Ein Blick zurück: Als 600 MHz noch begeisterten.

Eigentlich war ich ja nur auf der Suche nach einem leeren ATX Gehäuse, um ein paar PC Komponenten, die sich hier mit der Zeit angesammelt haben, wieder zu einem kompletten Gerät zusammenzubauen. Was da in der Ecke des Kellers stand, ist allerdings mehr als nur ein Gehäuse und auch mal wert, ein paar Sätze dazu zu schreiben.

Was macht man mit Hardware, die jahrelang ungenutzt im Keller stand? Nun ja, entstauben, anschalten und hoffen, dass sich irgendwas tut. In diesem Fall ist die Hardware ein MAXDATA Artist Minitower PC. Und der wäre schon vor Jahren verschrottet worden, wenn nicht seine Ausstattung auch damals schon eher untypisch für einen PC gewesen wäre.

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Ein typischer, beigefarbener Minitower, DVD-Laufwerk, Wechselrahmen für eine zusätzliche Festplatte, Diskettenlaufwerk und ein “Designed for Windows NT / Windows 98” Aufkleber – ja, das waren noch Zeiten. Keine, die man sich zurück wünschen sollte.

Genau lässt sich das Produktionsdatum nicht mehr rausfinden, aber es wird wohl irgendwann 1999 gewesen sein, als dieser PC als leistungsfähige Workstation bei MAXDATA in Würselen vom Band lief. Firma und Fertigung sind schon lange nicht mehr existent – und alles was damals sonst noch an PCs produziert wurde, ist vermutlich schon lange auf dem Schrott.

Apropos Schrott: das verbaute 200 Watt Seasonic Netzteil gehört an sich zu einer Serie mit Serienfehler. Damals sind eigentlich alle Netzteile dieser Modellserie gestorben und mussten getauscht werden. Ein riesiger Schaden war das damals für MAXDATA und ich hab aufgehört zu zählen, wie viele von den Netzteilen ich selber getauscht habe. Interessanterweise hat dieses eine Exemplar überlebt.

Mainboard und CPU

Das verbaute Mainboard ist ein ASUS P2B-DS, welches Intels quasi legendären i440BX Chipsatz verbaut hat. Das “D” in der Typenbezeichnung weist dann schon gleich auf die erste Besonderheit hin: “Dual-CPU”. Zwei Slot 1 CPUs können hier verbaut werden und sind es zum Glück auch. Intels Pentium III “Coppermine” mit 600 MHz werkelt hier in doppelter Ausführung. Das “S” in der Boardbezeichnung ist dann für “SCSI” zuständig. Während man normalerweise bei Desktop-PCs damals PATA (“IDE”) Anschlüsse für Festplatten und CD-Laufwerke verwendete, findet sich hier onboard ein Adaptec AIC78U2 Controller für Ultra160 SCSI.

ASUS hat das Board auch in vielen anderen Konfigurationen gebaut, meist als einfaches P2B, d.h. für eine einzelne CPU und nur mit PATA Anschlüssen. Abgelöst wurden die Boards damals dann von der CUBX Serie, welche ebenfalls mit i440BX Chipsatz ausgestattet war, aber für die Pentium III CPUs im Sockel 370 geeignet war.

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Das Board hier bietet vier Speicherslots für PC100 SDRAM und verträgt maximal 1 GB Ram insgesamt – eine irrsinnige Menge fürs Jahr 1999 – und diese sind auch tatsächlich verbaut. Sie wurden allerdings erst später nachgerüstet. Damals hätte sie wohl niemand bezahlen können oder wollen.

Tastatur und Maus wurden früher nur über PS/2 Schnittstellen angeschlossen und so “neumodisches Zeugs” wie USB brauchte kein Mensch. Trotzdem sind zwei USB Ports hinten vorhanden – natürlich USB 1.1 und damit sehr, sehr gemütlich.

Steckkarten

Die Grafikkarte war zu ihren besten Zeiten auch kein ganz preiswertes Modell, werkelt hier doch eine ELSA Gloria III im AGP Slot. Die Karte hat mit Nvidias Quadro2 Pro Chipsatz die quasi gleiche GPU wie eine Geforce 2 Ti. Nur BIOS und Treiber machen daraus dann eine für damalige CAD Anwendungen optimierte Grafiklösung. Auch ELSA ist seit 2002 nicht mehr existent. Somit hat auch diese Hardware ihren Hersteller überlebt.

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Eine Creative Labs Soundblaster Live! 5.1 PCI sorgt für Sound. Der EMU10k1 Chip war damals beliebt und es gab recht breiten Anwendungssupport. Das Mainboard selber bietet keinerlei Audio-Funktionen, für damalige Zeiten noch vollkommen normal. In vielen PCs waren damals eher die billigeren Soundblaster Karten eingebaut, welche nur Anschlüsse für Stereo Sound hatten. Die Onboard-Soundchips nach AC’97 Standard hatten gerade erst das Licht der Welt erblickt, aber wer etwas auf sich hielt, nutzte eine Soundblaster.

Auch Netzwerk onboard fand sich bei den wenigsten Mainboards. In einem weiteren PCI Steckplatz steckt daher eine 10/100 Mbit Karte 3C905C-TX von 3Com. An sich liegen im Keller auch noch ein paar Gigabit-Karten, nur erfordern diese einen PCI 2.2 Slot und das ASUS Board bietet nur PCI 2.1.

Inwiefern Grafik- und Soundkarte schon von Anfang an im PC steckten, kann ich nicht beurteilen. Es kann sein, dass da später noch auf- oder umgerüstet wurde.

Storage

Natürlich war auch damals schon schneller Plattenspeicher das Nonplusultra und bei PATA war zu dem Zeitpunkt gerade mal UDMA33, d.h. 33 MB/s spezifiziert. SCSI bot da im Vergleich schon deutlich mehr. Bis zu 160 MB/s auf dem Bus sind bei Ultra160 SCSI möglich. Allerdings musste das natürlich eine Festplatte auch erst einmal liefern können. Und keine konnte es.

Festplatten mit 10.000 1/min waren zwar verfügbar, aber nur im Serverumfeld gebräuchlich. Sie waren nicht leise und mussten auch aktiv gekühlt werden, denn sie wurden nicht warm, sondern ohne Lüftung glühend heiß.

In diesem Fall entschied man sich also, nur eine Festplatte mit 7.200 1/min zu verbauen, eine Quantum Atlas V mit 36 GB. Quantum wurde von Maxtor übernommen, Maxtor dann von Seagate und bei Seagate finden sich tatsächlich noch die originalen Datenblätter von Quantum. Stolz berichtet man da von 29 MB/s tatsächlichem Durchsatz und 6,3 ms durchschnittlicher Seek-Zeit. Ordentliche Werte für 1999, allerdings heutzutage quasi lächerlich. 9,9 Watt Stromverbrauch im Idle-Zustand sind da noch vergleichsweise moderat. 7200er Festplatten liegen auch heute noch bei 6 bis 8 Watt.

Ein Toshiba DVD-ROM Laufwerk mit SCSI Anschluss komplettiert das Ensemble. Es liest keine wiederbeschreibbaren CDs und DVDs, tut aber ansonsten immer noch seinen Dienst leise und unauffällig.

Lebt es?

Knopf drücken, es röhrt gewaltig und ein Bild erscheint…mit einer Fehlermeldung…

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Ja, nach so langer Zeit ist die originale CMOS Batterie dann auch mal leer. Also schnell ins BIOS Setup, Datum, Uhrzeit und die wichtigsten Einstellungen wieder gesetzt und dann steigt die Spannung, was ich da zuletzt eigentlich für ein Betriebssystem drauf hatte.

Es bootet ein altes Ubuntu Linux… zumindest versucht es das.

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Örks. Okay, das sieht jetzt nicht so umwerfend aus. Es scheint ein Ubuntu 12.04 installiert zu sein. Ich hatte das Gerät also vor knapp fünf Jahren wohl schon mal aus dem Keller gekramt. Egal wie, es bootet nicht. Parity Fehler auf dem SCSI Bus? Ob die Festplatte hin ist? Das Kabel? Der Controller? Das Board? Oder nur die Ubuntu Installation?

Also mal schnell auf die Suche, was überhaupt auf solcher Hardware noch laufen könnte. Ein antiX Linux ist für alte Hardware optimiert, also CD gebrannt und los geht’s. Leider bootet antiX nicht vom SCSI-DVD-Laufwerk. Vermutlich fehlt dem Kernel der Support für den Adaptec Controller. Und bei Linux mal eben einen Treiber nachladen? Vergessen wir’s!

Also muss eine Alternative her. Windows! Windows 7 bootet tatsächlich von DVD, möchte dann von Diskette einen Treiber für den Adaptec Controller haben und resettet danach immer fröhlich den SCSI Bus. Also doch Hardware defekt? Denn schon Ubuntu meckerte ja deswegen. Oder doch nur die SCSI Terminierung falsch?

Vielleicht muss es einfach noch ein älteres System sein…

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Man sehe und staune: Windows Vista startet, nimmt den Treiber von Diskette und installiert dann sauber durch!

Es lebt! Smile

Ja, das ist noch richtig Sound! Je ein Lüfter mit 6500 1/min auf beiden CPUs, Lüfter im Netzteil, auf der Grafikkarte und dazu das helle Singen der Platte sowie das “Geschraddel” der Platte bei Zugriffen.

Treiber

Gar nicht so einfach ist die Suche nach Treibern. Nachdem PC Hardware nach wenigen Jahren veraltet und für die Hersteller damit uninteressant geworden ist, manche Hersteller nicht mehr existieren und viele Leute durch Anbieten von Malware die Treibersuche erschweren, geht da einiges an Zeit drauf.

