer. Der Windows Explorer kennt Pause beim Kopieren, stellt die Geschwindigkeit bei Vorgängen übersichtlich dar und bietet einfachere Bedienung und mehr Funktionen.

– Schnelle Installation. Auf halbwegs aktueller Hardware ist das System in unter 15 Minuten frisch installiert und eingerichtet.

– Neuer Taskmanager. Übersichtliche Darstellung der offenen Programme inkl. Angaben von Speicherverbrauch, CPU und HDD Last und Protokoll von Anwendungen, die den Systemstart möglicherweise verlangsamen.

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– Multi-Monitor-Support verbessert. Sinnvolle Einstellungen für Taskleiste und Hintergrundbilder auch bei Setups mit mehreren Monitoren.

– USB 3.0. Dafür werden keine Hersteller-Treiber mehr benötigt und so klappt auch die Installation schon von einem USB 3.0 Stick.

– Virenscanner. Der Windows Defender ist als vollständiger Virenscanner gleich mitgeliefert und der SmartScreen Filter scannt Web-Verkehr.

– Geringerer Ressourcenbedarf. Das gestartete System braucht weniger Speicher inkl. des Virenscanners als Windows 7 ohne. Auch der Platzbedarf auf der Platte ist merkbar geringer.

– Einfache Systemwiederherstellung. Mal eben das System auf Null zurücksetzen, als wäre es grad frisch installiert? Kein Thema, geht direkt aus den Einstellungen.

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– WWAN ohne Verwirrung. Es sind keine nervigen Einwahlprogramme der Hersteller von WWAN Sticks und Karten mehr notwendig, Windows kennt die Einwahlfunktionen jetzt selber und die Einwahl erfolgt wie auch bei WLAN.

– Gerätemanager mit Protokoll. Wann wurde welcher Treiber aktualisiert? Kann man dort direkt nachlesen.

– Sprachpakete kostenlos. Einfach nachinstallieren und schon spricht die Windows Oberfläche Spanisch oder eine von fast 200 anderen Sprachen.

– Flugzeugmodus. Mit einem Klick offline. Und manche Geräte drosseln auch gleich die Stromaufnahme, damit sie an den Steckdosen im Flieger laden dürfen.

– ISO mounten. Direkt aus dem Explorer mit einem Klick ins virtuelle Laufwerk.

– Miracast. Das Monitor-Bild samt Ton per WLAN direkt auf geeignete Fernseher oder Receiver schicken.

– Einstellungen synchronisieren. Wer will, synchronisiert seine Windows Einstellungen wie Designs und Hintergrundbilder über alle Windows Geräte.

– Win+X. Das Schnellstart-Menü ist die kleine Abkürzung zu vielen Systemfunktionen. Hier mittlerweile nicht mehr wegzudenken.

Neu für Windows 7 und 8.x Nutzer

– Benachrichtigungscenter. Alle Meldungen von System und Programmen werden übersichtlich zusammengefasst und können zentral eingesehen und entfernt werden

– Neue Konsolenfunktionen. Transparenz, verbessertes Copy & Paste, High-DPI Support

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– Startmenü mit Tabletmodus. Das Startmenü kann beliebig vergrößert oder verkleinert oder im Vollbild dargestellt werden. Programme und Apps lassen sich anheften, Live Informationen auf Wunsch darstellen

– Neue Anwendungen für Mail, Kalender und Kontakte. Die neuen Anwendungen binden verschiedene Dienste einfach an und bieten auch direkt Support für Exchange ActiveSync.

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– Multi-Desktop. Ist der Desktop voller Fenster? Einfach einen weiteren aufmachen. Fenster lassen sich einfach von einem auf den nächsten Desktop verschieben.

– Cortana. Microsofts Suchassistentin notiert Termine, gibt Infos und durchsucht das Netz. Per Tastatur oder Sprache und auf allen Geräten.

– Edge. Microsofts neuer Browser ist in vielen Benchmarks schneller als die Konkurrenz, bietet von Anfang an hohe Sicherheit, verzichtet auf Altlasten und ist in Sachen Web-Features auf dem aktuellen Stand.

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– Einfachere Dateizuordnungen. Beim Öffnen von Dateien ist die Auswahl des gewünschten Programms deutlich vereinfacht.

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– Xbox Streaming. Am Tablet oder PC die Spiele von der Xbox One spielen? Einfach möglich per Game-Streaming direkt von der Xbox One aus per Xbox App unter Windows 10.

– Print to PDF. Eingebaute Funktion zur Erstellung von PDF Dokumenten über einen virtuellen Druckertreiber

– Neue Fotos App. Ein schneller Grafikviewer mit einfachen Bearbeitungsfunktionen.

Screenshot (3)

– Desktop Apps im Store. Mit dem neuen Store kann man darüber jetzt auch Desktop Programme beziehen, installieren und automatisch aktualisieren lassen. Optional, versteht sich.

Und auch wenn ich noch den Abend über weiter machen könnte, belasse ich es erst einmal damit. Vielleicht bleibt ja in den nächsten Tagen noch Zeit, auf einzelne Funktionen genauer einzugehen. Zwinkerndes Smiley

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Die Vorratsdatenspeicherung–eine kleine Analyse

Seit mittlerweile einigen Jahren schon findet in Deutschland eine Diskussion um die Vorratsdatenspeicherung statt. Zu jeder sich bietenden Gelegenheit rufen Politiker von Union und Teilen der SPD nach ihr, die Polizeigewerkschaften sowieso. Nun hat sich die SPD dazu entschieden, sich ebenfalls für die Vorratsdatenspeicherung einzusetzen. Und der große Aufschrei abseits des Netzes bleibt auch diesmal auf, obwohl die Vorratsdatenspeicherung die größte Einschränkung der Bürgerrechte in den letzten dutzenden von Jahren wird.

Was soll da überhaupt gespeichert werden?

Gespeichert werden Verbindungsdaten von Telefon- und Internetverbindungen, also wer mit wem wann und wo kommuniziert hat, nicht aber die Inhalte. Die Daten werden bei den Providern über 10 Wochen gespeichert und sollen dann von den entsprechenden Behörden dort abgefragt werden können.

Warum wird gespeichert?

Man möchte anhand dieser Daten Schwerverbrechen aufklären können, sowie behauptet man, Terrorismus verhindern zu wollen. Dazu gehören in den Diskussionen immer wieder “Kinderschänder”, um die Wichtigkeit zu verdeutlichen. Nur für diese Zwecke soll überhaupt Zugriff auf die Daten genommen werden können. Bisher.