ASUS bietet tatsächlich noch das aktuellste BIOS von 2002, sowie einen SCSI Treiber von 1999 an. Letzterer ist allerdings für Windows NT 4.0 und mag mit Vista so gar nicht.

Adaptec selber ist verkauft worden, man findet den Treiber für den AIC78XX für Vista aber tatsächlich noch auf deren Seiten. Auch wenn sie mittlerweile Microsemi heißen. Die Umbenennung ging irgendwie an mir vorbei.

3Com ist auch nicht mehr und deren Webseiten ebenfalls nicht. Die alten Seiten verweisen auf HPe, welche 3Com vor Jahren geschluckt hatten. Treiber finden sich da allerdings nicht mehr. Nach einiger Sucherei fand sich ein Treiber v4.41 für Windows XP, welcher unter Vista funktioniert.

Nvidia gibt es noch und auch stellen sie weiter Grafikchips her, mit denen von vor knapp 20 Jahren wollen sie allerdings nichts mehr zu tun haben. Selbst wenn man noch Produktbeschreibungen auf den Nvidia Webseiten findet, sind die Treiberlinks verwaist. Nichts, was Nvidia zum Download anbietet, funktioniert mit der Quadro2 Pro. Auch hier hilft wieder nur die akribische Suche im Netz und ich bin bei einem Treiber “Forceware 71.90” für Windows 2000/XP fündig geworden, der sich tatsächlich manuell installieren lässt.

Creative Labs gibts auch noch und sie haben sogar Treiber-Downloadseiten für die alten Karten noch online. Leider gibts dort immer nur Treiber-Updates, die eine Installation des damaligen Treiberpaketes erfordern, welches sie nicht anbieten. Man findet es dann im Netz und bei der Installation friert das System komplett ein. Okay, also kein Sound.

Wie läufts denn nun?

Ein wenig zäh, aber es läuft tatsächlich. 1 GB Ram sind unterstes Minimum für Vista. Ich denke, da sollte man noch ein paar nicht unbedingt benötigte Autostarts wie die Sidebar deaktivieren. Die CPUs sind auch gut ausgelastet. Zum Glück sind ja zwei davon da, das macht die Sache erträglich. Und die Festplatte…nun ja, viel Lärm um wenig Geschwindigkeit.
An Aero Glass muss man auch keinen Gedanken verschwenden. DirectX 7 ist bei der Quadro2 Pro drin, mehr nicht.

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Aber generell funktioniert es tatsächlich. Momentan ohne Sound, aber stabil. Hardware von 1999 und ein Betriebssystem von 2007, welches bis April diesen Jahres sogar noch offiziell Support bekommt. Das muss man erst einmal nachmachen.

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Einige Benchmark-Werte werde ich bei Gelegenheit noch nachreichen. Jetzt installiert grad mal der erste Schwung von 109 Windows-Updates… Winking smile

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Das iPhone wird 10–kollektiver Realitätsverlust

Vor zehn Jahren hat Steve Jobs das erste Smartphone in den Händen gehalten und damit die Welt revolutioniert!

So oder ähnlich klingen in den letzten Tagen einige Berichte, die auf die Präsentation des ersten Apple Smartphones zurückblicken. Das klingt natürlich toll und sicherlich hat Apple damals ein Produkt präsentiert, welches mit seinen Nachfolgern zu Apples Erfolg beigetragen und die Firma Apple selber verändert hat.

Oft wird allerdings dabei übersehen, dass das iPhone keine geniale Revolution darstellte und nichts von dem, was Apple damals präsentierte, wirklich neu war.

Die Tagesschau schrieb heute gar zum ersten iPhone “Das Revolutionäre: Nutzer konnten erstmals mit einem Gerät telefonieren, fotografieren und im Internet surfen.” Eigentlich erschreckend, denn mit der Realität hat das wenig zu tun. Es festigt nur den falschen Glauben vieler Leute, dass Apple das Smartphone erfunden hätte.

Wer nun wirklich das erste Smartphone gebaut hat, darüber kann man trefflich streiten. Sicher ist eines: Apple war es definitiv nicht! IBM hatte schon weit mehr als zehn Jahre vorher den Grundstein gelegt, Nokia mit seinem Communicator die Sache professionalisiert und zum Erfolg getrieben.

Und vor dem iPhone buhlten Palm mit PalmOS, Nokia mit Symbian, Microsoft mit Windows Mobile und Blackberry mit Blackberry OS um Kunden. Die entsprechenden Geräte kann man auch aus heutiger Sicht als Smartphones bezeichnen.

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So gab es schon Jahre vorher “Apps” zur Installation, hatten Kameras und Webbrowser den Weg auf die Geräte gefunden und die vier genannten Plattformen konnten allesamt über ein recht großes Ökosystem aus Programmen, Zubehör und Support verfügen.

Das erste Smartphone mit kapazitivem Display war im Jahr vor dem iPhone das LG Prada. Dass man Akkus tauschen oder Speicher durch Speicherkarten erweitern konnte, war vor dem iPhone selbstverständlich. Dass man ein Gerät erst “aktivieren” und anfangs nur mit speziellen Verträgen des Netzanbieters betreiben konnte fast undenkbar – sieht man von den Blackberry Optionen ab.

Und obwohl seit 2004 Geräte mit UMTS auf dem Markt waren, stattete Apple das erste iPhone drei Jahre später nur mit 2G Funktechnik aus. Es gab also zuerst einmal gar nicht so viel, was für das iPhone sprach.

Wo man allerdings anfangs richtig punkten konnte, war beim Preis. In Deutschland war das iPhone offiziell nur über die Telekom zu haben. Für 399 EUR konnte man es dort bekommen. Nicht einzeln, sondern als Zuzahlung zum Vertrag, der auch im mittleren, zweistelligen Betrag pro Monat angesiedelt war. Das Smartphone als Statussymbol war geboren.

Was war denn nun der Grund für Apples Erfolg? Apple war zur passenden Zeit am passenden Ort. Alle bestehenden Systeme basierten bei der Bedienung auf Konzepten, die schon einige Jahre im Markt waren. Keiner der vorhandenen Hersteller hatte vorher den Mut, einen Schnitt zu machen und bei Null zu beginnen. Apple hatte diese Chance, sie mussten ja eh fast dort anfangen. Sie fingen an und konnten auf Basis der 2007 verfügbaren Technik etwas neues konstruieren, ohne sich um bestehende Nutzer, Konzepte, Apps oder andere Dinge kümmern zu müssen. Das war dann das Glück des passenden Timings.

Die Positionierung als Statussymbol und Steve Jobs’ unnachahmliches “reality distortion field” sowie die allgemein clevere Inszenierung in den Medien und bei den Netzbetreibern brachten Apple voran. Künstliche Verknappung sowie die vorher nie gelungene Aktion, die Netzbetreiber dazu zu bringen, vor Apple zu knien und um die Erlaubnis zum Verkauf der iPhones förmlich zu betteln sind an sich alles nur Zeichen einer wirklich perfekten Marketingmaschinerie.

Jetzt, zehn Jahre später hat sich dabei nur manches geändert. Das iPhone ist heute kein Statussymbol mehr trotz weiterhin hoher Preise. Es zählt aber für viele Leute immer noch als “das Smartphone” und wie man an den Nachrichten sieht, glauben auch viele Menschen weiterhin, es wäre das erste Smartphone gewesen. Wer ein Smartphone ohne großes Vorwissen frei wählen kann, wählt immer noch oft ein iPhone. Diverse Macken von “Antennagate” bis hin zu spontanen Abschaltungen bei Kälte haben am Ruf keinesfalls kratzen können.

Der “goldene Käfig” aus Apps, Medien und neuen Apple Geräten hält auch immer noch viele Leute in ihrem Bann. Wer erst einmal hunderte oder tausende Euro in iPhone, Apps und Infrastruktur investiert hat, wird so schnell die Apple-Welt nicht verlassen.

Schaut man auf Apples Zahlen, hat man in den letzten zehn Jahren aus Firmensicht fast alles richtig gemacht. Das iPhone hat zu großen Teilen dazu beigetragen. Andere Hersteller hatten weniger Glück und ein schlechteres Timing. Und ein schlechteres Marketing.

Korrektur: Das LG Prada war nicht, wie anfangs geschrieben, ein Windows Mobile Gerät.

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Test: ODYS Vario Pro 12–Convertible mit Stift–Teil 3

Und schon bin ich beim dritten und letzten Teil des ODYS Vario Pro 12 Tests angekommen. Heute betrachte ich mal neben dem ODYS Gerät einen quasi “Urahn” und habe einige Benchmarks durchgeführt, um die Geschwindigkeit in Relation zu ganz anderen Geräten messen zu können. Zuerst schauen wir allerdings noch mal auf das Vario Pro selber.

Akkulaufzeiten

Das ODYS Vario Pro 12 kommt mit einem fest verbauten Akku, der mit 9000 mAh vom Hersteller angegeben ist. Das ist nicht gerade wenig und der Hersteller spricht von bis zu acht Stunden Laufzeit.

Bei normaler Nutzung wird man solche Werte nicht erreichen. Tatsächlich sind bei aktivem WLAN und typischer Nutzung (Websurfen, schreiben, Facebook, Twitter) Laufzeiten von knapp fünf Stunden realistisch. Windows meldet bei 95% vollem Akku hier zur Zeit eine geschätzte Laufzeit von 4:34. Das ist okay und reicht für die meisten Anwendungszwecke locker aus.

Leider braucht das Gerät auch etwa die gleiche Zeit, um den Akku wieder vollzuladen. Das ist dann schon eher störend, auch weil es im ausgeschalteten Zustand nicht wirklich merkbar schneller lädt.

Richtig lange hält das Vario Pro im “Connected Standby” durch. Windows meldet hier über 133 Stunden. Also zuklappen und später wieder ohne große Verluste weiter zu arbeiten ist möglich, auch wenn im “Connected Standby” noch Nachrichten empfangen werden können.

Die Anzahl der Ladezyklen meldet der Akku leider nicht zurück.

Der “Urahn”

2-in-1 Geräte, die sich als Tablet oder Notebook nutzen lassen gibt es nicht erst seit dem Vario Pro 12. Auch vorher schon hatten verschiedene Hersteller dazu so ihre Ideen. Richtig ins Rollen kam die Sache allerdings erst durch Microsofts Surface Geräte und viele Hersteller sprangen auf den Zug auf. Einer der Hersteller, die schon eine Zeit vor Microsoft mit 2-in-1 Geräten auf Windows-Basis auf dem Markt waren, ist Acer.

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Das Acer W500 ist – ähnlich wie Microsofts später erschienene Surface Geräte – ein Tablet mit ansteckbarer Tastatur. Es kam Mitte 2011 auf den Markt und wurde mit Windows 7 ausgeliefert. Für ein Tablet ist das Acer W500 ziemlich dick, hat allerdings auch einen normal großen HDMI-Anschluss sowie am Gerät selber ebenfalls einen normal großen USB-Port.

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Das Innenleben verwundert etwas, findet sich hier nämlich doch keine Intel CPU, sondern ein AMD Fusion Chip. Die AMD C-50 APU vereinigt eine 1 GHz Dualcore CPU mit einer AMD HD6250 GPU. Letztere war zumindest damals deutlich schneller als alle einfachen Intel-Grafiklösungen. Sie versorgt ein 10,1” Display im 16:10 Format mit 1280×800 Pixeln mit Daten.

2 GB Ram sind fest verlötet, die 32 GB mSATA SSD SanDisk P4 lässt sich allerdings tatsächlich austauschen. Vermutlich sind solche Details mit ein Grund für das vergleichsweise hohe Gewicht von fast 1 kg und die Dicke des Tablet-Teils. Mit Tastatur zusammen ist das Acer ungefähr 200 Gramm schwerer als das ODYS Vario Pro 12.

Die Tastatur wird über den einen USB-Port des Tablets verbunden und steht dann auf dieser etwas wackelig und kopflastig. Auf dem Schoß kann man es nur schlecht betreiben, auf weichem Untergrund kippt es nach hinten um. Nur auf einer festen, geraden Unterlage steht das Gerät stabil. Klarer Vorteil für Geräte, bei denen Tastatur und Tablet-Teil richtig miteinander verbunden sind.

Die Tastatur bietet ihrerseits zwei USB-Ports sowie einen 100 Mbit/s Ethernet-Anschluss. Da sie als passiver USB-Hub arbeitet, kann man keine USB-Festplatten ohne eigene Stromversorgung an den Ports betreiben. Der Tastenhub ist extrem kurz, der Anschlag knallhart, manchmal prellen die Tasten. Für alles was über das Schreiben einer kurzen Mail hinaus geht ist sie zumindest sehr gewöhnungsbedürftig. Der Trackpoint mit den zwei vorn am Rand angebrachten Maustasten ist schlicht eine Qual. Wie gut, dass man ein Touch-Display hat. Einen Stift erkennt das Acer Display allerdings nicht.

Das Netzteil liefert maximal 40 Watt und wird direkt am Tablet selber angeschlossen, nicht an der Tastatur.

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Von den 2 GB Ram sind leider nur 1,6 GB nutzbar. Den Rest greift sich der Grafikkern – und das leider nicht dynamisch. Das Acer Tablet hat also noch mehr mit dem Problem des viel zu knappen Speichers zu kämpfen. Durch den Einsatz von Windows 10 statt Windows 7 hat sich das zwar etwas verbessert, aber zu wenig bleibt zu wenig, egal mit welchen Tricks gearbeitet wird.

Stellt man die Geräte von Acer und ODYS nebeneinander und lässt sie nach Funknetzwerken suchen, findet das Acer erheblich mehr davon und zeigt das Heimnetz mit deutlich besserem Pegel an. Die Atheros-Karte im Acer kann zwar ebenfalls nur im 2,4 GHz Bereich mit einem Stream funken, kann aber wohl auf deutlich bessere Antennen zurückgreifen.

Beim direkten Vergleich von W500 und Vario Pro 12 gibt es keinen Vorteil für das Acer Gerät mehr. Man merkt ihm die fünf Jahre schlicht an. Die Performance ist für heutige Verhältnisse einfach lausig. Bei jeglichen Komponenten (mal vom WLAN ausgenommen) zeigen sich deutliche Verbesserungen beim modernen ODYS Gerät.

Der Akku des Acer hat zwar noch 3161 von ursprünglich 3586 mAh, d.h. nur einen Verlust von etwa 12% über die Jahre. Trotzdem sind nur knapp zweieinhalb Stunden Nutzung ohne Stromnetz möglich. Die Hardware braucht einfach mehr Strom als moderne Geräte. “Connected Standby” oder ähnliche neue Features werden eh nicht unterstützt.

Die Benchmark-Werte untermauern dann auch noch deutlich, dass schon zwischen ODYS und Acer Welten liegen.

Benchmarks

Um das ODYS Vario Pro 12 etwas besser einordnen zu können, habe ich neben dem Acer W500 noch zwei weitere Geräte mit getestet.

Das Lenovo T540p ist ein Business-Notebook von 2014 mit Intel Core i7 4710HQ, 16 GB DDR3 Ram, Samsung PM851 256 GB SSD und Nvidia GT730 Grafik. Die Vierkern-CPU ist dabei immer noch recht konkurrenzfähig, die Grafik allerdings nicht wirklich für Spieler gedacht.

Dann gibts im Test noch eine Workstation, in diesem Fall ein Eigenbau. Interessant ist die Maschine insbesondere dadurch, dass sie das älteste Gerät im Vergleich ist. Die Intel X5670 CPU mit sechs Kernen a 2,93 GHz kam 2010 auf den Markt, das Gigabyte Board mit Intels X58 Chipsatz sogar schon fast zwei Jahre vorher. Die verbaute OCZ Agility 3 mit 240 GB ist auch schon arg angegraut und nur mit SATA-2 angebunden. Mehr bietet der Chipsatz noch nicht. Modernste Komponente ist die Grafikkarte mit Geforce GTX750Ti Chip.

Für die Tests musste ich auf die ältere Cinebench Version 11.5 zurückgreifen, da spätere Versionen nicht mehr in 32-bit verfügbar sind. Auf den Geräten mit 64-bit Windows wurde allerdings jeweils die 64-bit Version des Benchmarks genutzt. Selbiges gilt für die Tests mit 7-Zip.

Auch sollte an sich das Programm AS SSD Benchmark für die Disk Tests zum Einsatz kommen. Leider verabschiedete dieses sich auf dem Vario Pro immer mit Lesefehlern, so dass ich auf das alte HD Tune ausgewichen bin.

OpenGL Benchmark CineBench 11.5

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Hier setzt sich die Workstation leicht in Führung vor dem T540p. An sich sollte die GTX750Ti hier noch einen Schritt schneller sein als die GT730 im Notebook, wird aber wohl durch den alten X58 Chipsatz der Workstation ausgebremst.

Das ODYS Gerät ist immerhin noch doppelt so schnell wie das Acer Tablet.

CPU Benchmark CineBench 11.5, Multicore-Leistung

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Hier liegt die alte Intel Workstation-CPU mit etwas Abstand vorne. Die AMD C-50 CPU im Acer sieht kein Land und ist weit abgeschlagen hinten. Das ODYS Vario Pro 12 ist hier schon ein Stück schneller. Es zeigt sich aber auch, dass im Vergleich selbst mit einem nicht ganz aktuellen Notebook schon recht deutliche Performance-Unterschiede bei den Tablet-CPUs bestehen.

7-Zip Single- und Multicore Leistung

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Die Benchmark-Funktion von 7-Zip 16.04 zeigt deutlich die Unterschiede zwischen einem einzelnen CPU Kern sowie der Zusammenarbeit aller vorhandenen Kerne. Die beiden schnelleren Geräte unterstützen Hyperthreading, teilen also einen physischen Kern in zwei logische Kerne auf. Damit landen wir bei 12 Kernen bei der Workstation und acht beim Thinkpad. Die kleinen Geräte nutzen nur die tatsächlichen vier (ODYS) bzw. zwei Kerne (Acer) der jeweiligen CPU.

7-Zip skaliert hier also recht gut über mehrere Kerne, d.h. das ODYS Tablet ist mit allen vier Kernen auch tatsächlich etwa vier Mal so schnell wie mit einem einzelnen Kern.

Es zeigt sich auch, dass die einzelnen Rechenkerne der CPUs gar nicht so weit auseinander liegen. Ein Kern des alten Xeon ist nur minimal langsamer als ein Kern des jüngeren Core i7. Die unterschiedliche Rechenleistung der CPU kommt dort alleine durch die unterschiedliche Anzahl der Kerne zustande.

Ein Teil der Mehrleistung der beiden Geräte mit 64-bit Windows kommt teilweise auch durch die Nutzung von 64-bit Software. Der Vergleich mit einem 32-bit 7-Zip auf den 64-bit Systemen bringt durchweg leicht niedrigere Ergebnisse. Trotzdem lohnt es sich wohl nicht, auf den mit wenig Arbeitsspeicher ausgerüsteten Geräten ein 64-bit Windows nur deswegen zu installieren.

HD-Tune 2.55 Lesen

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Ein reiner Lesebenchmark sagt natürlich nicht wirklich viel über eine SSD aus. Der Vergleich soll hier allerdings auch nicht als tiefgehende Analyse der einzelnen Speichermedien dienen, sondern nur zum übersichtlichen Vergleich. Damit reicht dann auch die alte, kostenlose HD Tune, um einen Überblick zu bekommen.