Was ist denn nun das Problem?

Es taucht eine Reihe von Problemen durch die Speicherung auf, die von den Befürwortern immer wieder mit teils abstrusen Begründungen abgeschmettert werden.

1. Jeder steht unter Generalverdacht.

Man legt quasi jedem Bürger eine GPS Fußfessel an und überwacht, wo er mit wem kommuniziert. Einfach so auf Verdacht. Der Bürger könnte ja ein Verbrechen begehen wollen. Jeder einzelne Bürger.

In einem freiheitlichen, demokratischen Staat mit Bürgerrechten ist nicht jeder Bürger per se erst einmal verdächtig. Das kann nicht die Basis des Miteinanders sein. Möchten Sie auch, dass jeder Mitbürger eine DNA Probe abgibt, denn es könnte ja sein, dass man mal einen Mord oder eine Vergewaltigung begeht?

2. Die Daten wecken Begehrlichkeiten.

Schon jetzt, wo die Vorratsdatenspeicherung noch nicht eingeführt ist, erwarten Polizeiorganisationen, in viel mehr Fällen auf die Daten zugreifen zu können, als bisher vorgesehen ist. Und genau wie bisher die Vorratsdatenspeicherung bei jeder sich bietenden Gelegenheit gefordert wurde, wird in Zukunft dann die Ausweitung des Zugriffs bei jeder sich bietenden Gelegenheit gefordert werden.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter möchte auch bei Betrugs- oder Korruptionsdelikten Zugriff. Dabei wird es nicht bleiben. Am Ende wird man aus deren Richtung einen grundsätzlichen Zugriff auf die Vorratsdaten fordern. Das gestohlene Handy ließe sich doch sicherlich auch darüber finden, oder?

Dass Geheimdienste Zugriff auf die Daten nehmen werden, ist sowieso klar. Vollkommen egal, ob da eine gesetzliche Regelung besteht oder nicht, wird sich jeder Geheimdienst über solche Sammlungen freuen. Natürlich nicht nur die deutschen Geheimdienste. Und niemand wird sie hindern, die Daten beliebig zu kopieren und ihrerseits zu speichern. So lange sie das wollen. Eine gesetzliche, wirksame Kontrolle findet ja schon jetzt in Deutschland nicht statt. Vom Ausland gar nicht zu reden.

Auch nicht staatliche Stellen werden schnell ihr Interesse anmelden. Musik- und Filmindustrie werden sicherlich auch weiter viel Druck ausüben, um schon wegen geringfügiger Urheberrechtsverletzungen Zugriff auf die Vorratsdaten zu bekommen.

Der Schritt, dass die Daten zur Sanierung der Staatsfinanzen an Werbetreibende und Marktforscher verkauft werden, ist dann nur noch ein sehr kleines Stück entfernt.

3. Die Daten wecken noch ganz andere Begehrlichkeiten

Wie man am aktuellen Hack des Bundestages sehen kann, ist kein Netz sicher. Die Vorratsdaten sollen aber nicht einmal auf Servern des Staates oder der Behörden gespeichert werden, sondern bei den Providern. Es ist zu erwarten, dass die Vorratsdaten damit in dunkle Kanäle abfließen und missbraucht werden.

Alles, was irgendwo im Netz gespeichert wird, wird nicht wieder aus dem Netz entfernt. Das hat sich bisher immer wieder bewahrheitet.

Und wer wurde in den letzten Jahren alles gehackt? Wo überall hat man Daten entwenden können, von Kundendaten über Inhalte bis hin zu Finanzdetails? Und was hat man alles noch gar nicht mitbekommen?

4. Es gibt keine sinnvollen Gründe für die Speicherung

Sigmar Gabriel nannte die “Charlie Hebdo” Anschläge als einer der Gründe, weswegen man eine Vorratsdatenspeicherung brauchen würde und zeigt damit deutlich eine typische Ahnungslosigkeit bei den Politikern zum Thema. Frankreich hat bereits eine Vorratsdatenspeicherung! Die Täter waren vorher schon der Polizei und den Geheimdiensten bekannt. Sie wurden teilweise schon überwacht und abgehört. Man hatte also schon Massen an Daten – anscheinend viel zu viele Daten. Und so konnten bestens überwachte Terroristen trotzdem ihr Werk vollenden.

Selbst zur Aufklärung hat die Vorratsdatenspeicherung nichts beigetragen. Der erste und wichtigste Hinweis auf die Täter kam von ihnen selber, durch ihre eigene Dämlichkeit.

Und damit möchte man ernsthaft die Einführung der Vorratsdatenspeicherung begründen?

“Terrorismus” ist auch so ein Stichwort. Der islamistische Fanatiker, der von irgendwoher kommt und sich dann an einem belebten Ort selber samt vielen Unbeteiligten in die Luft sprengt ist bisher kein deutsches Phänomen – zum Glück. Würde ihn die Vorratsdatenspeicherung abhalten? Nein. Würde man die Tat dadurch aufklären können? Hintermänner finden? Lächerlich!

Es gab in Deutschland seit der RAF keinen Terrorismus mehr. Erst durch die NSU wurden wieder Terror-Morde verübt. Und auch diese Täter waren den entsprechenden Behörden offenbar schon lange bekannt. Auch sie wurden überwacht und abgehört. Und auch dort hat man aus der Menge an Daten, die den Behörden zur Verfügung standen, offensichtlich nicht die richtigen Schlüsse gezogen. Hätte eine Vorratsdatenspeicherung geholfen? Wie denn?

5. “Denkt denn keiner an die Kinder!”

Gerne liest man das wunderbare Argument, dass man mit der Vorratsdatenspeicherung “Kinderschändern” auf die Schliche käme. Und wer wird denn schon etwas dagegen haben, einen bösen “Kinderschänder” zu ermitteln? Gerne vergessen wird dabei, dass das Verbrechen zu dem Zeitpunkt schon geschehen ist und bisher eine Aufklärung in solchen Fällen auch ohne Vorratsdaten erfolgt ist.

Auch andere Themen sollten schon mit dem “Kinderschänder”-Hammer-Argument durchgeprügelt werden. Haben Sie die Diskussion zum Thema “Stopp-Schilder” im Internet schon vergessen? Damals hat sich zum Glück der Löschansatz der Kritiker durchgesetzt und funktioniert seitdem nahezu perfekt.

Hier hingegen wird das Thema mal wieder ausgepackt und so argumentiert, dass derjenige, der für seine Freiheit kämpft gerne mit jemandem gleichgesetzt wird, der sich für Kindesmissbrauch einsetzen würde. Eine geradezu perverse Argumentation!

6. Und die Löschung?

Was einmal gespeichert wird, wird nicht wieder gelöscht. Vielleicht bei den Providern schon, alleine wegen des Platzbedarfs. Aber bei allen anderen Stellen, die auf die Daten zugreifen, werden viele dieser Daten verbleiben. Und das mag heute nicht einmal schlimm sein. Und in Zukunft? Die Menschen in vielen Ländern wurden von Regierungswechseln überrascht und mussten feststellen, dass sich ihr Leben durch neue Gesetze plötzlich geändert hat.

Die Zugriffe auf das Datingportal für Schwule von vor ein paar Jahren könnte eine Regierung in manchem Staat heute sehr interessant finden. Sind Sie sicher, dass die Daten von damals gelöscht wurden?

Stellen Sie sich vor, sie surfen heute immer wieder die Webseite einer Drogenberatung an. In ein paar Jahren machen Sie Karriere in der Politik. Hat vielleicht noch jemand die Vorratsdaten und dreht Ihnen daraus einen Strick?

Oder Sie ermitteln sogar in einem Ausschuss als Politiker gegen einen Geheimdienst und sollen Skandale aufklären und ganz plötzlich wird ihre Vorliebe für Bilder und Videos nackter Jungs öffentlich? Sie hätten zwar rechtlich nichts zu befürchten, da die Bilder nicht strafrechtlich relevant sind, wären aber ansonsten ruiniert. Aber so etwas taucht wohl nur in schlechten Filmen auf, richtig?

Was an Daten erhoben wird, wird auch genutzt werden. Gegen Sie, gegen mich, gegen uns alle!

Was wird man am Ende mit der Vorratsdatenspeicherung erreichen?

Man schafft ein Instrument zur Überwachung und sorgt dafür, dass statt kriminalistischer Ermittlungen dann Metadaten zur Verbrechensaufklärung herangezogen werden.

Man sorgt dafür, dass viele Leute sich überlegen werden, im Netz oder am Telefon noch private Dinge zu kommunizieren, durch die ihnen irgendjemand später Probleme bereiten könnte. Stichwort “Chilling Effects”.

Diejenigen, die tatsächlich Terrorismus und Schwerkriminalität planen, werden sich hingegen schnell auf die neue Bedrohung einstellen.

Fazit

An sich müssten Millionen Menschen auf die Straße gehen, aber die Empörung ist einfach nicht da. Der unglaublich schwachsinnige Spruch, man hätte ja nichts zu verbergen macht weiterhin die Runde. Daten werden gespeichert und ausgewertet werden. Und Stück für Stück werden Freiheitsrechte weiter verschwinden. Alles natürlich nur zu unserem Besten. Wegen der Terroristen. Und der “Kinderschänder”.

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MPEG-2 Support für DVD und DVB unter Windows 10

MPEG-2 ist ein Standard zur Audio- und Videokompression. Verwendet wird MPEG-2 unter anderem bei DVD Video, aber auch bei TV Übertragung via DVB, also z.B. DVB-T oder DVB-S. In anderen Bereichen wurde er schon durch leistungsfähigere Kompressionsverfahren abgelöst.

Seit Windows 8 liefert Microsoft standardmäßig bei Installationen keinen MPEG-2 Decoder mehr mit. Begründet wird dies damit, dass Microsoft Lizenzkosten für jede verkaufte Windows Version an die MPEG zahlen muss, allerdings nur vergleichsweise wenige Leute dann MPEG-2 tatsächlich nutzen.

Hier hat Microsoft dies damals sehr ausführlich beschrieben:

http://blogs.msdn.com/b/b8/archive/2012/05/04/q-amp-a-dvd-playback-and-windows-media-center-in-windows-8.aspx

Bis einschließlich Windows 8.1 wurde ein MPEG-2 Codec automatisch mit installiert, wenn das optionale Windows Media Center nachinstalliert wurde. Mit Windows 10 fällt dieses jetzt ersatzlos flach und damit gibt es auch den MPEG-2 Codec nicht mehr.

Wer jetzt mit Codec-Paketen anfängt und damit das Problem erschlagen möchte, schießt mit Kanonen auf Spatzen. Wir brauchen ja kein riesiges Codecpaket, sondern wollen an sich nur MPEG-2.

Das bringt das Paket LAV Filters mit. Dieses Opensource Paket rüstet alle notwendigen Funktionen nach, um wieder MPEG-2 nutzen zu können, ohne dutzende völlig unnötiger Codecs drumherum.

Unter http://forum.doom9.org/showthread.php?t=156191 findet sich eine ausführlichere Beschreibung. An sich reicht es aber, den dort verfügbaren Installer herunterzuladen und das Setup mit Standardwerten auszuführen.

Optional kann man hinterher die LAV Video Configuration aus dem Startmenü aufrufen und dort die “Hardware Acceleration” aktivieren, wenn Grafikkarte oder GPU dies unterstützen. Für MPEG-2 unterstützt das jede Grafikkarte aus den letzten zehn Jahren. “DXVA2 (native)” dürfte in den meisten Fällen die Einstellung der Wahl sein

dxva

 

Direkt danach ist ohne weitere Einstellungen der MPEG-2 Support systemweit aktiv und die hier genutzte DVBViewer TV Software kann auch wieder in MPEG-2 ausgestrahltes Fernsehen anzeigen.

Und auch der Windows Media Player spielt danach wieder brav MPEG-2 Videos von der Festplatte ab. Allerdings möchte er trotzdem keine DVD Video abspielen. Auch das ist unter obigem Link allerdings erklärt: die entsprechende Funktionalität wurde tatsächlich ausgebaut.

Für die Wiedergabe von DVD Video am PC ist also trotz installiertem MPEG-2 Codec ein anderer Player notwendig. Empfehlenswert ist hier z.B. VLC.

http://www.videolan.org

Und dann steht der Nutzung von MPEG-2 auch unter Windows 10 nichts mehr im Weg.

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Von der Odyssee, ein kostenloses Programm zu installieren…

Schon wieder ein Blog-Artikel – keine Angst, ich werde nicht zum täglichen Vielschreiber. Es bleibt bei sporadischen Artikeln, selbst wenn das heißt, dass auch mal mehrere Artikel kurz nacheinander kommen.