Vergleicht man die durchschnittliche Geschwindigkeit, zeigt sich, dass die eMMC im ODYS gar nicht so schlecht ist, wie der Ruf, der eMMCs anheftet. 94,8 MB/s lesend im Durchschnitt ist immer noch mehr als so manche Festplatte leistet und reicht in einem solchen Gerät meist aus. Schneller darf es natürlich immer gerne sein, aber das kostet dann mehr Geld und möglicherweise auch mehr Strom.

Die auch schon etwas angegraute OCZ SSD in der Workstation wird sichtbar durch das SATA-3-Gbit/s-Interface des Chipsatzes ausgebremst. Der Tausch gegen eine schnellere SSD würde bei der vorhandenen Hardware also wenig bringen.

Im Thinkpad ist die Samsung SSD regulär über eine SATA-6-Gbit/s-Schnittstelle angebunden. Theoretisch wären damit 600 MB/s auf dem Bus möglich. Die PM851 SSD von Samsung ist die OEM Version der 840 Evo und vom Hersteller mit maximal 540 MB/s lesend angegeben. Warum hier schon bei gut 350 MB/s Ende ist, kann ich nicht nachvollziehen. Wird wohl Zeit, noch mal auf die Suche nach Firmware zu gehen, was bei OEM SSDs nicht immer ganz einfach ist.

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Fazit

Das ODYS Vario Pro 12 ist grundsätzlich ein interessantes Gerät. Es vereint Notebook und Tablet, bietet Stiftbedienung und ein schickes Design, ist gut verarbeitet lässt sich angenehm nutzen. Windows 10 läuft darauf gut und die Stiftfunktionen klappen problemlos.

Ich erwarte allerdings von einem Gerät, welches wie ein “richtiges” Notebook aussieht auch, dass man es genau als Ersatz eines solchen normalen Notebooks nutzen kann. Dazu sind zumindest der Arbeitsspeicher und auch der Speicher der Disk zu klein.

4 GB Ram müssen sein, eine 64 GB SSD bzw. eMMC ist Minimum! Alles darunter kann man vielleicht noch in einem reinen Tablet anbieten, aber von 2-in-1 Geräten erwarte ich einfach mehr.

Ich habe bisher und auch während des Tests keinen Grund gefunden, warum ich den Stift tatsächlich im Alltag nutzen sollte. Für mich ist es schön, dass eine Tastatur und ein gutes Touchpad vorhanden sind. Aber der Stift bietet mir keine Erleichterung. Schnelles Mitschreiben passiert auf der Tastatur, für Bedienung des Systems nutze ich Touch oder Touchpad und im Browser oder der Karten-App handschriftliche Notizen vorzunehmen ist einfach kein Nutzungsszenario für mich.

Die Nutzung als Tablet ist durch das vergleichsweise hohe Gewicht nicht primärer Nutzungszweck, das können reine Tablets besser. Aber wenn man es auf dem Schoß im Tablet-Modus nutzt, ist das Vario Pro problemlos und leistet sich hier keine Schnitzer.

Die kleinen Schnitzer des Vario Pro aber sind die immer noch hin und wieder auftauchenden Störgeräusche im Lautsprecher sowie die nicht verfügbaren Tastenkombinationen. Dazu die seltsame Angabe der Akkukapazität, welche aber halt nur ein Anzeigeproblem darstellt. Fehlende Treiber und UEFI Updates auf der Hersteller-Webseite lassen mich befürchten, dass der Normalnutzer da auch keine Änderungen sehen wird.

Bleibt der Preis. In den Preisvergleichen findet sich das Vario Pro für 279 EUR. Für 10 EUR mehr findet sich im Netz das Lenovo MIIX 310 mit 4 GB und 64 GB Flash, abnehmbarer Tastatur, selbiger CPU wie beim ODYS und nur eben über 500 Gramm Gewicht für den Tablet Teil. Allerdings auch nur mit 10,1” Display.
Ebenfalls in der Preisklasse spielen verschiedene ASUS Transformer B0ok Modelle. Ein 10,1” Modell mit 4 GB Ram und ganzen 128 GB eMMC wiegt ebenfalls nur 580 Gramm, kostet aber nicht deutlich mehr als das ODYS Gerät. Einen Stift gibt es bei beiden Modellen nicht.
Auch keinen Stift gibts beim Trekstor Surftab twin und ebenfalls nur 2 GB Ram und 32 GB Flash, dafür allerdings ein FullHD Display. Und man findet es für knappe 200 EUR.

Auch ein 11,6” Gerät gibt es zum Vergleich. Das Medion E2216T kommt wieder mit nur 2 GB Ram, bietet aber ein FullHD Display und geht für 249 EUR über den Ladentisch. Einen Stift gibt es auch hier nicht – aber wie gesagt, dessen Nutzen wäre für mich persönlich eh nicht groß.

Pro:

  • als Notebook relativ leicht
  • ordentlich verarbeitetes, schickes Gehäuse
  • flexibel nutzbar
  • gutes Touchpad, brauchbare Tastatur
  • ausreichende Akkulaufzeit

Kontra:

  • als Tablet relativ schwer
  • zu wenig RAM, zu kleiner Flash Speicher
  • kleine Schlampereien (Tasten, Akkuanzeige, Störgeräusche)

Ich hoffe, ich konnte damit ein paar Informationen zum ODYS Vario Pro 12 liefern und bin gespannt, wie andere Nutzer das Gerät beurteilen.

 

Das ODYS Vario Pro 12 kaufen (sponsored Link)

Hinweis in eigener Sache: das Gerät wurde im Rahmen der Microsoft Produkttester Aktion kostenlos zur Verfügung gestellt. Ich denke, dass das den Test nicht weiter beeinflusst hat. Smile

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Test: ODYS Vario Pro 12–Convertible mit Stift–Teil 2

Damit wären wir dann schon beim zweiten Teil des Tests. Heute geht es darum, wie sich das Vario Pro im Alltag bewährt. Die Software, der Stift, das 360° Scharnier und alles, was sonst noch so möglich ist.

Die Software

Das ODYS Gerät kommt mit einem vorinstallierten Windows 10 Home. Installiert ist die 32-bit Version, was bei nur 2 GB Ram auch ganz sinnvoll klingt. Neben einer Office Testversion sind sonst keine weiteren Softwarebeigaben vom Hersteller installiert. Windows selber beglückt einen ja noch mit der automatischen Installation von ein paar mehr oder weniger hilfreichen Apps, die man zum Glück einfach entsorgen kann.

Nach der Installation stehen von den 32 GB Flash-Speicher noch knapp 18 GB zur Verfügung. Wer größere Datenmengen unterbringen möchte, sollte demnach zuerst eine MicroSD Karte in den vorhandenen Slot stecken und in den Windows Einstellungen diese als Ziel für z.B. Musik, Videos oder Bilder deklarieren.

Mit den beiden hier getesteten MicroSD Karten hatte ich allerdings so meine Probleme. Die SanDisk Ultra 64 GB SDXC Class 10 wurde immer mal wieder mit “Gerät konnte nicht gestartet werden” im Gerätemanager versehen, funktionierte dann zwischendurch wieder einwandfrei. Eine ältere SanDisk 16 GB SDHC Class 2 wurde erst zuverlässig erkannt, nachdem sie mit dem SDFormatter an einem anderen PC formatiert wurde.

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Im Startmenü findet sich das “ODYS eManual”, was nichts anderes ist als ein Weblink zur Produktseite im Internet. Dort findet sich ein Handbuch im PDF Format. Mehr leider nicht. Weder Treiber noch UEFI Updates sind dort zu finden. Nur der Hinweis, man würde normalerweise keine Treiber brauchen und falls doch, möge man sich bitte mit dem Support in Verbindung setzen.

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In Zeiten, wo in UEFI Firmware auch mal Sicherheitslücken gefunden und hoffentlich beseitigt werden ist das m.E. ein schlechter Service. Als Kunde will ich doch nicht erst beim Support nachhaken müssen, ob hier Updates vorliegen! Ich erwarte, dass auf der Produktseite eines jeden Produktes alle notwendigen Treiber sowie alle aktuell verfügbaren Firmware-Updates zum Download bereitstehen. Ohne Nachfrage. Und idealerweise auch ohne irgendwelche Registrierungen oder Anmeldungen. Erwarte ich zu viel?

Startet man auf dem Gerät einige Apps, schmilzt der freie Arbeitsspeicher schnell dahin. Die Mail und Kalender App, Twitter, Facebook und Skype hat man im Tablet Betrieb gerne mal als Apps geöffnet. Damit wäre der Arbeitsspeicher dann schon gut ausgelastet. Zwar arbeitet Windows 10 mit Speicherkompression und Apps im Hintergrund werden angehalten. Damit lässt sich mit modernen Apps immer noch gut arbeiten, auch wenn mehrere gleichzeitig geöffnet sind.

Screenshot (3)

Nur ist das Vario Pro ja gerade als 2-in-1 Gerät gedacht. Und damit laufen hier nicht nur Apps, sondern auch herkömmliche Desktop-Programme. Und diese lassen sich von Windows bisher nicht einfach so pausieren. Word, Excel und Powerpoint ohne Dokumente geöffnet, schon ist man bei 80% Speicherauslastung. Ein größeres Dokument dürfte da schon nicht mehr so schön zu bearbeiten sein.

Cortana

Microsoft bewirbt bei Windows 10 ja immer wieder gerne Cortana, die mittlerweile zur Standardsuchfunktion von Windows 10 beförderte Assistentin. Cortana greift – so der Nutzer es erlaubt – auf alle möglichen Dinge wie Kalender, Mails oder das Web zu und sucht, verwaltet und merkt sich Dinge.

Auch mit dem Vario Pro zusammen wird Cortana als eines der interessanten Features beworben. Cortana ist dabei sowohl durch das Sucheingabefeld im Startmenü als auch direkt per Sprache zu erreichen. Tippt man ins Eingabefeld, wird halt herkömmlich gesucht, d.h. lokale Apps oder Webseiten. Spricht man mit Cortana, kann sie Wecker stellen, Termine anlegen oder auch (ziemlich flache) Witze erzählen.

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Es stellt sich die Frage, ab wann denn daraus wirkliche Vorteile für den Nutzer zu ziehen sind. Bin ich schneller, wenn ich Cortana einen Termin diktiere? Ja, bei einfachen Terminen tatsächlich. Wenn Cortana denn versteht, was man von ihr möchte. Das klappt oft, aber lange noch nicht immer. “Neuer Termin morgen 12 Uhr” klappt wunderbar, aber als Cortana den Betreff wissen möchte, macht sie aus “essen” dann “Apple”. Ähem…

Dringend verzichten sollte man übrigens auf das Feature “Hey, Cortana!”. Ist dies aktiviert, hört Cortana ständig zu und wartet auf ihren Auftritt. Leider hört sie dabei je nach Gerät mal besser, mal schlechter. Ein Test im leisen Wohnzimmer mit “Hey, Cortana!” führte dazu, dass das Notebook und das Windows 10 Mobile Handy interessiert die Lauscher spitzten, während das ODYS 2-in-1 Gerät nicht reagierte. In der Zeit, in der ich dann zwei oder drei Mal “Hey, Cortana!” gerufen habe, kann ich die entsprechende Aktion dann auch gleich selber machen.

Dummerweise frisst die Funktion aber auch Ressourcen. Die kleine Atom CPU ist ständig zu knapp 10% durch den Windows Audiodienst ausgelastet, sobald “Hey, Cortana!” aktiv ist. So wichtig kann mir diese Funktion gar nicht sein, dass ich dafür Akkuzeit opfere.

Der “ActivePen” und Windows Ink

Mit dem Anniversary-Update von Windows 10, d.h. der Version 1607, hat Microsoft das System für die Stiftnutzung ordentlich ausgebaut. Wird ein Stift erkannt, blendet Windows 10 in der Taskleiste automatisch das Windows Ink Symbol ein. Wählt man dieses an, lassen sich hier schnell Notizen per Stift anlegen oder Skizzen erstellen – entweder auf dem Skizzenblock oder direkt auf dem Bildschirm.

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Auch kann man darüber direkt die zuletzt mit Stiftbedienung genutzten Apps aufrufen. Und Microsoft wäre nicht Microsoft, wenn man dort nicht auch noch Vorschläge für Apps aus dem Store unterbringen würde, die Stiftbedienung unterstützen.

Klappt man das Vario Pro 12 um und aktiviert den Tablet Modus, fühlt sich die Bedienung per Stift schnell relativ natürlich an. Die Handschrifterkennung von Windows erkennt auch meine Sauklaue relativ zuverlässig. Nur manchmal verwirrt der auf dem Display aufliegende Handballen das System. Die Trennung von Stift- und Touchbedienung läuft dann nicht ganz sauber und man schiebt bei Stiftbewegungen plötzlich das Infocenter von rechts ins Bild oder hat im Handschriftfeld durch auf dem Display bei der Stiftbedienung aufliegende Fingernägel störende Artefakte. Kommt selten vor, passiert aber.

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Eine geradezu geniale kleine Neuerung ist das virtuelle Lineal, was sich über die Windows Ink Bedienfunktionen einblenden lässt. Damit lassen sich dann auf dem Bildschirm auch tatsächlich gerade Linien zeichnen und die Bedienung fühlt sich fast völlig natürlich an.

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Lineal mit einer Hand schieben, mit dem Stift daran entlang zeichnen. Passt. Allgemein wirkt die Stiftbedienung mittlerweile relativ ausgereift und auf dem Display des ODYS lässt sich recht gut schreiben.

Microsoft bewirbt auch die Karten App als für die Bedienung mit dem Stift geeignet. Man kann nun Routen per Stift planen und sich die Entfernung zwischen zwei Punkten anzeigen lassen, die man mit dem Stift verbunden hat. Leider ist dies noch etwas halbherzig umgesetzt. Die Karten App plant z.B. keineswegs die Route entlang der gezeichneten Strecke, sondern erkennt Start- und Endpunkt und plant dann selbständig dazwischen. Bei einer gezeichneten Route von Hamburg über Dortmund nach München kommt somit eine Route von Hamburg nach München heraus. Dortmund sieht man dabei nicht einmal aus der Nähe.

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Auch in Edge lässt sich vortrefflich auf Webseiten herummalen. Diese Anmerkungen werden auf Wunsch gespeichert. Alternativ lassen sich die verschönerten Webseiten auch als Screenshot speichern. In einer Präsentation kann das als Stilmittel sinnvoll sein. Ob ich bei einer Präsentation mit einem 2-in-1 Notebook samt Stift herumlaufen will, frage ich mich aber schon. Ich präsentiere allerdings auch eher selten Webseiten.

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Klappen? Drehen? Zelten?

Man sollte vor allem nie vergessen, dass man anders als bei einem reinen Tablet hier die Tastatur jederzeit dabei hat – und auch dabei haben muss. Das Gerät in einer Hand zu halten und mit der anderen Hand zu zeichnen wird relativ schnell unangenehm. Dafür ist es schlicht zu schwer.
Und warum sollte ich per Handschrift mit dem Stift auf dem Display schreiben, wenn ich die Tastatur eh immer dabei habe? Wie viele Menschen schreiben wohl mit dem Stift schneller als auf einer Tastatur?

Ich habe im Alltag das ODYS Vario Pro 12 meist im normalen Notebook-Modus genutzt. Dabei ist es gut zu handhaben, kann auch auf dem Schoß genutzt werden und wirkt als Notebook leicht und portabel.
Der Tablet Modus mit nach hinten geklappter Tastatur lohnt nur, wenn man konkret mit dem Stift arbeiten, d.h. zeichnen oder malen will. Eine halbwegs angenehme Sitzposition ist dabei für mich nur auf dem Sofa mit angezogenen Beinen und dem ODYS auf den Oberschenkeln zu erreichen.
Der “Zelt” Modus mit dem Scharnier oben ist meines Erachtens selten sinnvoll. Selbst Filme lassen sich im normalen Notebook-Modus besser schauen, steht das Gerät dabei doch einfach stabiler auf seinen Gummifüßen als auf den Seiten des Kunststoffgehäuserahmens.

Im Maschinenraum

Überraschend viel einstellen kann man im UEFI Setup des ODYS Vario Pro 12. Auch hier zeigt sich die deutliche Verwandtschaft zu den Tablets, bietet das UEFI Setup doch spezielle Optionen für die Nutzung von Android.

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Vom Hauptbildschirm geht es z.B. zu den Einstellungen für den Bootmanager oder den Boot von einer EFI Datei. Auch lässt sich SecureBoot hier konfigurieren. Interessanterweise ist es bei Auslieferung deaktiviert. Ob dies ein Fehler oder Absicht ist, habe ich noch nicht herausfinden können. Ich habe SecureBoot sinnvollerweise aktiviert.

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Spätestens in den Einstellungen unter “Advanced” sollte man allerdings lieber nicht unüberlegt Änderungen vornehmen. Bei vielen Optionen dort kann selbst ich nicht einmal erahnen, wofür sie gut sein mögen. Lieber Finger weg! Smile

Beim Gerät aus der Vorab-Produktion waren übrigens im UEFI Setup noch mindestens 128 MB Ram als für die Intel Grafik eingestellt. Das hat man sinnvollerweise für die Produktionsgeräte auf 32 MB verringert. So bleibt mehr Speicher fürs System und die Zuordnung des Grafikspeichers erfolgt eh dynamisch nach Notwendigkeit.

 

Das war es dann auch schon mit dem zweiten Teil. Im dritten Teil gehts dann wie versprochen um Benchmarks, aber auch Akkulaufzeiten. Zudem darf das ODYS Vario Pro 12 gegen einen seiner “Urahnen” im Vergleich antreten.

 

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Hinweis in eigener Sache: das Gerät wurde im Rahmen der Microsoft Produkttester Aktion kostenlos zur Verfügung gestellt. Ich denke, dass das den Test nicht weiter beeinflusst hat. Smile

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Test: ODYS Vario Pro 12–Convertible mit Stift–Teil 1

An sich sollte dieser Test schon über die Weihnachtstage erscheinen, allerdings sorgten dann leider ein paar technische Probleme für eine gewisse Verzögerung. Dazu später mehr.

Ich hatte die Chance, das ODYS Vario Pro 12 auf Herz und Nieren zu testen und werde diesen und die folgenden Blog Artikel dazu nutzen, das Gerät vorzustellen.

Zum Start geht es in Teil 1 ums Gerät selber, Ausstattung und Details. Dazu folgen in den nächsten Tagen dann noch zwei Artikel mit ein paar Blicken auf die Software und Benutzung von Stift und anderen Windows Funktionen sowie einige Benchmarks. Dann dürfen auch noch einige andere Geräte als Vergleich herhalten.

Die Hardware

ODYS ist als Hersteller bisher eher durch preiswerte Tablets mit Windows Betriebssystem bekannt. Mit dem Vario Pro 12 startet man hier das erste Gerät, was eher als Notebook durchgeht.

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Das ODYS Vario Pro 12 ist ein 2-in-1 Notebook mit 360° Scharnier, Touchdisplay und mitgeliefertem Stift. Es lässt sich somit per Tastatur, Touchpad, Display oder halt per Stift bedienen. Per Maus natürlich auch, wenn man denn eine anschließen möchte.