Wer aktuell nach irgendeiner kostenlosen Software sucht und diese nicht über irgendeinen Store installiert, sucht vermutlich bei einer der Suchmaschinen. Eine MP3 Datei zuschneiden, da gibt’s doch bestimmt ein Tool dafür. Und kostenlos wäre auch schön. Natürlich, gibt es! Dutzendfach!

Je nachdem wie man sucht und wo man sucht, stehen in den Ergebnissen sehr oft Links zu den Downloadseiten von CHIP oder Computerbild an erster Stelle. Bekannte Namen, bei denen wohl viele erwarten, nicht übers Ohr gehauen zu werden und keinen Unsinn herunterzuladen.

Nun, die Erwartung wird leider in diesem Fall enttäuscht. Der Google Link zum CHIP Download sieht zuerst noch ganz vielversprechend aus.

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Genau das gesuchte Programm, die CHIP Redaktion verfasst dazu eine kurze Beschreibung, hat es also offensichtlich selber ausprobiert. Die User vergeben drei von fünf Sternen…naja, keine Glanzleistung, aber hey, immerhin ist es “Free”.

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Und sicher ist es auch, man lädt es nämlich mit dem sicheren CHIP-Installer herunter. Warum dies jetzt sicherer sein soll als die manuelle Installation, verrät niemand. Den Link zum CHIP-Installer findet man mehrfach, den zur manuellen Installation einmal klein unten. Nun, dann ist der CHIP Installer bestimmt ganz toll.

Ganz am Ende des Artikels findet sich dann doch dieser Hinweis:chip03

Ahja. Also der CHIP-Installer selber ist sicher, aber das eigentliche Tool ist es nicht so ganz. Also merken: “Decline” klicken.

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Das ist zuerst noch der CHIP-Installer. Der zeigt einen Link zu seinen Nutzungsbedingungen. Liest eh niemand. Also Weiter geklickt.

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Jetzt kann man nicht weiter klicken, sondern muss auswählen, ob man erschaffen, kämpfen und herrschen möchte. Oder halt Weiter klicken, was man erst nach der Auswahl darf, ob man nun spielen möchte oder nicht. Wollen wir nicht.

Nun ja, damit ist dann auch klar, wofür CHIP dem Nutzer einen CHIP-Installer nahelegt: man verdient mit solchen Anzeigen Geld. Zusätzlich zu denen, die die ganze Webseite pflastern.

Nun wird’s ja dann wohl mal mit der Installation losgehen. Nun…fast…

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…wenn man denn gefragt wurde, ob man nicht einen Amazon Link auf den Desktop haben möchte. Warum sollte man das wollen? “amazon.de” zu tippen ist nicht schwer. Auch die Antwort ist natürlich, dass CHIP damit Geld verdient. Schlimm ist das nicht, mit dem Klick auf diesen Amazon Link verdiene ich auch nicht wirklich was. Schade ist nur, dass man so tut, als wäre der CHIP-Installer jetzt sicherer. Aber mit Sicherheit hat das bisher noch nichts zu tun.

Hier im Dialog findet sich dann auch kein Weiter mehr, sondern man darf endlich die Installation starten oder einfach den Download. Also quasi das, was sich klein und versteckt als “Manueller Download” auf der Webseite fand.

Also starten wir die Installation, die auch sofort losgeht…

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…nachdem wir noch eine Anzeige weggeklickt haben! Diesmal für eine Software, die Bloglesern ausgesprochen bekannt vorkommen dürfte. Die wütenden Kommentare betrogener User füllen die Kommentarspalten unter dem Reimage Artikel. Man kann sich so etwas gar nicht ausdenken. Aber sicher soll er ja sein, der CHIP-Installer.

Es startet nun endlich die eigentliche Installation. Also genau genommen startet ein Installer, der das eigentliche Programm herunterlädt und dann startet die Installation.

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Da kommt dann der übliche Installer mit dem freundlichen, englischen Text, den wieder keiner liest. In dem Text steht vieles drin über eine “InstallMonetizer” Software. Monetizer….? Moneten…? Wer gut aufgepasst hat, erinnert sich an die CHIP Warnung und man möge irgendwo “Decline” drücken. Hier gibts noch kein “Decline” und um überhaupt weiter zu kommen, akzeptieren wir natürlich alles und klicken Next, wir wollen ja schließlich endlich die Software installieren.

Es folgen die üblichen Abfragen des gewünschten Installationsortes, des Ordners im Startmenü, falls gewünscht und ob Icons auf dem Desktop und im Schnellstart angelegt werden sollen. Und dann kommt das:

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Da steht was von “Ad” und da steht was von irgendeiner Software, die ich gar nicht installieren wollte. Und der Cancel Button ist ausgegraut. Also bleibt ja nur Next zu klicken. Und dann folgt der selbe Dialog. Nur diesmal für eine WebSearches Software. Ebenfalls mit ausgegrautem Button. Und noch mal. Und noch einmal. Insgesamt vier Lizenzverträge darf man abnicken und kann nichts dagegen tun. Das ist doch eindeutig illegal! Oder?

Nun, die Programmierer solcher Software sind nicht dumm und bewegen sich immer in der Grauzone, hart an der Grenze zwischen “unschön, aber legal” und “eindeutig illegal”.

Die Auflösung in diesem Fall ist so dämlich wie dreist, wenn man das Fenster etwas verschiebt:

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Wir sehen gar nicht den eigentlichen Programm-Installer mehr! Wir sehen ein Fenster, welches exakt so groß ist wie das des Installers und sich vor den Installer gelegt hat. Und nun kommt die Frechheit, die einen nur noch den Kopf schütteln lässt:

Der ausgegraute Cancel Button lässt sich klicken!

Und dann wird tatsächlich die jeweilige Adware ganz brav nicht installiert. Klickt man vier Mal hintereinander einen Cancel Button, der so aussieht, als wäre er nicht klickbar, ist alles in Ordnung.

Es ist damit den Vorgaben – z.B. denen von Microsoft für die Verschonung vor Aufnahme in die Virensignaturen – Genüge getan: man hat einen Cancel Button und könnte ja abbrechen. Also ist die Installation doch völlig legal, denn der User hat ja der Installation zugestimmt. So in etwa muss wohl die Argumentation der Verbr…ähm…Entwickler sein.