Auch hier setzt man wie bei den Tablets nicht in der High-End Klasse an, sondern bringt ein preislich schon eher im unteren Bereich angesiedeltes Gerät. Für unter 300 EUR ist das Vario Pro 12 seit kurzem auf dem Markt.

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Positiv fällt zuerst schon das Gehäuse auf. Der Gehäusedeckel und der Bereich um die Tastatur sind aus Metall, der Boden des Gerätes ist aus Kunststoff. Alle passt gut zusammen, Spaltmaße und und Stabilität stimmen. Was man nicht findet ist ein Lüfter. Den braucht das Gerät zum Glück nicht.

Über das 360° Gelenk lässt sich die Tastatur nach hinten klappen. Damit wird das Vario Pro zum Tablet. Die Funktion der Tastatur wird automatisch deaktiviert und Windows schaltet auf Wunsch ebenso automatisch in den Tablet-Modus. Auch mit dem Scharnier nach oben im “Zelt” Modus lässt es sich betreiben. Hat man einmal den normalen “Notebook” Modus verlassen, dreht auch der Bildschirminhalt brav in alle Richtungen mit.

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Anders als an vielen Tablets und selbst manchen Notebooks finden sich am Vario Pro 12 zwei normal große USB Ports, einer davon als USB 3.0 Port, sowie ein MicroHDMI Anschluss für einen Bildschirm und ein MicroSD Kartenleser. Der rechte USB Port wird beim Laden leider vom abgewinkelten Netzteilstecker verdeckt. Will man bei Betrieb am Strom einen USB Stecker einstecken, kommt man dem Kabel in die Quere.

Das mitgelieferte 15 Watt Steckernetzteil ist zwar kompakt, das Kabel zum Vario Pro 12 selber ist allerdings arg knapp gehalten. Auf dem Schreibtisch arbeiten mit einer Steckdosenleiste auf dem Fußboden? Keine Chance!

Und es gibt natürlich die 3,5mm Klinkenbuchse für Kopfhörer. Diese liefert ordentlichen Sound für Filme oder Musik, was der integrierte Lautsprecher eher nicht schafft. Der ist zwar ausreichend laut, aber mehr sollte man nicht erwarten. Zwischendurch tauchte hier auch noch ein störendes Zischeln auf, welches sich durch CPU Last und/oder WLAN Last verstärken ließ.

Das Display selber verfügt über eine Diagonale von 11,6” und löst mit 1366×768 Pixeln auf. In der Preisklasse ist die vergleichsweise geringe Auflösung wohl eine Einschränkung, die man hinnehmen muss. Immerhin gehen Farben und Blickwinkelstabilität in Ordnung. Draußen sollte man sich allerdings einen schattigen Platz suchen. Das Display spiegelt und die Helligkeit kommt gegen kräftigen Sonnenschein nicht an. Die Webcam oberhalb des Displays eignet sich für Skype und Co., allerdings kennt sie kein Windows Hello. Wie bei Notebooks üblich gibt es nur eine Webcam.

Für eine vollständige Notebook-Tastatur war leider kein Platz, so dass sich manche Tasten nur per Fn-Taste aufrufen lassen. Auch entspricht die Form der breiten Enter-Taste eher dem US Layout. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig, denn öfter mal erwischt man die # Taste statt Enter. Bedruckt sind die Tasten aber mit deutschem Layout.

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Dummerweise funktionieren so einige Tastenkombinationen nicht. Einfg ist als zusätzliche Funktion auf der Entf Taste und somit über “Fn+Entf” zu erreichen. Will man nun aber Strg+Einfg drücken und drückt “Fn+Strg+Entf”, wird die Fn-Taste ignoriert. Selbiges gilt für andere Tasten mit Doppelbelegung auch. Shift+Pos1 oder Strg+Ende lässt sich somit auf dem Vario Pro 12 mit der internen Tastatur nicht nutzen. Der Vielschreiber wird da nicht begeistert sein.

Update 17.01.: Das o.g. Fehlverhalten der Tastatur wird mit einem Firmware-Update des entsprechenden Controllers korrigiert, welches über den Hersteller erhältlich ist. Mit aktualisierter Firmware klappen die genannten Tastenkombinationen nun sauber. 

Tastenhub und Anschlag sind gerade noch okay, allerdings auch wieder für die Vielschreiber kein Vergnügen. Dafür ist der Hub dann doch etwas zu kurz. Mit guten mobilen Tastaturen wie denen von Lenovos Thinkpads oder dem Surface Book von Microsoft kann sich die Vario Pro Tastatur nicht messen. Wir müssen da halt wieder in Richtung des Verkaufspreises schielen und auf die Kompaktheit des Gerätes. Das relativiert die Sache dann etwas.

Das Touchpad ist da eher positiv zu nennen. Es ist eines der von Microsoft in Zukunft geforderten Präzisionstouchpads und verfügt über Mehrfinger- und Gestenbedienung, worüber sich gut arbeiten ließ. Und das mit einem Windows Standardtreiber.

Wichtig für die Arbeit wären dann aber noch ein paar andere Komponenten, die die “inneren Werte” ausmachen. Wie oben schon erwähnt verfügt das ODYS Gerät über keinen Lüfter. Allerdings ist kein schneller Core m verbaut, sondern man beschränkt sich hier auf  Hardware, wie man sie auch typischerweise in Tablets vorfindet.

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Ein Intel Atom x5-Z8350 Cherrytrail SoC mit 1,44 GHz nominalem Takt sorgt für Berechnungen und Grafik. Bis auf 1,92 GHz können die Kerne übertakten und ganze vier davon sind vorhanden.

Die integrierte Intel HD Grafik reicht für FullHD Videos, kennt DirectX 12 aber kein VP9 und kann auch mit H.265 nichts anfangen. Es dürfte schwierig werden, ruckelfrei Inhalte mit diesen Codecs abzuspielen. Bleibt man beim gewohnten und zur Zeit verbreiteten H.264, laufen aber Videos ruckelfrei und ohne große CPU Last.

Die Daten liegen auf einer eMMC namens BWBD3R von Samsung mit 32 GB Kapazität. Die ist für eine eMMC vergleichsweise zügig, aber dazu später bei den Benchmarks mehr. Nicht ganz so zügig ist der WLAN Adapter. Realteks RTL8723BS funkt nur auf 802.11n im 2,4 GHz Band mit einem Stream und auch dort nur mit eher mäßigem Empfang und mieser Performance. Mehr als 150 Mbit/s sind somit nicht drin, dafür aber immerhin noch Bluetooth. Der eher schwache Empfang könnte mit den Gehäuseteilen aus Metall zu tun haben.

Bleibt noch der Akku. Der hat 9200 mAh laut Hersteller. Allerdings hat man bei der Programmierung der Akku Firmware ein wenig Murks gebaut. Während man die 9200 mAh “Full Charge Capacity” angezeigt bekommt, meldet sich der Akku bei der “designed Capacity” mit nur 4300 mAh. Der Akku meldet also, er sei mehr als doppelt so voll als vom Hersteller vorgesehen. Auswirkungen auf den normalen Betrieb hat dies so aber nicht, nur auf den Akku-Report von Windows.

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Der oben schon erwähnte Stift wird als “ActivePen” bezeichnet. Er verfügt über zwei seitliche Tasten, die nur dann funktionieren, wenn der Stift direkt weniger als ein paar Millimeter über dem Display gehalten wird. Eine Taste am Ende des Stiftes, wie bei den Surface Geräten, gibt es nicht.

Die seitliche Ausbuchtung dient dazu, den Stift am linken USB Port zu befestigen, wenn er nicht gebraucht wird. Ich halte diese Befestigung für eine komplette Fehlkonstruktion! Jegliche Bewegung am Stift überträgt sich damit auf den USB Port, die Hebelwirkung sorgt für den Rest. Eine magnetische Halterung wäre hier erheblich sinnvoller gewesen. Wer das Vario Pro 12 in eine Tasche steckt, sollte grundsätzlich dran denken, den Stift vorher abzunehmen – oder sich in Gedanken schon von einem USB Port verabschieden.

Damit hätten wir dann auch schon gleich den Lieferumfang des Gerätes genannt, neben Stift und Netzteil findet sich im stabilen Karton nämlich sonst nichts, von einer Garantiekarte und einer Kurzanleitung abgesehen.

Das war dann schon der erste Teil des Tests mit dem Blick auf die Hardware. Kommentare sind natürlich immer gerne gesehen.

Ach ja: wer genau hinschaut, erkennt vielleicht, dass die Fotos zwei verschiedene Geräte zeigen. Mein erstes Testgerät stammte noch aus der Vorab-Produktion und war somit noch nicht ganz final. Bei dem Gerät ließen sich fast gar keine Tasten zusammen mit der Fn-Taste nutzen. Das später erhaltene Gerät aus der normalen Produktion kennt das Problem nicht mehr.

Nachdem der Support über die noch bestehenden Tastenprobleme und das Sound-Störgeräusch sowie die seltsame Akku-Firmware informiert ist, warte ich noch etwas ab, ob dies noch behoben werden kann. Mehr dazu dann hoffentlich spätestens im dritten Teil.

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Hinweis in eigener Sache: das Gerät wurde im Rahmen der Microsoft Produkttester Aktion kostenlos zur Verfügung gestellt. Ich denke, dass das den Test nicht weiter beeinflusst hat. Smile

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Windows 10 Upgrade–jetzt aber flott!

Der letzte Monat, in dem man seine vorhandenen Windows 7 und 8.x Rechner kostenlos auf Windows 10 upgraden kann, bricht bald an. Und damit sollten sich alle noch nicht zum Upgrade Entschlossenen noch einmal Gedanken machen. Dieser Artikel soll dazu ein wenig nachhelfen.