Ist man ein normaler Mensch, der nicht von vornherein weiß, dass bei diesem Installer seltsame Dinge vorgehen, klickt man auf Next, weil man ganz offensichtlich nichts anderes klicken kann.

Das Ergebnis sieht dann so aus:

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Neben dem eigentlichen Programm wurden fünf weitere Programme installiert. “OptimizerPro” startet auch sogleich, scannt angeblich den PC und meldet innerhalb von Sekunden, was denn alles repariert, gesäubert, verbessert und verschönert würde, wenn man sich denn nur sofort registrieren würde.

Im Browser taucht “MyStartSearch” auf und leitet Suchanfragen um. Ich hab auch nach mehrfachem Lesen der Info zu “Health Alert” nicht herausfinden können, was dieser Müll angeblich machen soll und wozu es deswegen auf meinem Rechner laufen und in meinem Browser rumhängen muss.

Der eigentliche MP3 Editor ist dann unspektakulär. Ein kleines Programm, schnell um ein paar Opensource Bibliotheken herum gestrickt. Kaum 5 MB groß. Liefe auch ohne Installation. Also relativ eindeutig nur dazu gebaut, um die Leute zur Installation der Massen an Werbesoftware zu verführen.

Ach ja: erinnert sich noch jemand an den Hinweis von oben? An den “Decline” Button? Hat den irgendjemand irgendwo gesehen? Ich nicht. Die CHIP Leute haben ihn vermutlich irgendwann wirklich mal gesehen. Aber dummerweise bieten sie nicht das eigentliche Programm “Free MP3 Cutter and Editor” an, sondern ihr CHIP-Installer lädt eben wieder nur einen kleinen Installer. Das eigentliche Programm wird erst weit später heruntergeladen – und dessen Setup kann natürlich jederzeit beliebig verändert werden, so dass gut gemeinte Hinweise ins Leere laufen.

Genauso wird die Installation mit dem ausgegrauten Cancel Knopf vermutlich nicht ewig so bleiben und es kann sein, dass morgen bei einer testweisen Installation ganz andere Schrott-Software mit ganz anderen Installern im Beifang kommt. CHIP kann das kaum überprüfen.

Die Deinstallation des Mülls ist genauso unschön wie nervig. So wird von mindestens einem der Programme bei der Deinstallation ein Captcha abgefragt – der Text scheint immer gleich zu sein – und die Deinstallation wird grundsätzlich erst einmal mit einer angeblichen Falscheingabe abgelehnt. Beim zweiten Versuch klappt’s dann.

In meinem Fall habe ich den PC hinterher frisch installiert, es handelte sich nur um eine Test-Installation und die Windows Installation erfordert hier genau drei Tastendrücke. Wer die Chance nicht hat, wird mit Tools wie dem Adwcleaner fündig und kann den Müll aus dem System fischen.

Den Adwcleaner lädt man dann aber von einer vertrauenswürdigen Seite herunter. Also dort, wo die Entwickler ihn direkt zum Download anbieten.

Falls man ein Tool zum Beschneiden von MP3s sucht, wird man bei Audacity oder mp3DirectCut fündig und lädt diese natürlich ebenfalls auf den offiziellen Seiten der Entwickler herunter.

Und nirgendwo sonst! Ganz bestimmt nicht bei CHIP!

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Ein kritischer Blick auf IObit Advanced SystemCare

Durch den Kommentar eines Bloglesers wurde ich dran erinnert, mir doch schon lange mal “Advanced SystemCare Free” von IObit anschauen zu wollen. Nun denn, schauen wir doch mal genauer, ob irgendeines der vielen Werbeversprechen zutrifft und was es mit Software und Hersteller sonst so auf sich hat.

Vor dem Download erfolgt zuerst mal der Check auf die allgemeine Vertrauenswürdigkeit. Hat die Webseite des Herstellers ein Impressum oder ist in den Kontaktdaten eine Büroadresse zu finden? Wenn nicht, auf wen ist die Domäne registriert bzw. wo steht der Server?

Iobit fällt an dieser Stelle schon mit Pauken und Trompeten durch. Wer auch nur ein wenig kritisch ist, sollte schon zu diesem Zeitpunkt die Seite verlassen und die Software gar nicht erst anschauen. Auf der gesamten Webseite steht über den Hersteller schlicht gar nichts, was irgendwie rechtlich relevant wäre. In den Geschäftsbedingungen versteckt findet sich gerade mal der komplette Name des Herstellers: “IObit Pty, Ltd.”. Eine Suche im Netz bringt dann ein wenig Aufklärung:

1st floor of 8th building, No 16
Lansiduan, Erhuanlu
Shanghai, 200000
China

Der Webserver ist über einen amerikanischen Content-Distributor angebunden, die Domain iobit.com ist auf eine Investmentfirma auf den Cayman Islands registriert.

Zu diesem Zeitpunkt mal eine ganz ernsthafte Frage an die Leserschaft: wer würde diesen Leuten einen Gebrauchtwagen abkaufen? Wohl niemand. Scheinbar würden aber einige diesen Leuten die Daten auf ihren PCs anzuvertrauen.

Ich installiere ja gerne mal Tools wie Advanced SystemCare auf frisch installierten Systemen und schüttle dann den Kopf, wenn diese das sauber frisch installierte Windows als total vermüllt und fehlerhaft ansehen. Diesmal allerdings war mal ein real langsames Notebook griffbereit und nachdem Advanced SystemCare ja verspricht, Rechner um bis zu 300% schneller zu machen, juckte es doch, das mal genauer zu überprüfen. VistaVorher

Ein altes Notebook, Single-Core CPU, 2 GB Ram, 80 GB Festplatte und Windows Vista klang da genau richtig. Da sollte sich doch nach jahrelanger Nutzung was beschleunigen lassen. 25,1 GB Plattenplatz sind frei, etwa 1,1 GB Ram werden im Leerlauf genutzt. Starten wir die Installation.

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Angeboten wird auch gleich die Installation des IObit Malware Fighter, obwohl schon ein Virenscanner installiert ist. Nachdem die zusätzliche Sicherheit so aufgedrängt wird, installiere ich sie einfach mal mit. Nach der Installation der Pakete selber öffnet sich der Firefox Browser und möchte ein AddOn installieren.

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Im Internet Explorer wird das selbe Plugin ohne Nachfrage installiert. Auch meldet sich gleich der frisch installierte Malware Fighter und möchte Signaturen herunterladen, was mehrfach fehlschlägt.

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Die dann aufpoppende Meldung, Malware Fighter wäre ja gar nicht aktuell und man solle doch mal bitte upgraden, verwundert etwas. Fünf Minuten vorher war doch grad durchs Setup das Programm heruntergeladen worden. Warum nicht gleich eine aktuelle Version?

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Auch nach dem Upgrade lädt der Malware Fighter keine Signaturen. Schauen wir also mal zum eigentlichen Produkt. Die Oberfläche begrüßt einen mit einem auffälligen “Prüfen” Knopf und scannt dann relativ zügig das komplette System.

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Das Ergebnis ist dann – wie erwartet – erschreckend. 33708 Probleme wurden gefunden! Auch hier wird, wie schon bei anderer Software dieser Art, der User also zuerst mal mit Meldungen über riesige Probleme konfrontiert. Man will ja schließlich dem Nutzer zeigen, dass er grad auf dem richtigen Weg sei.

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Schauen wir mal genauer, was denn angemeckert wird.

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Da wird u.a. ein fehlerhafter Dienst angemeckert. Wie man am Taskmanager sehen kann, ist der Dienst aber keineswegs fehlerhaft. Er läuft ganz einwandfrei. Advanced SystemCare lässt sich hier einfach vom relativ angegebenen Pfad verwirren.

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Die Privatsphärenfälle sind es hier, die die Anzahl der Probleme so hoch treiben. Jeder einzelne Cookie, jede Webseite im Cache, quasi alles wird als Problem gesehen.

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Die angeblichen Internet-Probleme lassen auch eher den Kopf schütteln. Es werden keine Probleme erkannt, sondern es wird eine Liste von angeblich sinnvollen Einstellungen der Browser angezeigt. Inwiefern irgendwelche der Einstellungen das Surfverhalten tatsächlich optimieren und ob man diese problemlos setzen kann, ohne Nebenwirkungen zu befürchten, kann der Normalnutzer nicht beurteilen – und bei vielen kann ich das auch nicht. Aber sind es ehrlich alles Probleme?

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Verknüpfungsdefekte werden auch noch aufgelistet. Nun ja, ein Glück, dass die Verknüpfungen nichts von ihren angeblichen Defekten wissen. Denn auch die angemeckerte Verknüpfung zu Lenovos Energie-Manager funktionierte einwandfrei.

Nun lassen wir diese Dinge mal lieber aus und starten den Bereinigungsvorgang. 116 MB Plattenplatz wurden angeblich freigeräumt durch Löschen von temporären Dateien und Browsercache. Zumindest letzterer wird nach dem nächsten Surfen also eh wieder benutzt.

Nebenbei wurde auch noch der IObit Uninstaller mit installiert. Der Uninstaller listet installierte Programme und bietet die Deinstallation an.

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Also genau das, was Windows von sich aus ohne Zusatzsoftware macht. Wozu genau ist jetzt der Uninstaller gut? Ach ja, er zeigt auch Toolbars und Plugins an und prüft anscheinend, ob diese sicher sind.

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Sehr weitgehend scheint diese Prüfung nicht zu sein. Weder wird ein veraltetes Java Plugin angemeckert, noch ein veraltetes Flash Plugin – obwohl beide durch ihre Anwesenheit Löcher in die Systemsicherheit reißen. Wozu war jetzt genau der Uninstaller gut?

Ach ja, der Malware Fighter hat zwischendurch auch seine Signaturen aktualisieren können und das System dann gescannt. Und auch gleich etwas gefunden: eine angebliche “iWinstore Toolbar” im Profil des Chrome Browsers. Dummerweise eine Fehlerkennung, die Dateien an der Stelle gehören zum Chrome Browser selber und stammen direkt von Google.

Was hat die ganze Aktion jetzt gebracht?

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Nun ja: es werden 500 MB mehr Plattenplatz genutzt. Ebenfalls werden rund 170 MB Ram mehr genutzt als vorher. Das System wurde also insofern optimiert, als dass von den eh schon knappen 2 GB Ram mal eben knappe 10% für das eigene Produkt draufgehen. Im Leerlauf, d.h. ohne dass es eigentlich genutzt wird.

Hätte ich nicht aufgepasst, wären eine Verknüpfung aus dem Startmenü sowie ein Dienst “weggeputzt” worden. Grundlos.

Startet nach der Reinigung das System schneller? Nein.

Hat ernsthaft irgendjemand etwas anderes erwartet?

Fazit auch hier wieder Finger weg! Es bringt nichts. Im Gegenteil! 

Der Normalnutzer, an den sich die Software richtet, hätte hinterher definitiv mehr Probleme gehabt als vorher – und kein schnelleres System.

Exakt das, was hier und an vielen anderen Stellen immer wieder geschrieben wird. Die Kategorie dieser Software heißt “Schlangenöl” und bewegt sich zwischen Placebo und Schadsoftware.

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Windows 10–Stand der Dinge

Der Mai fängt an, Microsofts Entwicklerkonferenz BUILD ist noch nicht vorbei und die aktuelle Windows 10 Vorabversion 10074, jetzt “Insider Preview” genannt, hat den Weg zu den Testern gefunden.

Man munkelt momentan von einer Veröffentlichung der fertigen Windows 10 Version für PCs gegen Ende Juli, insofern werden die aktuellen Vorabversionen langsam etwas vollständiger, stabiler und sehen nicht mehr ganz so “rau” aus. Zeit, noch mal einen Blick auf den aktuellen Stand zu werfen.

Screenshot (1)Screenshot (2)

Die aktuelle Build 10074 kommt für alle Tester und steht auch als ISO Image zum Download bereit. Wer sie anschauen will, installiert sie am besten auf einem eigenständigen Test-PC oder in einer virtuellen Maschine. Wer wagemutig ist, kann auch ein vorhandenes Windows 7 oder 8.1 System upgraden. Man sollte aber immer noch damit rechnen, dass nicht immer alles rund läuft und im Ernstfall doch noch mal eine Neuinstallation notwendig wird.

Desktop und Startmenü passen etwas besser zueinander und mehr und mehr Einstellungen finden sich nicht mehr verstreut über Systemsteuerung und Einstellungen-App, sondern landen in der Einstellungen-App.

Screenshot (3)Screenshot (4)

Die Lokalisierung ist noch nicht durchgehend. Gerade Bereiche, in denen noch kräftig gearbeitet wird, sind auch bei der deutschen Installation oft nur in Englisch verfügbar oder wirken, als wären sie automatisch übersetzt worden.