Also, warum jetzt upgraden? Nur weil Microsoft ständig drauf hinweist? Manch einer war ja durch die Upgrade Hinweise selber schon so genervt, so dass einige Leute schon meinten, nur deswegen nicht upgraden zu wollen. Und das große Thema Datenschutz steht auch bei vielen immer noch als Problem im Raum.

Warum upgraden?

Windows 10 ist das modernste und sicherste momentan verfügbare Windows. Das alleine sollte schon für jeden Windows Nutzer an sich ein guter Grund sein. Microsoft hat viele kleine und große Features nutzerfreundlicher gestaltet, das System deutlich modernisiert, verschlankt, schneller gemacht und neue Sicherheitsfunktionen hinzugefügt.

Das neue Startmenü kann mit Apps oder Programmen versehen und ganz frei nach Wunsch angeordnet werden. Mehr im Touch-Stil, mehr im herkömmlichen Stil, mit großen Kacheln oder kleinen Symbolen.

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Selbst die mitgelieferten Apps und Programme machen im Vergleich zu Windows 7 oder 8.1 mittlerweile richtig was her. Die Fotos App taugt als Viewer, bietet automatische Sammlungen und Slideshows, die Apps für Mail und Kalender reichen für viele Normalnutzer mittlerweile vollkommen für den Alltag aus und selbst Microsofts Edge Browser ist mittlerweile mit Erweiterungen benutzbar geworden. Innerhalb des einen Jahres seit dem Erscheinen hat Microsoft hier deutliche Fortschritte gemacht.

Windows 10 lässt sich zudem einfacher updaten, bekommt neue Features nicht erst nach Jahren, sondern mit den Build-Upgrades zwischendurch und ist damit immer auf dem aktuellen Stand. Auch muss nicht ständig eine Masse von einzelnen Updates eingespielt werden, sondern die monatlichen Updates sind kumulativ. Ein einzelnes Updatepaket jeden Monat und das System selber ist auf dem aktuellen Stand. Egal auf welchem Stand es vorher war.

Die ganz überwiegende Mehrzahl der vorhandenen Software läuft weiterhin, selbiges gilt für Peripheriegeräte. Sobald mindestens Treiber für Windows 7 vorhanden sind, ist die Einbindung normalerweise kein Problem.

Gerade sehr aktuelle Hardware ist ein guter Grund, gleich auf Windows 10 zu setzen. NVMe SSDs, UEFI, USB 3.1, alles kein Spaß mit alten Windows Versionen.

Was upgraden?

Windows 10 hat keine größeren Systemanforderungen als Windows 7 sie schon hatte – nur die CPU muss mittlerweile das NX Bit (Execute Disable) unterstützen. Ansonsten sind 2 GB Ram, knapp 20 GB Plattenplatz und eine DirectX 9 fähige Grafikkarte ausreichend. Das wars. Das ist dann Hardware, wie sie 2007 aktuell war.

Im Netz finden sich immer schnell die großen Skeptiker, die vom Upgrade abraten, sobald der Hersteller nicht offiziell Windows 10 supportet. Das ist stark übertrieben. Einerseits interessieren sich die meisten Hersteller sowieso nicht für den Support neuer Systeme auf bereits verkaufter Hardware, andererseits sind – wie schon erwähnt – ja auch Windows 7 oder 8.x Treiber passend.

Also konkret: im Grundsatz lässt sich fast jegliches Gerät aus den letzten acht bis neun Jahren auf Windows 10 bringen.

Von mir empfohlenes Minimum für einen normalen Desktop/Laptop:

– Dualcore CPU, Intel Core 2 Duo oder AMD Athlon X2
– 4 GB Ram
– Onboard Grafik ab i945 oder Grafikkarte ab Nvidia Geforce 7000 oder AMD Radeon HD3000
– eine SSD ist kein Muss, beschleunigt aber erheblich

Bei Tablets, die mit Windows 7 oder 8.x verkauft wurden, sind auch nur 2 GB Ram kein Problem, da hier ja normalerweise in der Hauptsache die modernen Apps genutzt werden.

Es gibt einige ältere Notebooks mit umschaltbaren Grafiklösungen, die problematisch sind. Hier kann sich ein Upgrade trotzdem lohnen. Nur muss man hier im BIOS Setup des Gerätes eine der beiden Grafiklösungen deaktivieren. Beispiele für solche Geräte sind Lenovos Thinkpad T500/W500 Serien. Hier lässt sich problemlos auf eine der Grafiklösungen im BIOS umschalten und danach läuft alles wunderbar.

Ist eine Deaktivierung bzw. Umschaltung im BIOS nicht möglich und funktioniert die Grafik nicht, kann dies auf speziell diesen Geräten ein K.O.-Kriterium sein. Es hilft in diesem Fall nur das Ausprobieren. Zum Glück sind solche Problemfälle eher selten.

Kosten, Lizenzen und neue Hardware

Das Upgrade ist kostenlos. Es gibt kein Abo. Es kommen nach Ende des kostenlosen Upgrades keine Fallstricke. Windows 10 lässt sich auf dem upgegradeten Gerät weiterhin kostenlos nutzen, neu installieren und wird mit neuen Updates versorgt.

Mit der im Juli erscheinenden Version 1607 von Windows 10 (“Anniversary Update”) wird es möglich sein, die Aktivierung ans eigene Microsoft Konto zu knüpfen. Damit ist dann auch der Austausch z.B. eines Mainboards und die Reaktivierung des Systems auf dem neuen Mainboard möglich.

Man wird nicht enteignet, es gibt keinen Ablauf irgendwelcher Lizenzen. Es gibt absolut keinen Grund für Panik!

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Datenschutz und Cloud

Microsoft hat sehr umfassende Datenschutzbestimmungen, bei denen sich ein riesiges Dokument auf alle Produkte und Dienste des Unternehmens bezieht. Dabei den Überblick zu behalten, ist vielfach nicht ganz einfach. Und so glauben immer noch Leute, Microsoft würde den Benutzer komplett ausspionieren bis hin zu Tastendrücken und Schreibverhalten und seine Daten werweißwo speichern und weitergeben.

Wer eine normale Windows 10 Installation nutzt und keine Insider Preview, der muss allerdings überhaupt keine Angst vor Überwachung haben. Weder wird man gezwungen, Dokumente in die Cloud zu stellen, noch wird ständig irgendwas aufgezeichnet.

Auch gibt sich Microsoft nirgendwo das Recht, die lokale Festplatte des Nutzers auf Daten zu durchsuchen, wie an mancher Stelle schon zu lesen war.

Wer von sich aus freiwillig Daten auf Microsofts Onedrive stellt, gibt Microsoft natürlich das Recht, diese Daten zu verarbeiten (aka “zu speichern”) und wer Microsofts digitale Assistentin Cortana nutzen will, der muss natürlich gewisse Zugriffe erlauben, damit Cortana auch funktionieren kann. Ohne Zugriff auf z.B. den Kalender kann eine digitale Assistentin nun einmal keine Termine eintragen oder dran erinnern.

Allerdings muss man immer wieder erwähnen, dass es eben kein Zwang ist, diese Funktionen zu nutzen. Wem seine Daten heilig sind, der gibt gleich bei Installation oder Upgrade an, die Funktionen nicht nutzen zu wollen, die Datenaustausch zur Funktion benötigen.

Wie upgraden?

Die ganze Zeit schreibe ich von einem Upgrade, dabei meine ich eigentlich technisch gar kein Upgrade. Winking smile

Der beste Weg hin zu Windows 10 ist im Normalfall eine Neuinstallation. Das ist zwar ein harter Schnitt und etwas Arbeit, aber nur so hat man eine frische Basis ohne Altlasten. Das Upgrade installiert zwar auch ein neues System, übernimmt dann aber diverse Einstellungen, Programme und damit auch viele Dinge, die möglicherweise im neuen System stören könnten. Und aus Erfahrung stören sie auch tatsächlich.

Gerade alte Windows 7 Vorinstallationen von manchen PC-Herstellern, auf denen über die Jahre hunderte Programme installiert und deinstalliert und diverse Tuning-Tipps ausprobiert wurden, sind da Quelle allen möglichen Übels.

Sinnvollerweise lädt man also bei Microsoft das Media Creation Tool herunter, erstellt damit eine DVD oder einen USB Stick mit dem Installationsmedium, bootet den PC und installiert frisch.

Ich gehe sogar so weit und lösche die Partitionen der Platte, auf der neu installiert wird, damit eventuell früher falsch angelegte Partitionen nicht stören können. Unbenannt

Damit partitioniert das Windows 10 Setup einmal so, wie es aktuell von Microsoft für sinnvoll erachtet wird.

Nach der Installation kommen viele Treiber über Windows Update, so denn eine Internetverbindung besteht. Für weitere Geräte helfen die Webseiten der Gerätehersteller weiter.

Was vermeiden?

Aus Gewohnheit installieren viele vermutlich zuerst wieder ihre altbekannte Sicherheitssoftware und alle möglichen Tools, um Windows zu “tunen” oder sonstwie einzustellen. Bitte verzichtet darauf!

Der Windows Defender ist als Virenscanner weit besser als sein Ruf oder irgendwelche Labortests es darstellen können. Belasst es zuerst mal dabei. Die Adware-Erkennung im Defender zu aktivieren ist aber eine gute Idee. Wie das geht, habe ich hier beschrieben.

Nutzt statt Bereinigungstools die Windows-Datenträgerbereinigung.

Verzichtet auf Registry-Cleaner. Die Registry muss grundsätzlich nicht bereinigt werden!