Die Sprachassistentin “Cortana” zeigt sich auch in den deutschen Versionen und hört auf Stimme oder lässt sich per Tastatur und Maus nutzen. Sie sucht und erinnert, löst Rechenaufgaben und erzählt Witze. Teilweise ist das Spielkrams. Aber auch wer eine Nachrichtenübersicht nach eigenem Interesse bekommen möchte, wird bei Cortana fündig.

Screenshot (5)

Die mitgelieferten Preview Versionen der Apps wie Mail, Kalender, Music und Video sind allesamt schon aufs neue Design umgestellt und laufen problemlos nicht nur im Vollbild, wie Apps unter Windows 8, sondern lassen sich ganz herkömmlich in einer Fensteransicht aufrufen.

Screenshot (6)Screenshot (10)

Die Apps zeigen dabei je nach Bildschirmauflösung und Fenstergröße mehr oder weniger Informationen an. So blendet z.B. die Mail-App automatisch die Ordnerliste ein oder aus, andere Apps zeigen ihre Menüs bei kleinen Fenstern nur als Symbolleiste an, bei größeren dann mit Text.

Screenshot (7)Screenshot (9)

Obwohl das System sicherlich momentan noch einigen Debug-Code und diverse Funktionen beinhaltet, die zu Diagnosezwecken dienen, ist die Performance an sich überraschend gut und der Bedarf an Arbeitsspeicher ähnlich gut, wie bei Windows 8.1. Der freie Festplattenspeicher nach einer frischen Installation überrascht sogar positiv. Das Testsystem hat neben der Windows 10 Insider Preview auch eine komplette Office 2016 Preview und einen Adobe Reader DC installiert und begnügt sich inkl. Auslagerungsdatei mit kaum über 15 GB. Das dürfte insbesondere die Nutzer von Tablets mit geringem Speicherplatz freuen.

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Die Performance der Apps ist teilweise noch etwas durchwachsen. Da ist auf jeden Fall noch Verbesserungspotenzial. Allerdings werden System und Apps ja auch nach der Veröffentlichung noch ständig weiterentwickelt werden. Man sollte da also – auch bei fehlenden Features in den Apps – noch nicht zu viel Gewicht darauf legen.

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Auch nehme ich an, dass sich die Desktopsymbole vom Design her noch ändern werden. Während man das Papierkorb-Symbol zwischen den Previews umgestaltet hat, blieben die anderen Symbole seit einigen Previews gleich – passen somit aber nicht so recht zusammen. Allgemein hat das momentane Symboldesign noch einiges an Kritik bekommen – meines Erachtens zu recht. Da wird sich also vermutlich noch was tun.

Ob der Explorer in der Ansicht “Schnellzugriff” oder “Mein PC” startet, kann man in den Ordneroptionen einstellen. Die Standardansicht ist “Schnellzugriff”, aber bisherige Windows Nutzer werden vermutlich auf die “Mein PC” Ansicht umstellen, die der früheren Explorer Ansicht gleicht.

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Microsofts neuer Browser heißt bisher noch “Project Spartan”, soll aber in Zukunft “Microsoft Edge” heißen. Bekanntgegeben wurde dies schon, in der aktuellen Build ist dies aber noch nicht umgesetzt. Ob Spartan oder Edge, etwas spartanisch sieht der Browser momentan noch aus. Microsoft vermeldet tolle Benchmark-Ergebnisse, allerdings ist das Programm als solches momentan noch etwas behäbig. Drei Tabs öffnen, darin gleichzeitig je eine Seite laden lassen, die ordentlich Javascript und Flash nutzt, macht weiterhin wenig Spaß. Ist ein Tab ausgelastet, ist der Browser an sich ausgelastet. Da ist meines Erachtens noch viel Arbeit notwendig.

Die Funktionen für Notizen direkt in Webseiten sind lustig, aber einen sinnvollen Zweck sehe ich da momentan noch nicht. Es sei denn, man muss vor diversen Leuten eine Webseite präsentieren. Der Lesemodus ist als solches ja auch nicht neu. Ob der als interessantes Feature Leute begeistern wird, muss sich zeigen.

Spartan1Spartan

Die nächsten Previews werden sicherlich noch mehr als nur Verfeinerungen an Design und Lokalisierung sowie Fehlerbehebungen bringen, bis dann mal der “Feature Freeze” erreicht wird, ab dem keine funktionellen Änderungen mehr anstehen. Schauen wir mal, wie lange wir uns bis zur nächsten Preview gedulden dürfen.

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Reimage Repair–noch jemand Geld zuviel?

In den letzten Wochen hab ich u.a. in den Microsoft Answers Foren immer mal wieder etwas zu Reimage Repair gelesen. In den meisten Fällen waren das Anfragen von Leuten, die gar nicht wussten, wie das Programm auf ihren Rechner gekommen war und nach dessen Anwendung irgendwas nicht mehr lief. Teilweise wurde es aber auch als eines der angeblichen Wundermittel gepriesen, um ein “kaputtes” Windows wieder zu reparieren und mancher meinte, er könne seitdem endlich ordentlich sein Windows “sauber” halten.

Was ich von so etwas halte, sollte jedem Blogleser bekannt sein, aber meine Kritik fußte bisher nur auf eben den Erlebnissen von Usern aus dem Netz. Das möchte ich heute mal ändern und habe mir die aktuelle Version des Tools angeschaut.

Als Basis dient dafür ein frisch installiertes Windows 8.1 Pro x64 auf einem Lenovo R400 Notebook. Außer Windows selber ist nur Microsofts EMET installiert, keine weitere Software. Das System wurde von der November 2014 ISO installiert und dann auf einen aktuellen Updatestand gebracht.

Die Webseite von Reimage preist das Produkt in den höchsten Tönen an, schauen wir mal schrittweise durch.

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Auf der Webseite muss man etwas suchen, wer denn eigentlich die Firma ist, die hinter der Sache steckt und findet dann eine Adresse in Israel. Google Streetview zeigt dazu ein Bürohochhaus.

Nutzt man im Browser das Web-of-Trust Addin, wird vor dem Aufruf der Seite nachdrücklich gewarnt. Die Seite ist wegen Malware und Betrug tiefrot bewertet.

Eine Registrierung ist nicht notwendig für den Start des Downloads.

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Der Download bringt einen Installer auf die Platte, der dann ausgeführt werden muss und die eigentlichen Installationsdateien herunterlädt.

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Warum man nicht das 13 MB große Archiv direkt zum Download anbietet, weiß vermutlich auch nur Reimage selber.

Nach der Installation startet das Programm, begrüßt einen mit einer deutschsprachigen Oberfläche und führt dann erst einmal einen sehr umfangreich aussehenden Systemtest durch.

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Während der Überprüfung des Systems werden ein paar allgemeine Hardware-Informationen angezeigt, die das Windows Systeminfo msinfo32 ebenfalls kennt. Außerdem wird mir stolz berichtet, dass mehr als 210 GB freier Plattenplatz ja deutlich über dem Durchschnitt wäre. Schön, aber nutzlos. Wie viel Platz auf der Platte frei ist, zeigt der Windows Explorer ebenfalls an.

Während des Scans werden alle möglichen Verbindungen aufgebaut. Eine https Verbindung zu einem Google Hosting Angebot sowie diverse http Verbindungen zu verschiedenen Content-Network Servern. Das Tool sendet oder empfängt also fröhlich unverschlüsselt Daten. Was da jetzt genau durchs Netz geht, habe ich nicht extra mitgeschnitten – es ist aber auch nicht wirklich relevant. Eine unverschlüsselte Verbindung an so einer Stelle zu verwenden ist überhaupt böse, völlig egal, was darüber nun ausgetauscht wird.

Nach einigen Minuten ist der Scan, der angeblich auch einen Virenscan beinhaltet, durch und präsentiert mir das Ergebnis. Schockierend! Geradezu schrecklich! Ich muss sofort etwas tun!

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Ein Virus wurde gefunden! Zu Hülfe, und das auf einem frisch installierten System! Die gefundene Datei soll angeblich Adware sein.

Die gefundene Datei ist aber ganz und gar keine Adware, sondern der von der offiziellen Intel Webseite stammende Intel AHCI SATA Treiber für den Festplattencontroller. Ohne diesen läuft nichts und falls ein Programm diesen als Virus erkennt und auch noch dementsprechend handelt und ihn in Quarantäne steckt oder löscht, dann ist die Windows Installation erst einmal hin. Mit Schwung kaputt geschossen!

Die Zusammenfassung zeigt aber noch mehr Punkte, die mein System dringend reparaturbedürftig machen.

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14 Fehler haben sich in die Windows Registry eingeschlichen und müssen korrigiert werden. Details dazu werden natürlich nicht verraten.
Der Grad der Beschädigung meines Systems ist HOCH! Ja, fürchterlich, so ein frisch installiertes System. Kann man kaum mit arbeiten…also eigentlich schon…aber es gibt ja eine Lösung.

Der Normaluser klickt dann hoffnungsvoll auf den großen, beruhigend grünen Button, der eine Reparatur verspricht und landet wieder auf der Reimage Webseite.

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Und da kommt dann das supertolle Angebot, für doch nur 80 EUR das Programm für eine unbeschränkte Nutzung für ein Jahr zu lizensieren. Dabei gehen 24 EUR nur dafür drauf, dass man zwei weitere Reparaturen durchführen darf, wie auch immer man das verstehen darf, wenn die Nutzung doch unbeschränkt sein soll.

Dafür gibt es eine

ZUFRIEDENHEIT
SGARANTIE!

Na wenn das nichts ist…

Um das noch etwas einzuordnen: ein originales Windows 8.1 kostet 83,90 EUR! Nicht für ein Jahr, sondern dauerhaft – oder zumindest bis irgendwann in diversen Jahren mal der Support ausläuft. Und für ein Reparaturtool, welches als ersten Vorschlag den SATA Treiber als Virus ansieht, soll man den selben Preis für EIN JAHR zahlen?

Schauen wir mal, was Reimage sonst noch so auf dem PC gemacht hat. Einen ReiGuard genannten Hintergrunddienst gibt es im System. Was dieser macht? Keine Ahnung, denn eigentlich wird das Programm ja nicht als ständig aktiver Virenscanner angepriesen.

Es gibt außerdem neben dem eigentlichen Verzeichnis unterhalb von C:\Programme ein neues Verzeichnis C:\rei, in welchem sich ein paar interessante Dateien finden.

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Ja, das ist ein Antivirus-Updater. Von Avira. Samt dazugehörigem Key für die Nutzung innerhalb von Reimage Repair.

Da schauen wir doch mal genauer. Wenn Reimage im Hintergrund eine Avira Engine zum Virenscan benutzt hat, müsste ja Avira selber den Intel SATA Treiber ebenfalls anmeckern.

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Tut es nicht. Eine frisch heruntergeladene und installierte Avira Free Version scannt das System und erkennt keine Gefahr. Im Virenlexikon von Avira findet sich der von Reimage gefundene Schädling so auch nicht. Die Benennung der Schadsoftware ist bei Avira auch komplett anders, d.h. die Bezeichnung “Win32.Adware…” gibt es in dieser Art bei Avira überhaupt nicht. Schon seltsam, wenn man angeblich mit Avira Signaturen scannt.

In vielen älteren Berichten fand sich dann noch der Hinweis, dass Reimage Repair kaum vom System zu entfernen sei. Zumindest das scheint mittlerweile nicht mehr so extrem zu sein. Die Deinstallation hinterlässt bis auf ein paar unwichtige Registry-Einträge, welche niemanden stören, so weit keine offensichtlichen Reste. Allerdings bleibt eine Reimage.ini im Windows Verzeichnis zurück, die eine eindeutige ID der Installation und Tracking-IDs enthält. Die vorhin über die unverschlüsselte http Verbindung ausgetauschten Daten dürften also auch noch eindeutig einem Nutzer zuzuordnen zu sein.

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Ein Fazit: die ganz gruseligen Zeiten, in denen sich Reimage Repair selber wie eine Schadsoftware verhielt und sich im System festkrallte, sind wohl vorbei. Usertracking, unverschlüsselte Verbindungen, all das trägt nicht zum Vertrauen bei. Und der eigentliche Nutzen der Software darf weiterhin bezweifelt werden.

Eine Software, die auf einem frischen System die Registry als fehlerhaft ansieht, ist kaputt. Eine Software, die auf einem sauberen System gerade einen Systemtreiber als Virus ansieht, ist gefährlich! Und für eine Einjahreslizenz einer solchen Software 80 EUR zu verlangen, ist grenzwertig.

Kurz gesagt: Finger weg!

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