Macht einen Bogen um automatische Treiber-Updater-Tools. Die Programme selber stammen nahezu durchweg von dubiosen Herstellern, beziehen ihre Treiber aus ebenso dubiosen Quellen und installieren oft unpassende Treiber oder verwirren mit angeblich verfügbaren Updates, die sich auf andere Geräte beziehen.

Zusammengefasst

Man kann und sollte sich als Windows Nutzer auf Windows 10 einlassen. Das System läuft gut, das kostenlose Upgrade-Angebot ist gut und mit dem Juli Upgrade kommt schon wieder ein Schwung Neuerungen und Verbesserungen dazu.

Nutzt das System, schaut euch Änderungen und neue Features an und ihr werdet feststellen, dass man sich auch an Dinge, die anders als früher sind, schnell gewöhnt. Die Sache ist es wert.

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Windows auf dem Smartphone–tot oder totgeredet?

Frage: Ist Windows Phone tot?

Antwort Ja, definitiv. Der Nachfolger heißt “Windows 10 Mobile”, also ist Windows Phone tot. Winking smile

Okay, einen Artikel so anzufangen, ist vielleicht ein wenig ketzerisch und an sich ist Windows Phone auch nicht tot, denn es gibt weiterhin Support für WP 8.1.

Aber ein großes Problem von Microsoft scheint momentan zu sein, dass viele weiter zwischen Windows auf dem PC und Windows auf dem Smartphone unterscheiden und “Windows Phone” getrennt vom Rest betrachten. Aber der Reihe nach.

Abwärts

In den letzten Wochen und Monaten konnte man in den Verkaufszahlen von Smartphones einen Trend betrachten, der für Windows Smartphones deutlich nach unten zeigte. Die Verkaufszahlen von Geräten mit Windows sind weltweit vollkommen in den Keller gegangen. Sah man letztes Jahr noch teilweise zweistellige Prozentzahlen, muss man mittlerweile schon fast um die einstelligen Zahlen fürchten.

Die aktuell verfügbaren vier Lumia Modelle werden wohl nur in homöopathischen Dosen verkauft und Erfolge sieht man bei den Zahlen quasi nirgendwo mehr.

Diverse Webseiten und Blogger nehmen diese Zahlen genüsslich auseinander und bringen natürlich auch jede News darüber, wenn irgendein Unternehmen seine Windows App einstellt – egal welche Relevanz dieses Unternehmen nun hatte.

Die hämischen Kommentare von Apple Usern wirken daneben noch eher belustigend, geht der iOS Marktanteil doch selber grad deutlich nach unten – allerdings natürlich immer noch auf einem anderen Level. Googles Android kannibalisiert den Markt unaufhaltsam.

Was passiert denn da gerade mit Windows auf dem Smartphone? Microsoft hat zwei Dinge bekanntgegeben. Einerseits, dass in diesem Jahr Smartphones keine Priorität haben und andererseits, dass man natürlich Windows 10 Mobile weiterentwickelt.

Nun ist das keine Beerdigung, aber die Prioritäten so zu setzen, klingt schon etwas seltsam, für ein Unternehmen, dass ständig das Mantra “mobile first, cloud first” vor sich her trägt. Man sollte also an sich schon erwarten, dass hier das eigene System eine gewisse Priorität darstellen würde.

Die Software-Zukunft

Und genau da kommen wir zum interessanten Punkt, den ich oben angerissen hatte: es gibt ja nun mittlerweile kein eigenständiges System “Windows Phone” mehr. Was aktuell weiterentwickelt wird, ist einfach nur “Windows 10”. Die Entwicklung läuft nicht etwa getrennt ab, sondern es wird ein System entwickelt, was auf Displays mit 4” genauso läuft wie auf Displays mit 80”.

Es gibt wenig Gründe, warum Microsoft hier spontan bestimmte Geräte ausschließen sollte. Die Entwicklungskosten dürften nicht signifikant sinken, wenn man keine Mobile Version mehr anbieten würde. Insofern liegt die Priorität weiter bei Windows 10 als Plattform – und das schließt natürlich mobile Geräte ein.

Die Apps sind ebenfalls universal. Eine App, die für Windows 10 entwickelt wird, läuft auf Windows 10 – egal ob 4” oder 80”. Und zumindest auf PC, Notebook und Convertibles gibt es momentan rund 300 Mio. Windows 10 Nutzer. Dafür sollte sich auch App-Entwicklung lohnen. Eine Windows 10 Mobile Version abzuschaffen würde auch hier nichts bringen, denn warum sollten Firmen eine App entwickeln, die dann doch nur auf herkömmlichen PCs liefe?

Wen hat man als User denn nun verloren und wohin will man?

Microsoft will Windows 10 – insbesondere die Mobile Variante – mehr als System für Business-User etablieren und hat dank des großen Android Erfolgs die Privat-User momentan eher abgeschrieben. Der Privatuser will einfach nur Apps und zwar Massen davon, immer die allerneuesten und das sofort. Das sieht im Business-Umfeld anders aus. Und genau darauf stützt man sich nun.

Verwaltbarkeit, die Anbindung an die (eigenen) Business-Anwendungen, das sind die Themen, die dort gerade auf der Agenda stehen. Man ist groß bei Themen wie Office oder den Cloud Anwendungen und es ist dem Unternehmen relativ egal, mit welchen Endgeräten der Nutzer drauf zugreift.

Den Privatuser und die Entwickler, die dafür Apps entwickeln, konnte man bisher kaum erreichen und nicht nachhaltig begeistern, also versucht man es jetzt auch nicht mehr wirklich.

Die Hardware-Zukunft

Man hat es mit den Surface Geräten vorgemacht: wenige Geräte, die allgemein zeigen, was mit der Plattform Windows alles möglich ist und die den sonstigen Herstellern als Ideengeber dienen. Und schon begründet man eine neue Geräteklasse und hat damit tatsächlich Erfolg.

In diese Richtung werden sicherlich auch die Smartphones gehen. Als einzelner Hersteller kam Microsoft auch mit dutzenden Smartphone Modellen nicht gegen die Android Übermacht an, egal wie gut oder günstig die Geräte waren. Man wird in Zukunft also auch eher den Weg gehen, nur ein kleines Portfolio an eigenen Geräten zu produzieren, wobei dies auch eher High-End-Geräte sein dürften. Und der Rest wird dann auch den weiteren Herstellern überlassen.

Ob das funktionieren wird, wird sich zeigen. Momentan sieht es noch nicht danach aus. Wie viele neue Windows 10 Mobile Geräte sind von anderen Herstellern als Microsoft verfügbar oder angekündigt? HP und Acer fallen da momentan ein, ein paar kleine Hersteller noch und dann kommt lange nichts. Würde ein “Surface Phone” dies jetzt merklich ändern? Würden wirklich Leute alleine wegen traumhafter Hardware auf Windows auf dem Smartphone setzen?

Das Risiko

Meines Erachtens geht Microsoft da zur Zeit ein extrem großes Risiko ein. Man erwartet, dass man das Business-Umfeld weiter als eigene Domäne halten kann, selbst wenn man den Normalanwender als Kunden verliert. Das klappt meiner Meinung nach nicht.

Wie sind Android und iOS denn in den Markt gekommen? Über den Normalanwender. Wer drängt ins Business? Apple vehement und Google kaum weniger. Und was kauft der Business-User? Das, was er als Normalanwender kennt.

Und warum sollte der Android Anwender dann die Microsoft Business Apps nutzen? Immer mehr Leute nutzen dann gleich das, was Google an Cloud Funktionen bietet. In den meisten Ländern wird das Thema Datenschutz lange nicht so hoch gehängt wie in Deutschland.

Man hat in den letzten Jahren einige interessante Features bei Smartphones auf den Markt gebracht, die schnell von der Konkurrenz übernommen wurden. Überall dort, wo die Lumia Handys führend waren, hat die Konkurrenz nachgezogen und oft überholt. Alleinstellungsmerkmale blieben nur wenige.

Man hing allerdings auch bei vielen Dingen lange hinterher. Dinge, die auf anderen Plattformen selbstverständlich sind, kamen erst verzögert oder bisher gar nicht. Ob sich die “Auszeit”, in der Microsoft die Smartphones nicht als Priorität setzt, da gut macht?

Dass man nicht das Sicherheits-Fiasko wie bei Android haben muss und trotzdem die Leute nicht völlig in einen golden Käfig zwingt wie bei Apple, hebt die Plattform zwar angenehm ab. Allerdings fühlen sich die Apple User in ihrem goldenen Käfig ja ganz wohl und die meisten Android User interessieren sich nicht die Bohne für ihre Sicherheit. Wo soll man dagegen punkten?

Fazit

Windows auf dem Smartphone ist nicht tot. Es wird momentan mehr totgeredet. Allerdings ist es möglich, dass das System zum “Zombie” in der Nische wird. Und Zombies existieren halt nur so lange, bis ihnen jemand den Kopf abschlägt.

Zwei Dinge halten Windows 10 Mobile momentan am Leben: Universal Apps und der Wille Microsofts.

Die Vorteile einer Universal App muss Microsoft den Entwicklern aber noch deutlich schmackhafter machen, denn viele Entwickler scheinen immer noch nicht verstanden zu haben, dass man mit einer App die komplette Plattform erreichen kann. Hier wird auf die mobilen Verkaufszahlen geschaut und nicht auf die Verbreitung der Plattform insgesamt. In den USA haben dies einige große Firmen verstanden und neue UWP Apps für Windows herausgebracht.

Und Microsoft hat beispielsweise bei der Xbox gezeigt, dass man einen langen Atem hat, wenn sich Erfolg nicht sofort einstellt. Das sollte man allerdings nicht durch Aussagen konterkarieren, die etwas anderes andeuten könnten.

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